„Der Lebensmittelhandel wird zur Lifestylebranche“

Markt / 21.06.2019 • 17:42 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Markus Kaser ist Geschäftsführer von Interspar Österreich.VN/Lerch
Markus Kaser ist Geschäftsführer von Interspar Österreich.VN/Lerch

Interspar-Chef Markus Kaser über aktuelle Entwicklungen und Trends.

Bregenz Markus Kaser kennt als Geschäftsführer von Interspar Österreich die Herausforderungen eines Bauprojektes.

 

Neben dem Verkehr und der Anrainersituation ist auch ein Umbau bei laufendem Betrieb keine leichte Aufgabe. Worin sehen Sie die größte Herausforderung?

KAser Natürlich ist ein Umbau bei laufendem Betrieb eine Beanspruchung für die Kunden und für die Mitarbeiter. Das wird sicherlich die größte Herausforderung. Eigentlich müssten wir ja zusperren und in sieben Monaten neu eröffnen, aber die Gefahr ist dann, dass sich der Kunde neu orientiert und dann an den Mitbewerb gewohnt ist. Denn Einkaufen hat viel mit Gewohnheit zu tun. Unser Kunde weiß, wo sein Joghurt und sein Mehl stehen.

 

Wie lange ist die Lebensdauer eines Interspar-Marktes?

KAser Normalerweise sind 20 Jahre kein Problem. Das sieht man beispielsweise am Interspar im Dornbirner Messepark. Dennoch wird dieser eines unserer nächsten Projekte sein. Momentan warten wir ab, wie es mit den Erweiterungsplänen weitergeht, sind aber vorsichtig optimistisch.

Welche Rolle spielt das Restaurant im Konzept?

KAser Je größer die Verkaufsfläche, desto wichtiger ist es. Viele Kunden verbinden ihren Einkauf mit einem Essen. Oder sie kommen zum Essen und gehen dann Einkaufen. Andere wiederum nehmen die Speisen für zuhause mit. Das Restaurant ist also ein Anziehungspunkt für sich.

 

Wie zufrieden sind Sie mit der wirtschaftlichen Entwicklung von Interspar in Vorarlberg?

KAser Ich bin sehr zufrieden. Wir hatten eine super Entwicklung über die letzten Jahre. Dazu tragen sowohl die Einheimischen wie auch die Kunden aus dem Ausland bei. In Feldkirch Altenstadt zum Beispiel kommen 20 Prozent der Kunden aus der Schweiz, am Standort Bürs sind es viele Touristen, die zu uns kommen. Auch heuer sind wir mit der Entwicklung sehr zufrieden. Der Umbau ist nun ein schönes Signal, denn viele Jahre haben wir in Vorarlberg weniger investiert, weil die Märkte hier neuer waren. Nach den Investitionen in die Gastronomie in Bürs, Feldkirch und Dornbirn beginnt mit Bregenz nun ein Reinvestitionszyklus.

 

Wie entwickeln sich die lokalen Produkte in Ihrem Sortiment?

KAser In Vorarlberg haben wir 520 regionale Artikel von 77 heimischen Produzenten im Sortiment – vom Gin bis zur Pasta oder dem Öl. Innovative Unternehmer rennen bei uns quasi offene Türen ein. Das ist für uns als Differenzierung sehr wichtig, denn ein Discounter kann das nicht. Die lokalen Sortimente entwickeln sich sehr gut. Was früher eine Nische war, ist es heute ein Wachstumsmotor. Die Kunden schätzen dabei das nicht-Alltägliche. Das gleiche gilt auch für unser Bio-Sortiment.

 

Auch Lebensmittel unterliegen Trends. Wie innovativ muss man als Lebensmittelhändler sein?

KAser Wir sind die wahrscheinlich innovativste Branche überhaupt. Denn wir haben uns vom Lebensmittelhändler und Versorger zur Lifestylebranche entwickelt. Wo man einkauft, was und mit wem man isst und trinkt, das ist heute ein Ausdruck seiner Lebensphilosophie. Heute gibt es den Veganer genauso wie den Fleisch-Freak. Würde man allerdings auf jeden Trend setzen, bestünde die Gefahr sich zu verzetteln. Daher braucht es ein Gespür dafür und zudem probieren wir auch vieles aus. So kann ein Geschäftsleiter in einem Markt ein Produkt erst einmal abtesten, bevor es national in die Regale kommt. Auch in der Gastronomie probieren wir vieles aus. Innovation ist unser einziges Überlebenskonzept. Daher muss man eine gute Balance zwischen Tradition und Innovation finden.

Wie geht Interspar mit der Plastikdiskussion um?

Kaser Wir waren die ersten, die wiederverwendbare Beutel sowie feuchtigkeitsresistente Papiersäcke für Obst und Gemüse in die Märkte gebracht haben. Zudem waren wir die ersten, die Milch in der Glasflasche hatten. Ab Herbst auch im Mehrwegsystem. Abfallvermeidung ist keine Eintagsfliege, sondern das Thema der Zukunft.

 

Sie beschäftigen 662 Mitarbeiter in Vorarlberg. Wie leicht finden Sie Fachkräfte?

Kaser Es ist nicht leicht, Mitarbeiter zu finden. Durch die gute konjunkturelle Lage und die Grenznähe zur Schweiz gibt es einen Kampf um die besten Köpfe. Wir haben aber viele langjährige Mitarbeiter und setzen stark auf eine entspreche Firmenkultur bzw. Betriebsklima. Denn letztlich ist ein Markt auch ein soziales Gefüge.

 

Sehen Sie eigentlich bei der Marktabdeckung noch weiße Flecken für Interspar in Vorarlberg?

Kaser Wir sind mit der derzeitigen Situation sehr zufrieden, denn wir sind an allen neuralgischen Punkten vertreten. Früher war Dornbirn Schwefel immer ein Thema, aber da sind wir mittlerweile mit dem neuen Eurospar gut vertreten.