Unternehmer Rene Jauk bringt Kraft auf den Bau

Markt / 27.05.2019 • 08:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Unternehmer Rene Jauk bringt Kraft auf den Bau.

Karriere mit Lehre ist bei ihm kein bloßes Schlagwort.

Hohenems „Karriere mit Lehre“ wird oft und gerne als Schlagwort verwendet. Dass das durchaus realitätsnah ist, zeigt der Blick auf den Lebenslauf von Rene Jauk eindrücklich.

Der heute 36-Jährige absolvierte zunächst eine Lehre zum Automechaniker, war danach Vertriebsleiter im Automobilbereich und schließlich bei Kohler Drucklufttechnik für Marketing und Vertrieb verantwortlich. Als wäre das nicht zeitintensiv genug, studierte er noch berufsbegleitend BWL und Marketing in St. Gallen.

Als bei Kohler der Entschluss feststand, das Unternehmen an den Lieferanten, den Kompressor-Branchenriesen Atlas Copco, zu verkaufen, saß Rene Jauk mit am Verhandlungstisch und hätte eigentlich die Möglichkeit gehabt, nach dem Verkauf eine Aufgabe beim Großkonzern zu übernehmen. Stattdessen entschied er sich aber für die Bau Power Group.

Das Unternehmen wurde bereits 2010 als „Power4Rent“ und als reine Mietgesellschaft für die Produkte von Atlas Copco gegründet. 2014 kam der Handel mit Baumaschinen hinzu. Somit wurde Jauk 2016 vom Angestellten zum Unternehmer. Sein Ermöglicher dabei war Vitus Kohler, sein ehemaliger Chef, „Mentor und Freund“, wie er sagt.

Der Weg vom Mitarbeiter eines Betriebs mit zahlenden Kunden hin zum kompletten Neuanfang als Selbstständiger war allerdings kein einfacher. „Ich habe bei null angefangen, es gab nur die Firma und mich, denn die bis dahin bestehende Struktur war durch den Verkauf weg“, erzählt er über die Zeit, als er von Tür zu Tür ging, um Kunden zu gewinnen. „Das war Knochenarbeit.“ Aber er glaubte an das Unternehmen und schuf sich seinen persönlichen Motivationsfaktor. So hatte er im Auto einen Katalog für Boote liegen. „Ich habe immer gesagt, wenn ich es mit der Firma schaffe, kaufe ich mir eines.“

Das Boot hat er noch nicht, denn jeder verdiente Euro ist seither in die Bau Power Group geflossen, um Maschinen und Inventar anzuschaffen. Die Bilanz kann sich sehen lassen. Heute hat das Unternehmen insgesamt neun Standorte und ist mit diesen in Österreich (Hohenems, Lustenau, Polling, Baden, Schwechat) und der Schweiz (Oberriet, Zürich, Kerzers, Bremgarten) vertreten. Zudem gibt es eine eigene Firma in Dubai. „Wir vermieten und verkaufen alles außer Baggern. Maschinen, die eine Firma selten braucht und die selbst anzuschaffen sich deshalb nicht lohnt“, erklärt der Geschäftsführer. Zudem sind verschiedenste Baugeräte von der Arbeitsbühne bis zum Förderband, Minikran oder Lichtmast im Angebot.

Das Sortiment umfasst mittlerweile aber nicht nur Baumaschinen und Baugeräte. Genauso bietet das Unternehmen Grabenverbausysteme in der Tiefbautechnik an. Insgesamt umfasst die Bau Power Group über 8500 Artikel, mehr als 150 Mietgeräte und 650 Tonnen Stahl für den Grabenverbau. Zudem ist Jauk mit der Firma FAE Systems im Bereich der Aus- und Nachrüstung von Dieselpartikelfiltern tätig.

Rasant wachsender Markt

Die Geschäfte laufen äußerst positiv. Seit dem Einstieg konnte der Umsatz jedes Jahr verdoppelt werden, auch weil das Mietgeschäft boomt. „Der Markt verlagert sich immer mehr von Kauf zu Miete“, weiß Jauk um das große Potenzial allein in den Kernmärkten Österreich, Schweiz und Liechtenstein.

Genau wegen dieses Trends zur Miete steht er aktuell vor einer wichtigen strategischen Entscheidung. „Unser gesamter Maschinenpark ist aufgrund der hohen Nachfrage vermietet und wir können nicht mehr schnell genug Maschinen kaufen, wie wir sie brauchen würden. Denn dafür bräuchten wir mehr Kapital, um in Maschinen und Geräte zu investieren“, erklärt der Unternehmer. Hier liegt das Problem, denn von Banken sei das Geld schwer zu bekommen, „weil Maschinen für sie kaum einen Gegenwert darstellen.“

Diese Entscheidung könne er aufgrund der Regulatorien nachvollziehen und dennoch sei es für ihn als Unternehmer eine traurige Erkenntnis. „Wenn man gründet, denkt man, man kann die Welt erobern. Nun bin ich an dem Punkt, an dem der Markt zwar extrem wächst und wir als Firma dementsprechend weiterwachsen könnten, dennoch können wir uns nicht so schnell weiterentwickeln, wie wir könnten“, erklärt Jauk.

Richtungsentscheidung

Somit gebe es nun zwei Optionen. Entweder einen Investor zu suchen, der das Geschäft versteht, und dadurch wachsen, oder das Wachstumstempo herausnehmen. Jauk ist jedenfalls optimistisch: „Wir haben mit dem Unternehmen einen super Weg hinter uns. Ich brenne für das Geschäft.“ Bis im Sommer will der Vollblutunternehmer eine Entscheidung treffen.