„Auf eigene Stärken besinnen“

Markt / 05.05.2019 • 19:47 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Unternehmerin Stefanie Walser wurde die Liebe zur Mode quasi in die Wiege gelegt. VN/Paulitsch

Unternehmerin Stefanie Walser wurde die Liebe zur Mode quasi in die Wiege gelegt. VN/Paulitsch

Stefanie Walser (37) leitet in vierter Generation das gleichnamige Modehaus.

Hohenems Schon als Kind hat sie sich mehrmals am Tag umgezogen. So erzählt es zumindest Mama Inge. Stefanie Walser (37) hat früh ihre Liebe zur Mode entdeckt. „Ich bin mit dem Geschäft aufgewachsen, und während der Sommerferien war ich immer auf der Dornbirner Messe bei der Modenschau mit dabei“, erzählt die Unternehmerin über die Leidenschaft, die ihr quasi in die Wiege gelegt wurde. Denn die Erfolgsgeschichte von Mode Walser begann vor 100 Jahren. Urgroßvater Johann Walser legte 1919 den Grundstein. Das Geschäft mit damals noch Pelzen und Lederbekleidung ging später an die Großeltern und danach an Mutter Inge Walser.

Mit Stefanie Walser ist die bereits vierte Generation im Unternehmen. Dass sie ihre Modeleidenschaft einmal zum Beruf machen würde, war zunächst allerdings nicht in Stein gemeißelt. Das manifestierte sich erst während des Studiums. „Nach zwei Semestern Betriebswirtschaft, habe ich es gespürt und bin dann umgesattelt zu einer Ausbildung, die dazu passt.“ Nach dem Abschluss in der Lehranstalt des deutschen Textileinzelhandels im baden-württembergischen Nagold und einer beruflichen Station in Zürich führte sie ihr Weg schließlich ins Familienunternehmen nach Hohenems.

Das war im Jahr 2011. Sukzessive übernahm sie verschiedene Aufgabenbereiche. Zudem folgte ein Sortimentswechsel. Statt Ledermode wurde fortan textile Premiummode angeboten. „Das ist anspruchsvoller, macht aber zugleich auch mehr Spaß“, sagt Walser. Heute ist man ein reines Modehaus. Dafür wurde am Standort Hohen­ems viel in die Umgestaltung investiert.

Mode keine Altersfrage

Die klassische Kundin gibt es im Modehaus übrigens nicht. „Zu uns kommen drei Generationen, von der Enkelin bis zur Oma“, erklärt Stefanie Walser. Anders als früher sei Mode keine Altersfrage mehr. Das mache ihren Job spannend, aber auch herausfordernd im Einkauf. „Deshalb ist es auch wichtig, selbst im Geschäft zu sein, um zu sehen, wer was kauft.“ Welche Kleidungsstücke überhaupt ins Geschäft kommen, wird heute nicht mehr nur zweimal im Jahr entschieden. Gab es früher klassisch zwei Kollektionen, müsse man heute im Sortiment stetig etwas Neues bieten. Das Risiko, Stücke einzukaufen, die dann niemand kauft, bleibt immer. „Ich habe bei einer Kollektion oft schon die Kundin dazu im Kopf. Was ich nicht einkaufe, ist Mode, die ich selbst grauenhaft finde. Ich muss hinter allem stehen“, sagt die 37-Jährige.

Wichtige Ratgeberin

Auch Mutter Inge ist nach wie vor an Bord und begleitet ihre Tochter beim Einkauf. „Das ist mir wichtig. Nicht nur weil wir auch viele Kundinnen in ihrem Alter haben, sondern weil vier Augen einfach mehr sehen als zwei“, ist die Unternehmerin überzeugt. Ihre Mutter sei für sie eine wichtige Ratgeberin, und seit Stefanie Walser selbst Mutter einer Tochter geworden ist, auch hier eine große Unterstützung. „Sonst wäre mein Berufsalltag in der Form nicht möglich.“

Im Verkauf entscheidend seien letztlich die Mitarbeiter. „Unsere Verkäuferinnen sind ganz unterschiedliche Typen und Charaktere und unsere Aushängeschilder“, betont Walser. Für sie war es deshalb auch selbstverständlich, im Rahmen der Kampagne zum 100-Jahr-Jubiläum keine Models, sondern ihre Mitarbeiterinnen in den Mittelpunkt zu stellen.

Dass mittlerweile viele Menschen online einkaufen, ist nicht wegdiskutierbar. Umso mehr müsse sich der stationäre Handel auf seine Stärken besinnen, ist die Unternehmerin überzeugt. „Eine große Stärke ist unser Service und die Beratung. Wir kennen unsere Kunden und bieten ihnen ein Einkaufserlebnis. Unsere Kundinnen schätzen das Persönliche genauso wie das Ehrliche. Denn wenn jemand Verkaufsdruck verspürt oder unglücklich aus dem Geschäft geht, kommt er nie wieder.“

Dass man im Handel stetig Wandel durchlebt, sei heute präsenter denn je. „Der Online-Handel wird nicht mehr weggehen, aber ich glaube an den stationären Handel. Sonst hätte ich das Geschäft nicht übernommen.“ Dennoch müsse man wachsam bleiben und sich auf die Hinterfüße stellen. Ein Selbstläufer sei es nicht, denn von selbst passiere nichts.

Kein Tag wie der andere

Was Stefanie Walser an ihrem Beruf am meisten begeistert? „Bei mir ist kein Tag wie der andere. Den Einkauf zu managen ist zwar anstrengend, aber zugleich sehr abwechslungsreich und inspirierend.“ Denn Mode ist für die Unternehmerin alles, nur nicht oberflächlich. „Wenn ich sehe, wie sich eine Kundin mit ihrem Kleidungsstück wohlfühlt und es sie in ihrem Selbstbewusstsein bestärkt, bestätigt auch mich das in meinem Tun.“

Zur Person

geboren 4. 10. 1981

Ausbildung Lehranstalt des deutschen Textileinzelhandels

Laufbahn Einkaufsassistentin in Zürich, 2001 Eintritt ins Familienunternehmen

 

Zur Firma

Mode Walser

Gegründet 1919 durch Urgroßvater Johann Walser 

Mitarbeiter 8