Von Bioreaktoren bis E-Mobilität: Fondsmanager Hendrik Leber über die Zukunft des Investierens

13.06.2019 • 08:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Value-Investor Dr. Hendrik Leber war 2017 Fondsmanager des Jahres. VN/LERCH

Welche Technologien investierbar sind und zugleich Nachhaltigkeitsziele erfüllen.

Schwarzach Für Ketchup und Mayo ist es nicht mehr so einfach. Waren Produkte früher auf lange Zeit beständig, ändern sich heute die Anforderungen seitens der Kunden und Verbraucher stetig. Das ist nicht nur in der Lebensmittelwelt so, sondern auch in der Technik. Hörte man früher seine Musik noch über Kassetten oder später auf CD, folgten danach iPod und Spotify. Hätte man also 1985 als Anleger in einen CD-Produzenten investiert, wäre der Traum Jahre später zu Ende gegangen.

Die Lebensdauer verkürzt sich. „Die Eintrittsbarrieren sind dafür geringer. Unternehmen durchlaufen einen kurzen, schnellen Aufstieg, bis es ein alternatives Produkt gibt“, sagt Hendrik Leber, Gründer der Acatis Investment GmbH und Fondsmanager des Jahres 2017. „Es gilt das Motto: The winner takes it all. Heute braucht es deutlich weniger Spieler pro Markt. So decken Amazon und Ebay quasi den Onlinehandel ab, Visa und Mastercard die Kreditkartenbranche. Das Smartphone gibt es seit zwölf Jahren. Die Frage ist, ob es auch in fünf Jahren noch gibt.“

Technologie sei aber ein Werkzeug, um die Welt positiv zu verändern bzw. besser zu gestalten. Zudem seien viele der Lösungen auch kompatibel mit den 17 Nachhaltigkeitszielen der UNO, die vom Kampf gegen Armut, Hunger und Ungleichheit bis hin zu Bildung, Gesundheit, Energie, Infrastruktur, Klimawandel und Frieden reichen. Und letztlich könne man damit auch Geld verdienen. „Unsere Analyse von 4000 Unternehmen hat gezeigt, dass Firmen mit einem hohen Anteil nachhaltiger Produkte positiv performen“, sagt Leber.

Investierbar seien dabei vor allem Unternehmen, die die Grundbedürfnisse des Menschen abdecken, weil sie sich beispielsweise Themen wie selbstfahrenden Autos, Drohnen, Künstlicher Intelligenz, Batterietechnik, Bioreaktorprodukten, individualisierter Medizin, Blockchain oder virtueller Realität widmen.

Essen aus dem Bioreaktor mag vielleicht im ersten Moment komisch klingen, sei aber auf dem Vormarsch und eine Möglichkeit, die Welt auch in Zukunft zu ernähren, sagt der Value-Investor. Firmen wie Impossible Foods entwickeln pflanzliche Fleisch- und Milchprodukte ohne Tierbestandteile. Evolva stellt mittels Hefe-Fermentation Süßstoff her.

E-Mobilität ist ebenfalls ein großes Thema. „Ich war hier lange skeptisch. Aber die Kosten sind wettbewerbsfähig, und auch die Wartung ist geringer“, sagt Leber, der hier aber hauptsächlich in China investiert ist. Denn ein Tesla-Fan ist Leber nicht. Die Firma habe lange Zeit davon gelebt, keine Konkurrenz zu haben.

Bei Acatis setzt man zeitgleich aber auch auf Batterienrecycling. „Somit schließt sich der Kreislauf.“

Im Bereich Pharma wiederum drehe sich alles um Individualisierung, um Immun- und Krebstherapien. Hier werde sich extrem viel tun. Hendrik Leber pickt hier exemplarisch die dänische Firma Genmap heraus, die Antikörper für die Krebstherapie entwickelt.

Huawei-Streit angezettelt

Auch die Künstliche Intelligenz sei auf dem Vormarsch. Durch die Cyberkriminalität zeige sich aber, dass jedes System verletzlich ist. Noch viel mehr Sorgen bereiten dem Fondsmanager allerdings die US-Sanktionen gegen den chinesischen Telekomausrüster Huawei. „Das wird die Welt in zwei Blöcke spalten. Die Chinesen sind gedemütigt und sie werden ihre Lieferanten entscheiden lassen, ob sie lieber für die USA oder China produzieren. Und im Zweifel geht man dorthin, wo der größere Umsatz ist.“