Clemens Sagmeister setzt im Modehandel auf individuelle Beratung

Markt / 23.04.2019 • 09:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Clemens Sagmeister setzt im Modehandel auf individuelle Beratung

Clemens Sagmeister (39) ist Geschäftsführer der Gebhard Sagmeister Herrenmoden GmbH.

Bregenz Die Zeiten war nie ganz leicht im Bekleidungshandel – schließlich muss man sich bis auf den Spezialbereich Berufskleidung (und selbst da manchmal) mit den wechselnden Trends befassen und kann dabei ganz schön danebengreifen. In den vergangenen Jahrzehnten und Jahren änderte sich das Geschäft noch einmal deutlich schneller als zuvor. Zuerst mussten sich die heimischen Modehändler mit internationalen Ketten beschäftigen, die den Rhythmus der Kollektionen auf ein neues Tempo brachten – und das zu Preisen, die den Produzenten vor allem in Europa und schließlich dem Handel schwer zu schaffen machten. Dem nicht genug: Gehört Mode doch zu jenen Dingen, die im Onlinehandel besonders erfolgreich verkauft werden. Und das wird nun nicht nur den etablierten Modehäusern in den Regionen, sondern sogar den großen Modeketten gefährlich.

Große Herausforderungen

Das ist das Umfeld, in dem Clemens Sagmeister, seit 2011 als Geschäftsführer der Gebhard Sagmeister Herrenmoden, agiert und die richtigen Entscheidungen treffen muss. Für Sagmeister war trotz dieser großen Herausforderungen früh klar, dass er in sechster Generation die Nachfolge im Familienunternehmen, das 1844 als Drechslerwerkstatt gegegründet wurde und sich in den 145 Jahren mehr als einmal neu erfinden musste, übernehmen will. Dementsprechend hat er auch Erfahrungen gesammelt. Neun Jahre, davon drei bei Peek und Cloppenburg und schon früh als Ferialkraft zu Hause, hat er vor dem Eintritt ins Familienunternehmen in der Branche gearbeitet. Das sei für die eigene Entwicklung, aber auch für die entsprechende Anerkennung bei den Mitarbeitern wichtig gewesen, resümmiert Clemens Sagmeister diese Zeit.

Bei “Sagmeister – der Mann” – das Unternehmen wurde Anfang der 1980er- Jahre in zwei Firmen aufgeteilt, die von Gebhard und seinem Bruder Martin (Sagmeister – die Frau) geführt werden – hat Clemens Sagmeister, der mit einem Anteil von 60 Prozent auch Haupteigentümer des Herrenmodehauses ist, gleich nach dem Eintritt in die Geschäftsführung den Einkauf direkt übernommen. Vater Gebhard, ebenfalls noch in der Geschäftsführung, kümmere sich um administrative Tätigkeiten und stehe natürlich mit seinem Wissen sowohl ihm als auch vielen Stammkunden zur Seite. Clemens setzt im Modehaus auf ein exklusives Angebot, das nicht austauschbar ist. “Bei Sagmeister setzt man auf gut ausgebildete Mitarbeiter, die den Kunden intensiv beraten. Der Kunde erwartet, dass wir sagen, was passt”, und das sei auch der Fall. Das Internet könne viel, aber es “kann keine persönliche Beratung ersetzen”, so der Modeexperte.

Sowohl als auch

Mit den Kunden, die ob der Auswahl auch aus Deutschland und der Schweiz in die inzwischen vier Standorte im Land anreisen, wird aber auch digital kommuniziert. So ist das Unternehmen auf Instagram sehr aktiv, auch mit einem eigenen Internetshop, der im Rahmen einer gemeinsamen Plattform des gehobenen Modehandels namens Farfetch.com ein internationales Pubilkum erreicht. “Die meisten Online-Kunden haben wir in den USA und China” berichtet er. Über WhatsApp werden auch Standort-Kunden über Novitäten und Trends informiert. Sagmeister ist trotz digitaler Konkurrenz überzeugt, dass der stationäre Handel eine Zukunft hat. Denn zum Einkaufen gehöre auch die Atmosphäre und eben die Beratung.

Glaube an die Innenstadt

Auch wenn er überzeugt ist, dass es noch weitere Bereinigungen im Handel gibt, glaubt er an die Innenstadt, freut sich über einen Mitbewerb, der ebenfalls mit hoher Qualtität überzeugt. Denn die Auswahl an Möglichkeiten sei es auch, was eine Einkaufsstadt ausmache. Ein Mosaikstein ist die Eröffnung des “kleinen Sagmeister” unweit des Firmensitzes in der Römerstraße, auch in Innsbruck ist der Bregenzer Modespezialist inzwischen in der Innenstadt präsent. Im vergangenen Jahr wurde das renommierte Modehaus Schmitt & Lair in der Tiroler Landeshauptstadt übernommen.

Clemens Sagmeister sieht für das Unternehmen, den stationären Handel und die Standorte in Vorarlberg jedenfalls großes Potenzial. “In Vorarlberg haben wir einen hohen Lebensstandard, ein ebensolches Qualitätsdenken und Menschen, die engagiert an der weiteren Entwicklung arbeiten”, so Sagmeister, der seinen Teil dazu auch als Obmann der Wigem Bregenz leistet. Eine Aufgabe, bei der man Visionen umsetzten kann, aber auch klar Stellung beziehen muss.

Clemens Sagmeister zur Person

geboren 2. März 1980

Ausbildung internationale Betriebswirtschaft

Laufbahn internationale Praktikas, Peek und Cloppenburg, Gebhard Sagmeister Herrenmoden GmbH und Schmitt & Lair GmbH

Zur Firma

Gebhard Sagmeister Herrenmoden GmbH

Gegründet 1844

Mitarbeiter 40 in Vbg., 10 in Innsbruck, 3 in Liechtenstein