Die Aktienmärkte schauen auf China und den Handelsstreit

07.06.2019 • 16:57 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Bregenz Die Berichtssaison der meisten Unternehmen an der Börse ist zu Ende. Auch wenn z.B. im DAX knapp mehr als die Hälfte der Blue Chips besser als erwartet berichteten, revidierten die Analysten ihre Gewinnschätzungen für den weiteren Jahresverlauf – wenn auch mit geringerer Dynamik – einmal mehr nach unten. Vor allem bei den Automobilwerten ist der Gewinntrend weiterhin abwärtsgerichtet. Der Sektor leidet nicht nur unter den hohen Forschungs- und Entwicklungskosten, sondern aufgrund seiner Exportlastigkeit auch unter dem Handelskrieg sowie dem noch ausstehenden Brexit.

Die Bedeutung Chinas insbesondere für die deutsche Wirtschaft nahm in den vergangenen Jahren immer weiter zu. Die zentrale Säule der Wirtschaftsbeziehung bildet neben dem Maschinen- vor allem der Fahrzeugbau. Allein von 2008 bis 2018 verfünffachten sich die deutschen Ausfuhren von Kraft- und Landfahrzeugen nach China nahezu. Seit letzten Sommer ist im Reich der Mitte jedoch ein deutlicher Absatzrückgang – möglicherweise eine der Folgen des Handelskriegs – zu verzeichnen, der sich auch negativ auf die Quartalszahlen der deutschen Autohersteller auswirkte. Allein Volkswagen, BMW, Daimler sowie der Zulieferer Continental sind mit einem Anteil von ca. 15 % im DAX sehr hoch gewichtet und ihr Anteil am DAX-Gewinn beträgt sogar 21 %. Daher zeigten sich zuletzt auch bei der DAX-Performance- und Ertragsentwicklung deutliche Bremsspuren. Der nach wie vor ungelöste Handelskonflikt bleibt demnach weiter richtungsweisend für die Entwicklung von Risikoanlagen.

Auch wenn die USA und China Gesprächsbereitschaft zeigen, ist der Ausgang der Zollstreitigkeiten offen. Mehrere Szenarien sind denkbar, am Wahrscheinlichsten dürften sich die Verhandlungen hinziehen, während sich dabei „Hoffen und Bangen“ ablösen und weitere Eskalationen möglich sind. Am Ende dürften sich beide Parteien einigen und Donald Trump könnte sich als „Dealmaker“ feiern lassen, was auch dem DAX zunächst Rückenwind geben dürfte.

stefan.schmitt@hypovbg.at,

Stefan Schmitt, Leiter Wealth ­Management, Hypo Vorarlberg