Vorarlberger Holzbauer stellen sich für die Zukunft auf

Markt / 13.04.2019 • 08:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Fachgruppengeschäftsführer Alfred Hehle, Innungsmeister Herbert Brunner und Holzbaukunst-GF Matthias Ammann (v. l.) entwickeln Strategien für die Zukunft. VN/sca

Neuer Innungsmeister: Holzbau-Innung nutzt die gute Auslastung, um sich für die Zukunft gut aufzustellen. Cluster geplant.

Feldkirch In der Werkshalle der Firma LOT in Feldkirch herrscht auch kurz vor 17 Uhr noch reges Treiben. Der Chef der Zimmerei, Herbert Brunner, kämpft mit der guten Auftragslage, weiß oft nicht, wie er alle Aufträge unter einen Hut bringt, zumal auch noch „oft langjährige Kunden, die ich nicht enttäuschen möchte, noch mit Wünschen kommen“. Ähnlich wie Brunner geht es der ganzen Branche in Vorarlberg. Der Holzbau profitiert wie andere Gewerke von der guten Konjunktur und von einem regelrechten Boom zum Holzbau, stellt Brunner fest, der seit Kurzem auch Innungsmeister der Holzbau-Zunft ist. Obmann des Branchenverbandes Vorarlberger Holzbaukunst ist er schon seit vielen Jahren. Trotz enger Zusammenarbeit brauche es beide Organisationen, sagt der Zimmerer, der nun in Doppelfunktion an der Spitze des Holzbaus steht.

„Vehikel mit zwei Motoren“

Im Verein Vorarlberger Holzbaukunst sind nämlich nicht nur Zimmerer Mitglied, sondern auch Architekten, Zulieferer und Förderer, wie beispielsweise die Raiffeisenbank. In der Fachgruppe, wie Innungen heutzutage genannt werden, sind nur Zimmerer. Rund 130 Betriebe sind es derzeit, die in Vorarlberg rund 1100 Mitarbeiter beschäftigen und 150 Lehrlinge ausbilden. Die Holzbauer machten im vergangenen Jahr zusammen über 100 Millionen Euro Umsatz, so Fachgruppen-Geschäftsführer Alfred Hehle im Gespräch mit den VN. „Vehikel mit zwei Motoren“ nennt Matthias Ammann, Geschäftsführer des Vereins, das Konstrukt, mit dem in den vergangenen Jahren die Holzbauer reüssieren konnten.

Spannendes Projekt

Als Fachgruppenobmann ist Brunner derzeit in ein spannendes Projekt eingebunden: Vorarlberg will seine Stärken rund ums Holz bündeln und damit noch schlagkräftiger werden. Ein Holzbau-Cluster, also ein Netzwerk von Produzenten, Zulieferern, Forschungseinrichtungen, ist im Entstehen. Eingebunden werden sollen alle Branchen und Institutionen, die mit Holz arbeiten und handeln: Tischler, Holzindustrie, der Holzhandel und auch Spezialisten wie die Fensterbauer. Ziel ist es, entlang der Wertschöpfungskette Vorteile zu nutzen und die Zusammenarbeit zu stärken. Brunner verspricht sich einiges davon, auch die Spitze der Wirtschaftskammer stehe hinter dem Projekt, das durchaus das Zeug dazu hat, die Marke Vorarlberg mit Leben zu erfüllen.

Ausbildung im Fokus

In der Innung ist auch der Strategieprozess 2020 angesiedelt, dessen Ziel es ist, die Holzbauer zukunftsfit zu machen. Brunner will auch die Meisterprüfung der Zimmerer attraktiver machen. Derzeit sind die Holzbauer zusammen mit den Baumeistern in einem Meisterkurs, „da sind wir aber deutlich in der Minderheit“. Gespräche gibt es mit den Tiroler Holzbauern darüber, ob man einen gemeinsamen Meisterkurs zusammenbringen könnte. Die Prüfung, die von den jungen Professionisten schon ein erhebliches Zeitkontingent abverlangt, sei außerdem so teuer, dass viele darauf verzichten. Auch da will er an den entsprechenden Schrauben drehen. Die Lehrlingsausbildung sei auf ausgezeichnetem Niveau, berichtet Hehle. Von 49 bei der vergangenen Abschlussprüfung angetretenen Lehrlingen schlossen neun mit ausgezeichnetem Erfolg ab, „das ist eine höhere Quote als in vielen anderen Lehrberufen“, so Hehle.

„Der Holzbaupreis genießt international großes Ansehen, weil eine unabhängige Jury bewertet. “

Matthias Ammann, GF Vorarlberger Holzbaukunst

Die Holzbaukunst lädt derweil zum bereits 18. Holzbauwettbewerb ein, der mit dem Motto „Druf und Dra“ auf den Schwerpunkt hinweist: Sanierung und Verdichtung.

Holzbau in Vorarlberg

Branchenumsatz 2018 über 100 Millionen Euro

Mitarbeiter 1100

Lehrlinge 150

Fachgruppe Mitglieder 130 Betriebe, davon 90 Meisterbetriebe

Holzbaukunst Mitglieder 92 (50 Zimmerer, 37 Architekten und Planer, 5 Experten), Sponsoren

Holzbaupreis Einreichung bis 25. 4. 2019