Sportler mit Duchhaltevermögen

13.06.2019 • 20:35 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Nicht der einzige weibliche Superstar im Skiteam: Lindsey Vonn. Gepa
Nicht der einzige weibliche Superstar im Skiteam: Lindsey Vonn. Gepa

1969 startete Head seine Skiproduktion in Kennelbach. 50 spannende Jahre.

Kennelbach Howard Head ärgerte sich. Er ärgerte sich, als er 1947 das erste Mal auf Skiern stand, darüber, dass die Bretter schwer und steif waren und nur mit Gewalt in die von ihm gewünschte Richtung zu bewegen waren. Doch das Skifahren ließ ihn nicht mehr los. Er kündigte seinen Job als Flugzeugingenieur und tüfftelte an einem Ski, der leicht war und beim Slalom für Fahrspaß sorgte. 1950 gründete er eine Skifirma. Damit war die Basis gelegt. Um aber ernst genommen zu werden, fehlte noch eines. Howard Head wollte seine Skier in Österreich produzieren, das würde Vertrauen bei den Sportlern schaffen.

1969 war es so weit. In Kennelbach fanden sich schließlich die entsprechenden Räumlichkeiten und erfahrene Fachleute. Die Produktion rollte an. Head eroberte „made in Austria“ die Abfahrten. Ähnlich revolutionär wie die Ski-Innovationen war Howard Heads zweiter Streich. Er erfand den Aluminiumrahmen für Tennisschläger – und mit Arthur Ashe einen fabelhaften Tennisspieler, der mit dem neuen Aluracket Siege en bloc feierte, unter anderem im Mekka der Tennisspieler, in Wimbledon. Er war nicht der einzige Champion, wie Sportfans wissen. André Agassi holte mit dem Racket aus Kennelbach seine größten Siege, die derzeitige Nummer eins, Novak Đoković, spielt auch auf Head. Im Skirennsport ist es nicht anders. Skilegende Jean Claude Killy holte mit seinen Head-Skiern die wichtigsten Siege im weißen Sport, ebenso Patrick Ortlieb, Didier Couche und die US-Legenden Bode Miller und Lindsey Vonn, um nur zwei zu nennen. Man könnte meinen, die Geschichte von Head in Kennelbach sei eine Geschichte des Erfolges.

Ist sie nicht, denn von Anfang an musste die Firma, deren einprägsamer Name sehr schnell einen guten Klang in der internationalen Sportwelt hatte und zu den bekanntesten Marken im Sport zählt, mit schwankendem Erfolg zurechtkommen. Im Jahr der Ansiedlung von Head in Vorarlberg übernahm der Mischkonzern AMF die Sportmarke, ein Konzern, der ein buntes Konglomerat an Sportmarken sammelte, dazu zählten auch die Automarke Jeep und die Motorradlegende Harley Davidson. Das Konzept ging schlussendlich nicht auf, 1983 wurde Head verkauft. Und auch der neue Eigentümer Irwin Jacobs reichte das Sportkonglomerat weiter.

Das schwierigste Kapitel begann aber Anfang der 90er-Jahre, als der österreichische Monopolkonzern Austria Tabak einen Ausflug in die Sportbranche wagte. Mit großen Plänen: die Produktion von Golfschlägern war angedacht, die Sportswear-Kollektionen wurden ausgebaut. Visionen, die platzten wie Träume. Die größte Verfehlung der Tabak-Manager: Sogar eine eigene Zigarettenmarke „Head“ wurde in Österreich und in Japan auf den Markt gebracht. 1995 übernahm der schwedisch-britische Investor  
Johan Eliasch das Unternehmen. Viel Vertrauen wurde ihm damals nicht zuteil. Doch zusammen mit einem fähigen Management trainierte Eliasch die Marke wieder zum Champion. Für den Sportartikelkonzern war 2018 ein höchst erfolgreiches Jahr. Nicht nur sportlich, auch wirtschaftlich. Mit 433 Millionen Euro (+ 1,2 %) wurde ein Rekordumsatz erzielt. VN-sca

Tennischampion Arthur Ashe holte mit Head alle wichtigen Titel. AP
Tennischampion Arthur Ashe holte mit Head alle wichtigen Titel. AP
Auch Bode Miller zeigte der Konkurrenz, wie schnell er mit Head ist. AFP
Auch Bode Miller zeigte der Konkurrenz, wie schnell er mit Head ist. AFP
Howard Head war unzufrieden. 1950 gründete er seine eigene Skifirma. NMAH
Howard Head war unzufrieden. 1950 gründete er seine eigene Skifirma. NMAH

Head Tyrolia Mares 2018

gegründet 1950, 1969 Eröffnung in Kennelbach

Umsatz 433 Millionen Euro (+1,2 Prozent, währungsbereinigt + 2,8 Prozent)

Mitarbeiter 350 in Vorarlberg, 2500 weltweit