Heute Geschäftsführerin: Anna Hilti und ihr Karrierestart auf der Baustelle

Markt / 15.04.2019 • 08:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Anna Hilti, Fa. Hilti & Jehle: In der Bauwirtschaft gibt es viele Veränderungen und Herausforderungen. VN/Paulitsch

Anna Hilti (32) ist Geschäftsführerin bei Hilti & Jehle Projektmanagement.

Feldkirch Im Jahr 1876 gründete Caspar Hilti ein Cementereigeschäft in Feldkirch. Das Unternehmen Hilti & Jehle wurde mit jenen Werten erfolgreich, die heute noch gelten: Fleiß und Können, Handschlagqualität und Zuverlässigkeit. Seit dem vergangenen Jahr ist seine Nachkommin Anna Hilti in fünfter Generation im Management des traditionsreichen Familienunternehmens, das zu den größten Unternehmen der Baubranche in Vorarlberg und Tirol zählt und auch in der  Schweiz erfolgreich tätig ist. Hilti & Jehle gehört zu einer inzwischen seltenen Spezies im Baugeschäft: Die Firma bietet alle Dienstleistungen an, vom Tiefbau über den Hochbau sowohl gewerblich wie privat bis zu den Rohstoffen und als Generalunternehmer.

Bau und Universität

Im Unternehmen hat sie schon vor Jahren mitgearbeitet, bevor sie an der Universität Liechtenstein und in Graz Architektur studiert hat. „Ich war eineinhalb Jahre Hilfsarbeiter auf der Baustelle“, erzählt Hilti über ihre ersten Erfahrungen in der Branche und im Unternehmen der Familie. Extrawürste gab es keine, so Anna Hilti im Gespräch mit den VN, das stellte der Vorarbeiter gleich klar und war für Anna Hilti keineswegs ein Hindernis auf dem Weg ins Familienunternehmen. Was sie erfahren hat, ist die Wertschätzung und Anerkennung „für alle, die mitarbeiten auf der Baustelle“. Im Studium nutzte das praktische Wissen auf jeden Fall. Nach Abschluss dieser Ausbildung arbeitete sie in verschiedenen Architekturbüros. Doch für sie war schon früh klar, dass sie im Unternehmen arbeiten will.

„Eine Nachfolge ist eine große Herausforderung, das verlangt vom Übergeber und Unternehmer viel Mut“, berichtet sie. Deshalb habe man eine Strategie dafür festgelegt, wie der Einstieg erfolgen sollte. Seit 2018 ist sie Geschäftsführerin bei Hilti & Jehle Projektmanagement, in der Hilti Liegenschaftsverwaltung und in der Hilti Vermögensverwaltung. Das Flaggschiff des Unternehmens, die Hilti & Jehle GmbH, wird von Alexander Stroppa und Reinhard Moser seit Jahren erfolgreich geführt, wie auch an den Geschäftszahlen abzulesen ist. Von ihnen könne und wolle sie viel lernen, betont Hilti.

Branche im Umbruch

Hilti ist die erste Architektin im bislang von Technikern dominierten Management. Darin sieht sie Chancen, die gerade jetzt, in einer Zeit, die für die Bauwirtschaft zahlreiche Herausforderungen mit sich bringt, wichtig sein können. Es sei ein Trend, dass und eine Riesenschance, wenn man näher zusammenrücke, ist sie sicher. Die Wirtschaft und Gesellschaft befinden sich in einem Umbruch, der sich in der Baubranche nicht nur in der Digitalisierung zeige, sondern auch im Umgang mit Grund und Boden oder der Nutzung von Ressourcen. „Höher und dichter bauen, die Grundstücke ausnutzen, wie man es schon in mittelalterlichen Städten getan hat“, ist  für Anna Hilti ein wichtiges Thema. Auch sieht sie, dass das Bauen und Wohnen für viele Menschen immer schwieriger zu finanzieren ist. Da müsse es Lösungen geben, die könnten z. B. durch die Digitalisierung realisiert werden. „Wir sind mitten in der Umsetzung, das ist für uns ein wichtiges Handlungsfeld“, berichtet sie aus dem Firmenalltag. Durch die Digitalisierung können Prozesse verbessert, die Vermessung optimiert und der Informationsaustausch intensiviert werden. Nicht zu vergessen die Prototypenfertigung und der Systembau. „Dadurch steigt die Kostensicherheit auf der Baustelle“, nennt sie nur einen Vorteil durch digitale Unterstützung im tradtionsreichen Handwerk.

Fachkräfte und Ressourcen

Lösungen brauche es auch in Sachen Ressourcen, die nicht mehr werden in Vorarlberg und deren Gewinnung im Fokus der Gesellschaft stehe. Der Schutz des Naturraums sei auch für die Baubranche ein Thema. „Da ist auch die Recyclingfähigkeit der Bauten und der Baustoffe ein wichtiges Thema.“ Natürlich ist der Fachkräftemangel ebenfalls ein Thema in der Branche, das Hilti & Jehle durch intensive Ausbildung zumindest für sich selbst zu lösen versucht. „40 Lehrlinge werden bei uns in fünf Lehrberufen ausgebildet“, informiert sie. Den bei Hilti & Jehle ausgebildeten Fachkräften stehe eine weitere Karriere im Unternehmen mit vielen Chancen offen.

Anna Hilti hat sich nicht nur ins Familienunternehmen mit viel Engagement eingebracht, sie ist auch wirtschaftspolitisch aktiv, z. B. im Vorstand der Jungen Industrie. Es liegt ihr daran, den Standort weiterzubringen, in Erfahrungsaustausch mit anderen Unternehmern und anderen gesellschaftlichen Gruppen zu treten. Der Wirtschaftstandort Vorarlberg biete gute Bedingungen, um unternehmerisch tätig zu sein, gemeinsam könne man auch die entscheidenden Fragen beantworten, um die Zukunft zu gestalten.

Zur Person

Geboren 2. Dezember 1987

Ausbildung Architektin Uni Liechtenstein, Master Uni Graz, derzeit Ausbildung Bauingenieur

Laufbahn bei verschiedenen Architekturbüros tätig, seit 2018 bei Hilti & Jehle

Zur Firma Hilti & Jehle, 1876 gegründet, 550 Mitarbeiter