Gbd-Ingenieure: „Mitarbeiter sind unser höchstes Gut“

01.06.2019 • 08:00 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Sigurd Flora (re.) und Markus Beck (li.), hier im Gespräch mit den VN-Wirtschaftsredakteuren Andreas Scalet und Hanna Reiner, sind neben Eugen Schuler und Heinz Pfefferkorn die geschäftsführenden Gesellschafter von gbd.  VN/PAULITSCH

Im Gespräch. Sigurd Flora (46) und Markus Beck (44), geschäftsführende Gesellschafter gbd, Dornbirn

Dornbirn Sigurd Flora und Markus Beck sind zwei der vier geschäftsführenden Gesellschafter der gbd Gruppe. Im Interview sprechen sie über die hohen Anforderungen in der Branche, spannende Projekte und wie sich Ökologisierung und Digitalisierung auswirken.

Viele Menschen kommen irgendwann mit ihrer Arbeit in Berührung, wobei die gbd nicht jedem ein Begriff ist. Was sind Ihre Schwerpunkte?

Flora Wir decken neun Kerngebiete ab. Wir machen Tragwerksplanung, Baumanagement, Fassadenberatung, wir haben ein Prüflabor und eine Inspektionsstelle, sind Zertifizierungsstelle sowie Schul- und Prüfungszentrum, machen Qualitätsüberwachung und Gutachtertätigkeiten und haben ein Büro für Maschinenbau. Wir können Kunden also viele Dienstleistungen anbieten.

Ingenieurbüros alter Schule waren oft auf einen Bereich fokussiert. Wieso gibt es neun Unternehmen?

Flora Wir bewegen uns in einem risikoreichen Bereich. Wenn es irgendeinem Bereich schlecht ginge oder ein Risiko durchschlagen würde, wären alle betroffen. Da sind wir sehr vorsichtig und demütig und deshalb haben wir diese Struktur geschaffen.

Beck In der Statik machen wir vor allem spezielle Sachen von Fassaden über Seilbahnen. Im Baumanagement sind wir vor allem im Krankenhausbereich tätig. Die Prüfanstalt macht Prüfungen für wiederkehrende Dinge wie Dübel oder Fassaden. Das heißt, ein auftretendes Problem oder ein Fehler würde sich auf alle anderen Bereiche auswirken.

Flora Natürlich gibt es große, spezielle Projekte wie die Fassadenstatik für die Europäische Zentralbank. Genauso machen wir aber auch die Statik für über 100 Einfamilienhäuser im Jahr. Das ist eine gute und gesunde Grundauslastung.

Hier gibt es wahrscheinlich aber auch mehr Mitbewerb.

Flora Im Wohnbau haben wir mehr Konkurrenz, aber es ist ein gesunder Wettbewerb.

Wie sieht es international aus?

Flora Wir sind auch international tätig, aber unsere Kunden kommen alle aus dem D-A-CH-Raum und Italien. Sie liefern ihre Produkte zwar weltweit, sind aber in der Nähe angesiedelt. Wir haben keine Kunden aus Russland oder Asien. Wir würden uns niemals anmaßen, mit einem russischen Auftraggeber Verträge auszuhandeln.

Beck Der planende Bereich kann überregional unterwegs sein. Das können wir im Baumanagement nicht, weil wir dann vor Ort sein müssten. Deshalb haben wir einen Radius von einer Stunde.

Wie wirkt sich die gute Konjunktur aus?

Beck Das wirkt sich auf Termine und Preise sehr stark aus. Wir haben das bei unseren Projekten aber sehr gut im Griff. Denn wir übernehmen auf Wunsch auch die Koordination der Planung und begleiten Kunden durch den Planungsprozess. Unsere Großprojekte in Vorarlberg sind alle unter Budget. Bei der Preisentwicklung glaube ich aber nicht an weitere deutliche Steigerungen. Wir sehen erste Zeichen, dass es sich beruhigen könnte.

Flora In den letzten Jahren ist der Markt etwas heiß gelaufen. Da ist es wichtig, entsprechend gute Mitarbeiter zu haben, die auch bleiben. Sie sind das höchste Gut, das wir haben. Wir haben eine sehr geringe Fluktuation und eine sehr flache Hierarchie und wertschätzen unsere Mitarbeiter.

Wie sieht die Personalsituation in der Branche aus?

Flora Leicht ist es insgesamt nicht. Wir halten gute Kontakte zu Universitäten und versuchen, Absolventen zu rekrutieren.

Steigen die Anforderungen?

