VVA-Chef Karl-Heinz Milz glaubt an die Zukunft von Papier

Markt / 25.05.2019 • 06:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Karl-Heinz Milz (Vorarlberger Verlagsanstalt). VN/STEURER

Der geschäftsführende Gesellschafter der Vorarlberger Verlagsanstalt im Interview.

Dornbirn Karl-Heinz Milz (52) ist geschäftsführender Gesellschafter der Vorarlberger Verlagsanstalt. Im Interview spricht er über die Digitalisierung, die Zukunft von Papier und die Fachkräftesituation.

Die Digitalisierung stellt die Druckbranche vor neue Herausforderungen. Hat Papier dennoch Zukunft?

Papier hat den extrem großen Vorteil, dass es physisch begreifbar und präsent ist. Die Inhalte sind zudem glaubwürdiger. Die elektronische Kommunikation wiederum ist sehr inflationär. Wir glauben, dass Papier in der Werbe- und Produktkommunikation auch in Zukunft wichtig sein wird. Auch wenn gewisse Produkte bereits substituiert werden. Wir sprechen also in dem Bereich nicht von einem tollen Wachstumsmarkt.

Nach Jahren, in der die Branche mit Rückgängen zu kämpfen hatte, hat sich die Lage zumindest stabilisiert. Gilt das auch für die VVA?

Wir hatten im vergangenen Jahr eine gute Nachfrage. Wobei wir in der Druckindustrie nicht so stark von der positiven Konjunktur profitieren konnten wie andere Branchen. Mengenmäßig gibt es europaweit deutliche Rückgänge an Papierverbrauch. Das sagt aber nur bedingt etwas aus. Die Auflagen sinken zwar, aber die Varianz nimmt zu. Kunden kommunizieren in vielen Sprach- und Länderversionen.

Wo liegen aus Ihrer Sicht die Zukunftsmärkte?

Aktuell wächst der Markt nicht, weil viel in Richtung online wandert. Die Zahl der Druckereien nimmt massiv ab. Künftig wird entscheidend sein, wohin sich die junge Generation, die nicht mit Papier aufwächst, entwickelt.

Digitaldruck indes ist eine Möglichkeit für kleine Auflagen.

Digitaldruck ist vor allem bei kleinen Losgrößen oder individualisierten Produkten interessant, allerdings noch kein Massenmarkt bei uns. Denn er ist oft nicht preisgünstiger, vor allem weil die Verbrauchsmaterialien wie Tinte oder Toner nicht billig sind. Digitaldruck macht Sinn, wenn ich durch das individualisierte Produkt einen höheren Preis verlangen kann. Allein um billiger zu produzieren, ist er meist ungeeignet. Aber natürlich müssen wir auf allen Hochzeiten tanzen.

Von außen betrachtet ist für viele Druckerei gleich Druckerei. Wie unterscheiden Sie sich?

Die Unterscheidbarkeit ist grundsätzlich schwer, weil das Produkt vom Kunden hinsichtlich Menge, Farbigkeit und Papier spezifiziert wird. Zudem ist das Geschäft preissensibel, weil leicht vergleichbar und es gibt Überkapazitäten am Markt. Wir haben sehr viele langjährige Kunden aus Großhandel, Industrie und Tourismus und ein sehr breites Produktionsspektrum, das bei der Visitenkarte anfängt und bis zum tausendseitigen Katalog reicht. Der Kunde bekommt unter einem Dach fast jedes Produkt und dazu ergänzende Dienstleistungen wie Logistik und Versand.

Die Firma Artpress, die 2013 gekauft und später mit der VVA verschmolzen wurde, ist nun in Dornbirn angesiedelt. Wie war die Integration?

Es war eine große Herausforderung, denn gleichzeitig haben wir hier am Standort auch gebaut. Von Tirol wollte kein Mitarbeiter übersiedeln. Wir mussten somit dort Personal abbauen und hier Personal finden. 2017/18 waren am Markt aber so gut wie kein Fachpersonal und auch keine Hilfskräfte verfügbar. Die Übersiedelung war nicht im Vorhinein geplant, aber mit einem zweiten Standort, 150 Kilometer entfernt in einer Talschaft mit noch eklatanterem Fachkräftemangel, war es auch nicht einfach.

Stehen weitere Zukäufe ins Haus?

Wir versuchen, mit Kollegen zu kooperieren. Das kann so weit führen, dass sich die Produktion letztlich zu uns konzentriert. Die Druckindustrie ist so komplex und kapitalintensiv, dass es für viele Unternehmen nicht mehr machbar ist. Allein in Vorarlberg haben in den vergangenen 20 Jahren sicher 40 Firmen den Markt verlassen, entweder aufgrund von Pleiten oder strategischer Überlegungen.

Im Gespräch in der Vorarlberger Verlagsanstalt in Dornbirn. VN/Steurer
Im Gespräch in der Vorarlberger Verlagsanstalt in Dornbirn. VN/Steurer

Bekommt man in Ihrer Branche genug Fachkräfte?

Die Mitarbeitersituation ist extrem schwierig. Wir bilden Lehrlinge aus, weil das das Schlüsselelement ist. Woher sollen die Fachkräfte sonst kommen? In Deutschland sind in den letzten Jahren massenhaft Druckereien in die Insolvenz geschlittert. Viele Mitarbeiter wechseln deshalb die Branche. Was mich schockiert, ist, dass man auch keine Hilfskräfte bekommt. Zudem beschäftigen wir Flüchtlinge. Das funktioniert teils sehr gut und teils ist es aufgrund der Sprachbarriere eine Herausforderung. Gerade wenn jemand Schichtdienst macht, kann er nicht jeden Abend in einen Sprachkurs. Da fühlen wir uns hinsichtlich Angebot schon alleingelassen. Ansonsten haben wir keine Berührungsängste und gute Erfahrungen gemacht.

Sie haben 2010 die Aktienmehrheit an der VVA übernommen. Wie kam es dazu?

Als mein Vater 1974 in die Firma kam, gab es rund 60 Gesellschafter. Als er 1996 starb, hatte ich die Möglichkeit, Vorstand zu werden und im Jahr 2000 hat ein Aufsichtsratsmitglied beschlossen, seine Aktien zu verkaufen. Da habe ich auch anderen ein Angebot gemacht. Sechs Prozent der Anteile sind heute noch außerhalb der Familie. Damals war es schon heftig. Die Gesellschaft stand gut da, dazu die große Immobilie. Aber ich habe es nicht bereut, wenngleich die Zeiten schwieriger geworden sind.

Wie geht es weiter?

Meine Söhne sind schon im Betrieb. Adrian in der Produktionsleitung, Aurel im Marketing und Vertrieb. Wir werden uns stärker auf Onlineaktivitäten konzentrieren, die Prozesse optimieren und suchen sicher Kooperationen, wo es sinnvoll ist.