Hypo Vorarlberg sieht sich als „kerngesunde Bank“

Markt / 02.04.2019 • 18:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Zentrale der Hypo Vorarlberg in Bregenz. Hypo
Die Zentrale der Hypo Vorarlberg in Bregenz. Hypo

Operativ starkes Jahr. Wachstum bei Krediten für Unternehmer und Private.

Bregenz „Es war ein wirtschaftlich erfolgreiches Jahr, und die Hypobank Vorarlberg ist eine kerngesunde Bank“, bringt Vorstandschef Michel Haller das Wesentliche auf den Punkt. Denn blickt man rein auf die Bilanzzahlen für 2018, dann führt das eher zu Verwirrung. Grund sind zwei unterschiedliche Bilanzierungsgrundsätze. Der eine („UGB“) gilt für die Bank, der andere („IFRS 9“) ist aufgrund der Konzernstruktur und der börsennotierten Anleihen seit 1. Jänner 2018 verpflichtend.

Da nach „IFRS 9“ auch bei „gesunden Krediten“ Risikovorsorgen getroffen werden müssen und Abschreibungen im Beteiligungsbereich erforderlich sind, sei ein Vergleich zum Vorjahr nahezu unmöglich. Auch wenn die Intention der international gültigen Bilanzierungsrichtlinie eigentlich die Vergleichbarkeit und eine geringere Komplexität war. „Bei IFRS 9 sieht man den Erfolg nicht. Früher hat man nach alter kaufmännischer Vorsicht gerechnet und eine Risikovorsorge dann gebildet, wenn ein Kredit ausfiel. Heute muss man das bereits am Tag nach der Kreditvergabe tun. Auch bei bester Bonität. Das gilt auch für alle alten Kredite“, sagt Haller über die „Ironie“.

Hypo-Vorstand: Wilfried Amann, Michel Haller und Johannes Hefel. hypo
Hypo-Vorstand: Wilfried Amann, Michel Haller und Johannes Hefel. hypo

So steht am Ende des Jahres eines fest: Der Vorsteuergewinn der Hypo Vorarlberg hat sich nach „UGB“ auf 84,3 Millionen Euro (+22%) verbessert, nach „IFRS 9“ allerdings auf 48,6 Millionen Euro (-48,6%) verschlechtert. Welches nun die „wahre Bilanz“ ist? „Fragen Sie mich nicht“, sagt Michel Haller.

Interessant ist deshalb vielmehr der Blick auf jene Zahlen, die ein Experte wohl für am wichtigsten halten würde, um die „Gesundheit“ einer Bank zu bewerten. Neben dem nachhaltigen Geschäftsmodell ist das zum einen das Kernkapital, das bei 1,18 Milliarden Euro liegt, und die Kernkapitalquote von 15,2 Prozent. Zum anderen ist das die Bonität, die auch ohne Landeshaftung sehr positiv ausfällt. Bei der Ratingagentur Standard&Poor’s liegt sie mittlerweile bei A+, bei Moody’s bei A3. Und zuletzt geht es um die Risiken im Portfolio und den Krediten. Ein Beispiel, das hier für die Hypo spricht: 2018 entfielen insgesamt nur 1,4 Prozent der gesamten Ausleihungen auf notleidende Kredite.

Mehr Kredite vergeben

Ein Wachstum gab es für die Hypo Vorarlberg 2018 bei der Bilanzsumme und im Kreditbereich. Die Bilanzsumme stieg um 4,3 Prozent auf 13,8 Milliarden Euro. Die Kredite an Firmen- und Privatkunden um 2,6 Prozent auf 9,6 Milliarden Euro. Ausfälle gebe es hier nahezu keine, sagt Vorstand Wilfried Amann. Um rund acht Prozent legte 2018 der Wertpapierbereich zu. Auch wenn es, wie Vorstand Johannes Hefel betont, „eines der schwierigsten Anlagejahre war“. Dennoch wurden vermehrt Sparbücher in Wertpapierveranlagungen umgeschichtet.

Apropos Immobilien: Die Nachfrage sei ungebrochen hoch, auch wenn sich bei Luxusimmobilien die Zeitspanne bis zum Verkauf verlängere, merkt Amann an. Jedoch sei gerade für junge Menschen langsam die Grenze der Finanzierbarkeit erreicht. Ohne Unterstützung von Verwandten könnten sich viele Eigentum nicht mehr leisten.

Änderungen bei Filialstruktur

Veränderungen kommen derweil auf die Standorte zu. Denn heute würden nurmehr 27 Prozent der Transaktionen in einer Filiale stattfinden, der Rest über Online-Banking, sagt Hefel. Deshalb werde man das Berater-Know-how künftig in sogenannten Kompetenzcentern zusammenschließen. Dabei könnte die eine oder andere kleine Filiale in eine größere integriert werden. Nicht gerüttelt werden soll aber an der klassischen Filiale in den Talschaften. Zudem wird es Spezialfilialen mit starkem Servicecharakter geben. Dafür wird in Hohenems in der Nachbarschaft des Wirtschaftsparks „empuls“ neu gebaut und der Standort im Messepark umgestaltet.

Und wie wird 2019? Das Jahr soll ähnlich erfolgreich werden wie das vergangene Jahr, gibt Michel Haller einen Ausblick.

Fakten

Bilanzsumme 13,8 Milliarden Euro (+4,3%)

Ergebnis vor Steuern 84,3 Millionen Euro (+21,9%) nach UGB, 48,6 Millionen Euro (-48,6%) nach IFRS 9

Mitarbeiter 727 (-1,4%)

Standorte 16 Filialen in Vorarlberg, weitere Standorte in Wien, Graz, Wels und St. Gallen (CH)

Kernkapitalquote 15,21 %