Flora Wir haben allein für die Statik 7000 Seiten Normen. Da ist aber noch kein Baugesetz, keine Verordnung und keine OIB-Richtlinie dabei. Da kann man sich die Anforderung vorstellen. Es ist daher im Gegensatz zu früher schwieriger, allumfassender Ingenieur zu sein. Man tut sich leichter, wenn man sich spezialisiert. Ein Seilbahnprojekt kann niemand abwickeln, der im Stahlbau nicht profundeste Kenntnisse hat. Denn wir sprechen von äußerst komplexen Anlagen. Genauso ist es im Holzbau oder bei Fassaden. Ein interner Wissensaustausch und Weiterbildung sind uns daher sehr wichtig.

Inwieweit hat sich die Arbeit in den vergangenen Jahren verändert?

Flora Als ich angefangen habe, haben wir noch sehr viel von Hand gerechnet. Dadurch entsteht ein gewisses Ingenieurgefühl. Mit der Normenlandschaft hat sich die Software stark verändert. Heute müssen Projekte oft schnell gehen. Ohne Softwareunterstützung wäre das nicht möglich.

Welche Rolle spielen Ökologisierung heute bei ihren Projekten?

Flora Das wird schon stark mitgedacht. Wir müssen heute oft in Varianten denken und rechnen. Die Messe Dornbirn ist ein gutes Beispiel. Die Hallen waren ursprünglich im Stahlbau konzipiert. Dann gab es unter den Planern einen Anstoß, eventuell in Holz zu denken. Am Ende haben wir beide Ergebnisse gegenübergestellt. Die Kosten waren neutral und im Holzbau war die Wahrscheinlichkeit groß, die Wertschöpfung im Land behalten zu können. Im Stahlbau hat es damals niemanden in der Größe gegeben. Heute ist es anders.

Beck Das Thema begleitet uns seit vielen Jahren, funktioniert und wird gut angenommen.

gbd hat den Slogan constructive thinking. Was steckt dahinter?

Beck Die Idee war, alle unter einen Hut zu bringen. Konstruktives Denken und Hausverstand üindberall wichtig. Es drückt auch unsere Haltung aus. Nicht Dienst nach Vorschrift machen, sondern einen Schritt weitergehen und gemeinsam Lösungen finden.

Konstruktives Denken unter einem Dach

Dornbirn Florian Oberhauser kann zurecht stolz sein. Vor Kurzem konnte er als verantwortlicher Ingenieur den renommierten Österreichischen Stahlbaupreis mit dem Projekt „Aufstockung der Ferrarischule Innsbruck“ gegen starke Konkurrenz gewinnen. Oberhauser ist einer der hochqualifizierten Fachleute, die bei gbd für herausragende technische Leistungen sorgen. Stolz sind auch die Geschäftsführer des Unternehmens, das 1969 als Statikbüro Rüsch gegründet wurde und seither stark gewachsen ist. Die Gruppe Bau Dornbirn (gbd) besteht inzwischen aus neun Unternehmen und bietet den Kunden „größtmögliche Synergie bei gleichzeitig höchster Flexibilität, wenn es um die Bereiche Tragwerksplanung, Baumanagement, Fassadenberatung, Zertifizierungen, um nun einige der Tätigkeitsbereiche zu nennen, geht.

Die Ziviltechniker-Holding ist das größte Ingenieursbüro im Vorarlberg, es ist für Kunden vor allem in der Region, für die aber international tätig. Neben dem Hauptsitz und den Prüflabors in Dornbirn betreibt die gbd weitere Standorte in Österreich , der Schweiz und seit vergangenem Jahr auch in Deutschland.

gbd Kennzahlen

Gegründet 1969 als Statikbüro Rüsch,

Umgründung 2003 mit Namen gbd ZT GmbH

Geschäftsführende Gesellschafter Heinz Pfefferkorn, Eugen Schuler, Sigurd Flora, Markus Beck (Anteile: je 25 Prozent)

Mitarbeiter über 100 (in allen Firmen der Holding)

Umsatz 11 Millionen Euro

Firmen und Filialen 11

Zu den Personen

Markus Beck

Geboren 26. April 1974 in Lindau

Ausbildung Schreiner, Studium Baumanagement Biberach, berufsbegleitendes Masterstudium Projektmanagement, Staatsprüfung

Laufbahn seit 2001 bei gbd, seit 2007 in der Geschäftsführung

Familie verheiratet, zwei Kinder

Sigurd Flora

Geboren 28. Dezember 1972 im Vinschgau

Ausbildung HTL Bozen (Informatik), Bauingenieursstudium in Wien, Auslandsjahr in Mailand, Staatsprüfung

Laufbahn IC Konsulenten, seit 2001 bei GBD, 2004 Büroleitung, außerdem im Vorstand der Kammer der Ziviltechniker

Familie verheiratet, zwei Kinder

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