So wirken sich Verpackungen auf die Umwelt aus: Recycle-PET schlägt Einwegglas

Markt / 10.04.2019 • 14:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Nachhaltigkeitsmanager Christoph Hoffmann (li.) und Studienautor  Roland Fehringer präsentieren die Verpackungsstudie.FA

Von Alpla in Auftrag gegebene Ökobilanz untersucht verschiedene Verpackungsformen.

Hard, Wien Die laufende Diskussion zu Plastik- und Kunststoffabfall kann den Harder Verpackungsspezialisten Alpla nicht kalt lassen. Schließlich ist das Unternehmen einer der größten Hersteller von Kunststoffgebinden. Rund 20.800 Mitarbeiter produzieren weltweit an 178 Standorten in 46 Ländern Verpackungssysteme, Flaschen, Verschlüsse und die dafür notwendigen Spritzgussteile.

Nun geht Alpla in die Offensive. Am Mittwoch wurde in Wien eine Studie zur Ökobilanz der verschiedenen Verpackungsformen vorgestellt, um, so Christoph Hoffmann, Director Corporate Strategy, Sustainability & Circular Economy bei Alpla, zu versachlichen. „Die aktuelle Diskussion wird oft sehr emotional geführt. Wir wollen mit dieser umfassenden Studie die Sachlage objektiver darstellen.“ Ob das allerdings gelingt, ist noch nicht ganz klar, doch nun liegen belastbare Daten vor, die ersten übrigens seit neun Jahren. „Das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg bilanzierte 2010 PET- und Glasflaschen für Mineralwasser und Limonade“, erklärt Studienautor Roland Fehringer.

ISO 14044

Fehringer hat für das Beratungsunternehmen c7-consult Ökobilanzen nach ISO 14044, jener Norm, die den Rahmen von Ökobilanzen definiert und die Definition von Zielen und Untersuchungsrahmen umfasst, die Sachbilanz, die Wirkungsabschätzung und die Auswertung für Verpackungen von acht im österreichischen Lebensmittelhandel erhältlichen Produktkategorien, beispielsweise Mineralwasser, kohlensäurehaltige Limonade, Milch, Lebensmittel und Waschmittel, erstellt. „In Summe wurden 59 Material-Inhalt-Kombinationen untersucht. Sechs Sachbilanzgrößen und sieben Wirkungskategorien wurden berechnet, um die Umweltauswirkungen zu vergleichen. Diese reichen vom Beitrag zum Klimawandel bis zum Wasserverbrauch“, so der Studienautor bei der Präsentation am Mittwoch. Die Ergebnisse von Fehringer wurden anschließend in einer sogenannten Peer Review von Harald Pilz (Fa. to4to) gegengecheckt.

Eines der wichtigsten Ergebnisse der Studie sind, so Alpla-Nachhaltigkeitsmanager Hoffmann, Daten zum Thema Recyling: „Die Industrie will nachhaltigere Verpackungslösungen und der Gesetzgeber schreibt höhere Recycling-Quoten vor. Hier liefert die Studie wichtige Anhaltspunkte.“

Zu den Ergebnissen: Wie von Experten nicht anders erwartet, ist die Glaseinwegflasche bei den untersuchten Material-Inhalt-Kombinationen, mit Ausnahme der „Nahrungsmittel“, dort schneidet die Konservendose aus Blech am schlechtesten ab, das ökologisch ungünstigste Gebinde. Auch die Aluminiumdose liegt bei den untersuchten Anwendungen fast immer hinter den Kunststoffgebinden, allerdings vor Einwegglas. Bei Wasser und Limonade wäre die PET-Mehrwegflasche beim Klimawandel leicht zu favorisieren, bei den anderen Umweltauswirkungen liegt die PET-Einwegflasche mit 100 Prozent Recyling-PET voran. Die Erhöhung des Rezyklatanteils bei Kunststoffflaschen reduziere, so die Studie, in jedem Fall die Umweltbelastung und lässt sogar die Glasmehrwegflasche hinter sich.

Mehrwegstudie im Parlament

Dessen ungeachtet hat die Liste „Jetzt“ am Mittwoch im parlamentarischen Umweltausschuss eine Machbarkeitsstudie zu Pfand- und Mehrwegsystemen eingefordert und will bis im Herbst erste Ergebnisse sehen. Allerdings stellen auch die Politiker fest, dass die Mehrwegplastikflaschen eine bessere Umweltbilanz aufweisen als Einwegglasgebinde. Und auch vier von fünf Österreichern wünschen sich ein Plus von Mehrwegflaschen im Handel. Man werde sich bei Alpla zukünftig vermehrt mit Mehrwegsystemen auseinandersetzen und praktikable Lösungen entwickeln. In einigen Märkten gebe es bereits Mehrweglösungen des Global Players aus Hard. „Allerdings muss man wissen, dass die Konsumenten in Österreich PET-Mehrweg bei Wasser und Limonade nicht ausreichend gut akzeptiert haben und es daher vom Markt genommen wurde“, berichtet Hoffmann.

Ökobilanz Verpackung

Ergebnisse nach Produktgruppen Bei Mineralwasser ist PET die umweltfreundlichste Verpackung, bei Milch sind Flaschen aus High Density Polyethylen (HDPE) ökologisch vorteilhafter als die untersuchten Alternativen. Noch vorteilhafter, so das Ergebnis der Studie, seien aber Verbundkartonsysteme, also Tetrapac und Co., die allerdings nicht für die Studie bewertet wurden. Bei kohlesäurehaltiger Limonade liegen 0,5-Liter-Einwegflaschen aus PET mit maximal 50 Prozent Rezyklatanteil knapp hinter der Glas-Mehrwegflasche in Sachen Klimaschutz, bei anderen Kriterien führen Flaschen aus recycliertem PET.

Recycling bei Alpla PET Recycling Team mit je einem Standort in Österreich und in Polen sowie im Rahmen eines Joint Ventures in Mexiko. Zusammenarbeit mit Texplast (Deutschland) im Bereich PET-Recycling seit 2018.

Studie Roland Fehringer ,C7 Consult – das Unternehmen prüft unter anderem für die ARA und das österreichische Umweltzeichen.