Buchdruckerei Lustenau zeigt, dass sich Umweltschutz lohnt

Markt / 11.04.2019 • 18:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die gesamte BuLu-Belegschaft zieht bei Umweltschutzmaßnahmen voll mit, freut sich Christine Schwarz-Fuchs. FA

ÖKOPIONIERIN. Christine Schwarz-Fuchs (44), GF Buchdruckerei Lustenau.

lustenau „Den Lebensalltag und besonders den Betrieb ökologisch-sozial auszurichten, hatte zwei Gründe: Den Grundstein mit der umweltfreundlichen Bauweise, vor allem mit der umfassenden Energiepfahlanlage und mit der Warmwassergewinnung durch Maschinenrückwärme hat die BuLu bereits beim Neubau unseres Firmengebäudes im Millennium Park im Jahr 2000 gelegt“, informiert Christine Schwarz-Fuchs. „Diese Planungen haben schon vor meiner Zeit bei der BuLu stattgefunden. Ich bin erst seit August 2000, ein paar Monate vor dem Umzug ins neue Betriebsgebäude, in der Firma. Es hat mich aber von Anfang an fasziniert, was wir hier für die damalige Zeit ziemlich einzigartig schon alles umgesetzt hatten.

Umweltfreundliche Produktion

Der zweite Punkt ist unsere Nachhaltigkeitslinie, speziell die umweltfreundliche Produktion unserer Drucksorten. Ich war Anfang 2003 das erste Mal in Indien, und überall wo ich bin, besuche ich Druckereien. Das ist eine Berufskrankheit von mir. In entwickelten Ländern gibt es gute Abluftanlagen und Filter etc., sodass die Mitarbeiter nichts von der Chemie riechen, bzw. die Dämpfe werden gleich alle gut gefiltert, und die Chemie wird geregelt entsorgt. Auch die BuLu war in dieser Hinsicht damals schon top ausgerüstet, mit modernster Technik. Man hat beim Aufenthalt im Gebäude nichts von der Chemie gespürt. Aber in Indien war das nicht so. Die Mitarbeiter dort mussten unter für uns unvorstellbaren Arbeitsbedingungen arbeiten, und der Geruch war so beißend, dass ich froh war, als ich das Druckereigebäude wieder verlassen konnte.

Damals wurde mir klar, dass wir mit gleichen oder ähnlichen Mitteln arbeiten, nur dass man bei uns nichts roch und alles gefiltert und in Spezialbehältern gesammelt wurde. Von da an wollte ich mit umweltfreundlichen Mitteln und Farben produzieren. Unser gesamter Produktionsprozess wurde umgestellt. Wir verwenden umweltfreundliche Druckfarben, umweltfreundliche Lacke, wir haben eine umweltfreundliche Druckplattenproduktion, verwenden umweltfreundliche Reinigungsmittel etc. Seit eineinhalb Jahren machen wir nun auch die Klebebindungen selber bei uns im Haus, und wir sind stolz darauf, dass wir die einzige Firma in ganz Österreich sind, die den umweltfreundlichen PUR Seiten- und Rückenleim verwendet, für höchste Bindequalität und das in umweltfreundlicher Ausführung. Unsere neueste Anschaffung Anfang 2019 war eine Digitaldruckmaschine für kleine Auflagen ab einem Stück. Das Zusammenspiel zwischen Technologie und umweltfreundlichen Farben stand auch hier im Vordergrund.“

„Wir sind bereits für das klimaneutrale Drucken zertifiziert als auch FSC und PEFC zertifiziert“, führt Christine Schwarz-Fuchs aus. „Unsere Kunden nehmen diese Zertifizierungen sehr positiv an. 2010 wurde uns vom Umweltminister das Österreichische Umweltzeichen verliehen, kurz darauf erhielten wir als erste Vorarlberger Druckerei das Europäische Umweltzeichen EU Ecolabel für die Erfüllung internationaler Umweltstandards. Ende 2011 erhielten wir aufgrund von Befragungen in der Bevölkerung als erstes Unternehmen in Vorarlberg die internationale „Green Brands“-Auszeichnung. Mitte 2016 haben wir weiters das Energiemanagementsystem nach ISO 50001 eingeführt. Diese Norm legt Anforderungen eines Energiemanagementsystems fest, das zum Ziel hat, die energiebezogenen Leistungen zu verbessern und die CO²-Emissionen sowie die Energiekosten zu reduzieren.“

Langfristig denken

Langfristig denken plus Rechenstift lautet die Devise von Christine Schwarz-Fuchs: „Wenn man z. B. weniger Energie verbraucht, weil man in eine energiesparende Rückkühlung für Maschinen investiert oder weil wir die Abwärme der Druckmaschinen zum Beheizen unseres Gebäudes verwenden, erspart man sich ja auf der anderen Seite auch wieder Kosten, die sonst angefallen wären. Wir benötigen z. B. seit ein paar Jahren kein Gas mehr zum Beheizen unseres Gebäudes. Wir kommen mit der Wärme aus den Energiepfählen und der Maschinenabwärme aus. Mit dieser Ersparnis können wir Investitionen für die Wärmerückgewinnungstechnik finanzieren.“ Persönlich freut sich Schwarz-Fuchs, dass die Belegschaft voll mitzieht und es keinerlei interne Überzeugungsarbeit braucht: „Wir bekommen Bewerbungen von Fachkräften, die genau so arbeiten wollen. Wir haben seit ein paar Jahren ein eigenes Energieteam, das Ideen sammelt und ihre Umsetzung prüft. Federführend sind hier Ralph Kogler, Bernd Grabher und Daniel Weiskopf. Die Zusammenarbeit im Team macht wirklich Freude. Die nächsten Projekte laufen!“ vd