Baustellen bremsen Fahrplan

Markt / 18.06.2019 • 20:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Energiequelle auf dem Firmendach. Große Unternehmen setzen Effizienzmaßnahmen laut Energieinstitut vorbildlich um.Vkw
Energiequelle auf dem Firmendach. Große Unternehmen setzen Effizienzmaßnahmen laut Energieinstitut vorbildlich um.Vkw

Zwischenbilanz zur Energieautonomie: Trotz Hindernissen wird der Weg weiterverfolgt.

Bregenz, Dornbirn Zehn Jahre ist es her, seit Vorarlbergs Politiker einstimmig die Energieautononomie 2050 beschlossen haben. Das Land soll dann nur noch so viel Energie verbrauchen, wie durch regionale, erneuerbare Energieträger bereitgestellt werden kann. „Die erste und einzige demokratisch legitimierte Revolution“, nennt der zuständige Landesrat Christian Gantner diesen Plan. Und er sieht das Vorhaben, ebenso wie Landeshauptmann Markus Wallner, Energieinstituts-Geschäftsführer Josef Burtscher und der zuständige Leiter im Landhaus, Christian Vögel, auf gutem Weg. Wenn auch das Ziel nicht ganz erreicht werden konnte. Baustelle Nummer eins auf dem Weg zum Ziel ist die Mobilität – und dabei der Individualverkehr und, um es weiter herunterzubrechen, der Individualverkehr mit Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor.

Problemsektor Verkehr

Vorarlberg ist zwar schon jetzt das Land mit den meisten E-Fahrzeugen in Österreich und zusammen mit Wien jenes mit dem dichtesten ÖPNV-Fahrplan, wie Wallner stolz mitteilt. Um allerdings von einer Zunahme des Energieverbrauchs im Verkehr von 15 Prozent in den vergangenen zehn Jahren zu einer Verringerung der fossilen Energie zu gelangen, sei das Land auf die Fortschritte bei der E-Mobilität angewiesen, betont Wallner. Wenn die Ankündigungen der Autobauer eintreffen, sei das machbar. Was das Land tun könne, ist, sich darauf vorzubereiten, etwa durch den Ausbau von Ladestationen.

Gute Bilanz bei Gebäuden

Deutlich zurückgegangen ist der Energieverbrauch bei Gebäuden. Die CO2-Emissionen für das Beheizen und Kühlen der Vorarlberger Wohngebäude können bis 2050 um 90 Prozent gegenüber 2005 gesenkt werden. Auch der Energiebedarf selbst ließe sich um rund zwei Drittel reduzieren, wie eine Studie des Energieinstituts beweist. Dazu bedürfe es keiner wesentlichen Erhöhung der Sanierungsquote, „aber Neubau und Sanierung müssen im besten Standard umgesetzt werden“, mahnt Landesrat Gantner. „Wenn eine Fassade nur neu gestrichen und nicht gleichzeitig gedämmt wird, ist eine gute Möglichkeit vertan.“

Das tut die Wirtschaft und trotzdem stieg der Verbrauch seit 2005 um zehn Prozent. Geschuldet ist das dem Aufschwung, denn die großen Unternehmen seien vorbildlich, was die Effizienzmaßnahmen betreffe. Energieinstituts-Geschäftsführer Burtscher sieht weiteres Potenzial darin, dass große Gebäudedächer mit Photovoltaik versehen werden. Kleineren Unternehmen rät er den Kontakt zum Energieinstitut, um fachliche Beratung zu bekommen. Das Institut sei ein wichtiger Partner auf dem Weg zur Energieautonomie, sagt Wallner. Deshalb unterstütze das Land das Energieinstitut auch heuer mit 840.000 Euro. Beratung gibt es für alle Vorarlberger, die ihren Beitrag zur Energieautonomie und zum Klimaschutz leisten wollen. VN-sca

„Ich wünsche mir an jedem Familientisch Kinder als Energiebotschafter.“

Energieinstitut Fakten

Gegründet 1985

Geschäftsführung Josef Burtscher

Mitarbeiter 38 Vollzeitäquivalente per Anfang 2019

Rechtsform Gemeinnütziger Verein mit 12 institutionellen Vereinsmitgliedern

Beratungen über 45.000 Energieberatungen seit 1991, über 1000 persönliche Beratungen jährlich

Budget 4,6 Millionen Euro