Bei Bedarf 40 Arbeitskräfte mehr

Markt / 16.04.2019 • 22:21 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Tourismus freut sich über neue Saisonnier-Regelung. Die Gewerkschaft tobt.

Schwarzach Allein im Winter verbringt über eine Million Gäste in Vorarlberg ihren Winterurlaub. Fragt man Hotels und Restaurants, kann die touristische Dienstleistung aber schon lange nicht mehr nur mit einheimischen Fachkräften und jenen aus dem EU-Raum abgedeckt werden. Denn die Betriebe im Land brauchen im Winter um 3000 Mitarbeiter mehr als im Sommer und auch die Konkurrenz schläft nicht. Im gesamten Alpenraum werden im Winter 60.000 Mitarbeiter mehr gebraucht. Zudem herrscht auch im EU-Raum Mitarbeitermangel.

Um den Bedarf zu kompensieren, gibt es das Saisonnier-Kontingent. Dabei legt das Sozialministerium jährlich die Zahl der Arbeitskräfte aus Nicht-EU-Ländern wie Serbien, der Ukraine oder Bosnien fest, die hier arbeiten dürfen. Aber dieses Kontingent sorgte regelmäßig für Ärger bei den betroffenen Tourismusbetrieben. So auch zu Beginn der Wintersaison 2018/19, als das Ministerium 1100 Beschäftigungsbewilligungen erteilte. Für Vorarlberg bedeutete das 200 Stellen und somit gleich viele wie im Jahr zuvor. Dabei hätte man eigentlich doppelt so viele Stellen besetzen können. Dementsprechend groß war die Enttäuschung. „Viele Betriebe verzweifeln und müssen die Situation mit der Schließung des Restaurants oder der Einführung von Ruhetagen kompensieren“, kritisierte Tourismus-Spartenobmann Elmar Herburger (Hotel Restaurant Mohren, Rankweil) im VN-Gespräch. Verschärfend kam hinzu, dass neue Modelle wie die Reform von Rot-Weiß-Rot-Card und Mangelberufsliste nicht bereits zu Beginn der Wintersaison umgesetzt wurden.

Nun aber gibt es einen Erfolg, freut sich Herburger. Gab es bislang eigene Kontingente für Winter und Sommer, gibt es künftig ein österreichweites Ganzjahreskontingent. So sollen ganzjährig 1263 Kräfte aus Nicht-EU-Staaten, und damit knapp 15 Prozent mehr im Vergleich zum letzten Winterkontingent, genehmigt werden. Dadurch werden saisonale Schwankungen berücksichtigt. Zudem können die Kontingente flexibler genutzt werden. Denn in auslastungsstarken Monaten können sie kurzfristig um bis zu 20 Prozent überzogen werden. Für Vorarlberg bedeute dies je nach Bedarf eine Erhöhung von 200 auf 240 Kontingentplätze. Wobei dieses Plus im Laufe des Jahres bzw. in auslastungsschwachen Monaten wieder abgebaut werden muss.

Die Saisonnier-Regelung freut fast alle politischen Parteien und Interessensvertretungen – mit Ausnahme von SPÖ und Gewerkschaften.

„Billigpersonal aus dem Ausland“

Diese üben heftige Kritik. Man spricht von Billigarbeitskräften und Lohndumping. Reinhard Stemmer, der Landesvorsitzende der zuständigen Gewerkschaft vida: „Die Tourismusbetriebe gehen den einfachsten und billigsten Weg. Anstatt ordentliche Arbeitsbedingungen zu schaffen, wird immer mehr Billigpersonal aus dem Ausland rekrutiert. Damit wird Lohndumping Tür und Tor weiter geöffnet.“

Zu erwähnen ist, dass laut Sozialministerium zusätzliche Saisonniers aus Drittstaaten weiterhin nur dann bewilligt werden, wenn die Stelle nicht mit arbeitslos vorgemerkten inländischen oder integrierten ausländischen Arbeitskräften besetzt werden kann. VN-reh

„Die Beharrlichkeit hat sich ausgezahlt. Die Regelung berücksichtigt saisonale Schwankungen.“

VN-Bericht vom 30.Oktober 2018.
VN-Bericht vom 30.Oktober 2018.