Vom Riesen im grünen Mantel

17.05.2019 • 16:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Vorstandschef Gerhard Hamel, Nachhaltigkeitsexperte Alfred Strigl und Private-Banking-Leiterin Petra Stieger. VN/Stiplovsek
Vorstandschef Gerhard Hamel, Nachhaltigkeitsexperte Alfred Strigl und Private-Banking-Leiterin Petra Stieger. VN/Stiplovsek

Experte Alfred Strigl sieht im Kapitalmarkt eine wichtige Kraft hin zu mehr Nachhaltigkeit.

Schwarzach Die Nachricht sorgte für Aufsehen. Der Familienfonds der US-Öldynastie Rockefeller, die mit dem Ölgeschäft reich wurde, kündigte an, seine Anteile am Rohstoffriesen ExxonMobil wegen „moralisch verwerflicher“ Geschäftspraktiken zu verkaufen.

Und das ist kein Einzelfall. Immer mehr Investoren ziehen sich aus Unternehmen zurück, deren Verhalten sie für „unethisch“ halten. „Wir werden die Ölreserven, die bereits in den Büchern stehen, nie mehr nutzen. Denn das würde das Klima um fünf bis sechs Prozent aufheizen. Man spricht hier von gestrandeten Vermögenswerten“, sagt Nachhaltigkeitsexperte Alfred Strigl. Dass Banken und Investoren sich überlegen, wie nachhaltig sie Geld platzieren, sei daher sehr klug.

Nachhaltigkeit in der Veranlagung ist ein großes Thema und „hinsichtlich Rendite kein Nachteil“, wie Strigl betont. Der Kapitalmarkt habe hier eine enorme Kraft. Er sei ein mächtiges Hilfsmittel, um Unternehmen zum Umdenken zu bewegen. Der Finanzriese sei langsam am Erwachen und lasse seine Muskeln spielen.

Werte als Investment

Bei der Volksbank Vorarlberg, wo Strigl anlässlich eines Vortrages zu Gast war, ist Nachhaltigkeit mehr, als sich einfach nur ein „grünes Mäntelchen“ anzuziehen. Vielmehr berücksichtige man in allen Anlageentscheidungen die wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Gesichtspunkte, betonen Private-Banking-Leiterin Petra Stieger und Vorstandschef Gerhard Hamel. „Viele Wertetrends schlagen sich vermehrt in Investments nieder“, sagt Stieger und verweist auf den fulminanten Börsenstart des Fleisch­ersatz-Herstellers Beyond Meat.

Oder der Autozulieferer Bosch, der eine Rolle im Dieselskandal spielte, aber gerade angekündigt hat, Milliarden in den Klimaschutz investieren zu wollen, um bereits 2020 CO2-neutral zu sein. „Sie haben gesagt, wenn die Schüler bei den Freitagsdemonstrationen auf die Straße gehen, dann tun sie das nicht wegen uns“, erklärt Alfred Strigl, Mitgründer und Geschäftsführer des Österreichischen Instituts für nachhaltige Entwicklung.

Eine Studie von Roland Berger verweise sogar darauf, dass viele Firmenchefs mittlerweile Zoff mit ihren Kindern hätten, wenn sie sich nicht der Nachhaltigkeit annehmen. „Wenn die Wertehaltung in der Familie ankommt, wird das Thema griffig.“

Was hierzulande aber noch fehle, sei der Dialog mit den Unternehmen. „In Frankreich wird das viel mehr gelebt. Da nehmen Aktionäre ihre Fragerecht wahr. Da heißt es dann, liebes Unternehmen pass auf, du stehst am Rande eines De-Investments.“

Aktuell seien zehn Prozent der Publikumsfonds in Österreich nachhaltig, wenn man die Kriterien streng anwende. „Ich freue mich, wenn Geld ein Bewusstsein bekommt“, sagt Strigl. Denn den Umgang mit Geld sieht er bei uns stark tabuisiert. „Psychoanalytiker Felix de Mendelssohn hat sogar erforscht, dass kein anderer Bereich so stark tabuisiert wird wie Geld. Bei dem Thema sind wir voll verschleiert, wie unter einer Burka.“ Die Nachhaltigkeit eröffne hier aber einen Lichtblick. Denn indem man mit Geld etwas Gutes tue, könne man mehr und mehr sein Gesicht zeigen.