Mit diesen Projekten soll Langzeitarbeitslosigkeit bekämpft werden

Markt / 30.04.2019 • 18:15 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Nadine Volz war ein Jahr lang arbeitslos, heute holt sie bei der Aqua Gastronomie in der Messe Dornbirn ihre Ausbildung nach.vn/tag

Neue Modelle zur Reintegration von Langzeitarbeitslosen präsentiert.

Tanja Schwendinger

Dornbirn Nadine Volz ist alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Ein Jahr lang war sie arbeitslos, bis sie in der Aqua Gastronomie in der Messe Dornbirn eine zweite Chance bekam und nun eine Kochlehre absolviert. „Es ist nicht einfach, als alleinerziehende Mutter ohne Ausbildung im Arbeitsmarkt Fuß zu fassen“, erzählt die 32-Jährige, die ihren früheren Beruf als Zimmermädchen aufgrund körperlicher Probleme aufgeben musste. „Ich bin froh, dass ich bei der Aqua Gastronomie nun die Möglichkeit habe, mich beruflich zu verändern und meine Ausbildung nachzuholen. Hier erhalte ich die Unterstützung, die ich brauche.“

Christian Gmeiner (53) führte die vergangenen Jahre ein Gasthaus in der Schweiz. „Das Haus wurde leider verkauft und ich stand ohne Job da, außerdem hatte ich einen geschädigten Rücken“, erzählt er. Heute ist er einer von 40 Beschäftigen bei der Aqua Gastronomie in der Messe Dornbirn. „Jung und Alt haben hier die Chance, ein gutes Handwerk zu lernen. Man geht einer sinnvollen Beschäftigung nach und hat die Chance, später wieder in den ersten Arbeitsmarkt einzusteigen. Das ist auch mein Ziel.“

Christian Gmeiner arbeitet in der Aqua Gastronomie. "Mein Ziel ist es, wieder am ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen."
Christian Gmeiner arbeitet in der Aqua Gastronomie. „Mein Ziel ist es, wieder am ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.“

Die Aqua Mühle ist eine von fünf Organisationen, die zum Verband „Soziale Unternehmen“ in Vorarlberg zählen. Diese bieten jährlich 600 Langzeitarbeitslosen eine vorübergehende Beschäftigung, um sie wieder in die Erwerbstätigkeit zu bringen. 2500 Personen in Vorarlberg, 1100 Frauen und 1400 Männer, sind seit über einem Jahr arbeitslos, was bedeutet, dass sie langzeitarbeitslos sind. Die Gründe sind vielfältig: gesundheitliche, finanzielle oder persönliche. Auch das Alter und eine geringe Qualifikation spielen oft eine Rolle.

Die Kürzungen des AMS-Budgets und der Sozialleistungen sowie die geplanten Einschnitte bei der Notstandshilfe stellen die sozialen Unternehmen jedoch vor große Herausforderungen. 2018 wurden fünf Prozent, 2019 acht Prozent des AMS-Budgets gekürzt. „Das geht nicht spurlos an uns vorüber. Wir machen uns Sorgen, dass das soziale Netz noch weiter ausgedünnt wird. Umso wichtiger ist es, langzeitarbeitslose Menschen gezielt zu unterstützen“, sagte Benedicte Hämmerle, Sprecherin der sozialen Unternehmen Vorarlbergs, am Tag der Arbeitslosen, denn ein wesentlicher Grund für Armut ist Erwerbslosigkeit.

Die Überbrückungsfinanzierung seitens des Landes von 300.000 Euro habe die Situation kurzfristig entschärft. „Restrukturierungsmaßnahmen sind aber dennoch notwendig, deren Konsequenzen sich im zweiten Halbjahr abzeichnen werden“, erläuterte Hämmerle .

Individuelle Begleitung

Soziale Unternehmen arbeiten daher daran, neue Angebote zu entwickeln, um die Eingliederung Langzeitarbeitsloser zu verbessern. Zum einen gibt es neue Angebote durch Kooperationen mit sozialen Unternehmen. So haben beispielsweise die Aqua Mühle und die Kaplan Bonetti Arbeitsprojekte Kompetenzen gebündelt und Dienstleistungen kombiniert.

Nach bundesweitem Vorbild hat das AMS Vorarlberg außerdem die „Stufenweise Integration Vorarlberg“ in enger Kooperation mit den sozialen Unternehmen eingeführt. „Wir setzen auf individuelle Betreuung und Beratung. Wir wollen an den Ursachen der Arbeitslosigkeit ansetzen und helfen, wieder eine Arbeitsfähigkeit herzustellen“, sagt AMS-Geschäftsführer Bernhard Bereuter. Das Modell beruhe auf Freiwilligkeit, „ein wichtiges Kriterium, das auf die Selbstständigkeit der Personen abzielt und sie motivieren soll.“ Während der ersten Stufe erhalten die Teilnehmer einen Trainingsarbeitsplatz. Sobald sie stabil sind, werden sie dort vorübergehend beschäftigt. Österreichweite Tests mit 2600 Personen zeigen Erfolg: Ein Drittel konnte bereits in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden.

Soziale Unternehmen

Träger Aqua Mühle Vorarlberg, carla – Caritas Vorarlberg, Dornbirner Jugendwerkstätten, Integra, Kaplan Bonetti Arbeitsprojekte

Beschäftigte 600

Anzahl Langzeitarbeitsloser Ende März 2019 2568

Durchschnittliche Beschäftigungsdauer 4,5 Monate

Förderungen 2019 6,464 Millionen Euro (AMS), 2,8 Millionen Euro (Land Vorarlberg)