Vorarlberg: Hundert Prozent bio ist das Ziel

Markt / 05.06.2019 • 06:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Landgenossen sprechen nicht nur Landwirte an, sie pachten auch landwirtschaftliche Flächen zur Biobewirtschaftung. REUTERS

Tun statt reden, ist das Motto der Landgenossen und der Stiftung Üsa Boda.

Dornbirn, Bregenz Für Überzeugungen muss man manchmal auch einiges auf sich nehmen. Arnold Feuerstein tut das. Er ist auf Kundentour mit einem großen Anhänger und liefert Fleischpakete aus. Der Gesprächstermin über das ehrgeizige Ziel, das Feuerstein mit den Landgenossen, einer Kooperation zur Förderung der Biolandwirtschaft, und dem Unternehmer und Philantropen Hans Kremmel verfolgt, passt in seine Liefertour mit Fleisch vom Bioalprind, garantiert aus Vorarlberger Zucht. Die Mühsal nimmt er gerne auf sich, gerne würde er noch mehr von der begehrten Ware ausliefern.

Bio ist wirtschaftlich

Feuerstein, der die Dorfinstallateur-Gruppe aufgebaut hat, ist schon viele Jahre landwirtschaftlich tätig, bekannt wurde er als Halter und Importeur von schottischen Hochlandrindern. Er ist überzeugt, dass es einfach zu wenig Biobauern im Land gibt, und davon, dass durch bio besonders Landwirte in den Talschaften ihre Ertragssituation deutlich verbessern könnten. In der Ebene raten die Landgenossen – zu den Gründungsmitgliedern zählen neben Feuerstein Biobauer Kaspar Kohler, Metzgermeister Anton Fetz, Rinderzüchter Reinhold Kräutler und Hühnerzüchter Bertram Martin –  zu Gemüseanbau statt Monowirtschaft. „Bedarf dafür ist vorhanden“, verweist Feuerstein auf entsprechende Marktforschung. Diese Marktforschung stellt auch fest, dass die Nachfrage weiter steigen wird.

Durchaus wirtschaftlich ist auch der Ansatz von Kremmel, der im vergangenen Jahr die Stiftung Üsa Boda ins Leben gerufen hat. Der Vorarlberger, der seinen unternehmerischen Erfolg in Asien realisierte und selbst landwirtschaftlich aktiv ist, hat als Stiftungszweck die Förderung und den Ausbau bodenschonender, ökologisch nachhaltiger und enkeltauglicher Maßnahmen und Initiativen mit dem Ziel, Leben und Arbeiten auf gesunden, giftfreien und fruchtbaren/humusreichen Böden auch für zukünftige Generationen zu ermöglichen. Aus tiefster Überzeugung und weil er den Markt  für Bio sieht. Es müsse doch möglich sein, sinnierte Kremmel, dass das überschaubare Land Vorarlberg zum Biomusterland werden könnte.

Unterstützung bei Umstellung

Mit den Mitteln der Stiftung werden Bauern bei der Umstellung und Zertifizierung auf bio unterstützt. Außerdem pachten die Landgenossen von Grundbesitzern, die nicht mehr bäuerlich tätig sind, landwirtschaftliche Flächen, um sie biologisch zu bewirtschaften. Für die Grundeigentümer wurden Musterverträge ausgearbeitet, außerdem erhalten sie umfassende Beratung. Die Unterstützung für die Bauern erhalten diese zusätzlich zu den üblichen Förderungen und immer akkordiert mit Bio Vorarlberg, wie Feuerstein und Kremmel feststellen. Unterstützung allein ist aber zu wenig. Die Landgenossen wollen nicht nur umstellen, sie haben ein Netzwerk für die Verarbeitung, Vermarktung und den Vertrieb aufgebaut und erweitern es für die Wirtschaft und private Abnehmer.

Veranstaltung für Biolandwirte und Bauern, die ihren Betrieb umstellen wollen, am 6. Juni in der Inatura, Dornbirn.