Zwischenhoch für den Handel: Strukturwandel gestoppt

Markt / 18.06.2019 • 17:45 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Sportartikelhandel hat im vergangenen Jahr im Land neue Geschäfte und Fililalen eröffnet (Bild: Intersport Arlberg).FA

Zahl der Ladengeschäfte in Vorarlberg und Österreich wieder gestiegen.

Wien, Feldkirch Das Händlersterben in Österreich hat sich vorerst eingebremst. Auch der Verkaufsflächenrückgang ist fürs Erste gestoppt. Erstmals seit 2012 ist die Zahl der Geschäfte im Einzelhandel 2018 wieder gestiegen und zwar um 200 auf 37.600. Das zeigen Daten der KMU Forschung Austria, die am Dienstag präsentiert wurden. Eine Entwicklung, die auch in Vorarlberg feststellbar ist, wie die Obfrau der Sparte Handel, Theresia Fröwis, gegenüber den VN bestätigt.

Den deutlichsten Anstieg gab es im Sportartikelhandel, wo Neueinstiege zu einem Zuwachs der Geschäfte um sechs Prozent führten. Aber auch in der Bau- und Heimwerkerbranche (2 Prozent), im Lebensmittelhandel und im Kosmetikhandel (je 1 Prozent) gab es im Vorjahr Zugänge.

Kaum Sprünge gab es bei der Flächenproduktivität, also den Umsätzen pro Quadratmeter, die in Vorarlberg aber etwas höher als im Bundesschnitt ist und bei über 5000 Euro pro Quadratmeter liegt. Mitgerechnet sind dabei auch Geschäfte in kleinen Orten, die diese Summe nicht erreichen. Wobei der neue Spar-Markt in Egg-Großdorf zeigt, dass kleine Geschäfte durchaus angenommen werden, wie Spar-Direktor Gerhard Ritter erfreut berichtet. „Wir liegen deutlich über unseren Erwartungen.“

Bei der verfügbaren Einzelhandelsfläche pro Einwohner liegt Österreich im EU-28-Ranking mit 1,56 Quadratmeter auf Platz drei. In Vorarlberg beträgt die Einzelhandelsfläche pro Einwohner sogar knapp 1,8 Quadratmeter. „Dass das so ist, ist ein Indiz dafür, dass der Strukturwandel in Österreich noch nicht abgeschlossen ist“, sagte der Autor der Strukturanalyse, Ernst Gittenberger, am Dienstag in Wien. In Vorarlberg dürfte die Fläche vorübergehend steigen, denn mit MPreis ist ein neuer Mitbewerber am Markt. Fröwis spricht in diesem Zusammenhang von einem Verdrängungsmarkt.

Was in Vorarlberg auffällig sei und von den Kunden auch honoriert werde, so Fröwis, sei die Attraktivierung der Innenstädte. Besonders in Bludenz und Hohenems sei das augenscheinlich und werde auch von den Konsumenten belohnt. Dennoch weiß auch Fröwis, dass die Zahlen ein kleines Zwischenhoch sind. Sie fordert  nach wie vor Chancengleichheit mit der Onlinekonkurrenz, z. B. durch Einführung einer digitalen Betriebsstätte, Abschaffung der 22-Euro-Freigrenze für Kleinsendungen aus Drittstaaten sowie den Wegfall der 150 Euro-Zollgrenze.

„In Vorarlberg gibt es einen Trend zur Attraktivierung der Innenstädte. Das ist sehr positiv.“

Theresia Fröwis, Obfrau Sparte Handel