Post-Hotelier Florian Moosbrugger über Traditionen und neue Chancen

Markt / 16.06.2019 • 14:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Hotelier Florian Moosbrugger. VN/HARTINGER

„Es braucht einen gewissen Idealismus“, sagt der Lecher Hotelier.

Lech Florian Moosbrugger führt mit dem Hotel Post eines der traditionsreichsten Hotels in Lech. Im Interview spricht er über Gästeerwartungen, Traditionen und welche Chancen er für Lech als Destination sieht.

Hat Lech für den anspruchsvollen Gast auch im Sommer genug zu bieten?

Ein gutes Winterhotel ist nicht automatisch ein gutes Sommerhotel. Das touristische Produkt im Sommer ist ein ganz anderes. Im Winter sind Skifahren, Wellness und das Restaurant dominierend. Der Sommer ist fordernder und die Erwartungshaltung des Gastes deshalb eine andere. Das Wichtigste im Sommer ist die Außenanlage. Ein Hotel ohne Garten und Terrasse wird niemals Erfolg haben. Wir verstehen uns im Sommer auch für viele Gäste eher als Zweiturlaubsdestination. Denn an der Faszination, die das Wasser hat, werden wir nichts ändern. Daher hätte auch der Herbst ein großes Potenzial für Lech.

Wie schwierig ist es, das hohe Niveau eines Fünf-Sterne-Hotels über Jahre zu halten?

Gerade in Lech wird sehr viel internationales Kapital eingesetzt. Von Menschen, die kurzfristig nicht davon leben müssen. Aus der Sicht des Gastes wird man trotzdem mit diesen Betrieben verglichen. Das ist für ein privates Unternehmen ein großer Druck. Ich befürchte auch, dass die Anzahl der privat geführten Hotels in den nächsten Jahren weniger wird. Neben der Investitionsseite ist der Druck hinsichtlich Qualität und Service für alle Gastronomen gleich groß. Wir haben keine Maschinen. Ein Schnitzel muss jeden Tag neu gebacken werden und ein Kellner muss jeden Tag freundlich sein. Wir leben also zu einem großen Teil von der Qualität unserer Mitarbeiter.

Spüren Sie den Fachkräftemangel?

Es gibt immer zwei Wahrheiten. So wie es im Erfolg einer Destination immer nur um Nächtigungszahlen geht, auch wenn sie nicht repräsentativ für die Wertschöpfung sind. Der Fachkräftemangel wiederum wäre im Grunde relativ leicht zu beseitigen. Man müsste den Mitarbeitern nur das Doppelte bezahlen. Das zwickt aber in der Bilanz. Die Problematik ist also auch die Wertschätzung für gastronomische Leistung. Die Frage ist: Wie viel ist ein Kunde bereit, für ein Produkt zu zahlen? Wobei wir hier in Lech natürlich schon privilegiert sind. Auch bei den Mitarbeitern tun wir uns dementsprechend leichter. Aber auch wir müssen dafür investieren. Dabei geht es nicht nur um die Unterkünfte, sondern auch um das Betriebsklima.

Inwieweit hat sich das Anspruchsverhalten des Gastes verändert?

Die Erwartungshaltung ändert sich dramatisch durch die Aufenthaltsdauer. Früher war es normal, drei bis vier Wochen zu bleiben. Heute sind es im Winter durchschnittlich sechs bis sieben Tage, im Sommer zwischen drei und vier Tagen. Wenn ich drei Wochen auf Urlaub bin und es schneit davon zwei Tage, ist es irrelevant. Bei drei Tagen Aufenthalt hat das eine ganz andere Bedeutung. Unsere persönliche Präsenz ist somit intensiver geworden. Wenn ein Gast nur zwei Tage im Haus ist, möchte er uns trotzdem sehen.

Die Post ist bekannt für ihre Gäste. Inwieweit hilft das dem Ansehen?

Es ist ein riesiger Imagegewinn.

Welche Rolle spielt die Diskretion?

Das wird von Gästen an Lech besonders geschätzt. Es ist für sie sehr wichtig, dass sie normal aus dem Haus gehen können, ohne einen gesteigerten Sicherheitsapparat koordinieren zu müssen.

Sie haben Radio- und Fernsehtechniker gelernt. Hatten Sie zunächst eine andere Karriere im Blick?

Die Hotellerie war der Weg, den ich immer verfolgen wollte. Mein Vater hatte aber die Philosophie, dass wir aufgrund der Tatsache, dass wir in einem Hotel aufgewachsen sind, so viel an Grundwissen haben, das es besser ist, einen zweiten Beruf zu lernen.

Welche Traditionen pflegen Sie? Was machen Sie anders?

Was wir sicherlich fortführen, ist, dass meine Frau und ich sehr viel Präsenz im Haus zeigen und den Betrieb persönlich führen. Was sich dramatisch gewandelt hat, ist die Technik. Wir vermarkten die Post dadurch anders als meine Eltern oder Großeltern.

Worin sehen Sie die Chancen und Risiken für den Tourismus in Lech?

Es ist wichtig, dass Lech nicht nur ein Wirtschaftsraum ist, sondern auch ein Lebensraum. Die Entwicklung muss so gestaltet werden, dass die Dorfgemeinschaft als solche erhalten bleibt. Problematisch ist natürlich, dass die Ertragslage der Hotels mit dem Substanzwert nicht mehr mithält. Das beste Geschäft für einen Inhaber ist, das Haus zu verkaufen. Da braucht es einen gewissen Idealismus, um sich dagegenzustellen. Meist kommt das Thema bei der Nachfolge auf.

VN/Hartinger
VN/Hartinger

Wie sieht es bei Ihnen aus?

Meine zweite Tochter ist 14 und hat Ambitionen, den Betrieb übernehmen zu wollen. Das ist sehr erfreulich, und wir werden alles dafür tun, dass sie eine freudvolle Aufgabe übernimmt.

Wie sehen Sie den Bau neuer Luxus-Chalets in Lech?

Grundsätzlich kann ein Chalet ein attraktives touristisches Angebot sein. Die Problematik zeigt sich bei der Bereitstellung der Infrastruktur. Der Golfplatz beispielsweise wird von den großen Hotels in Lech mitfinanziert. Es bräuchte daher ein System, das die Kosten auf alle Nutzer umlegt. Hier ist die Gemeinde aber aufgrund der Vorgaben von Land und Bund bei den steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten eingeschränkt.