Interspar Bregenz wird dank 19-Millionen-Euro-Investition zum Vorzeigeprojekt

Markt / 22.06.2019 • 07:00 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
So wird sich der neue Interspar nach der Bauphase präsentieren. INTERSPAR

Markt wird bis Juli 2020 bei laufendem Betrieb innen wie außen komplett erneuert.

Bregenz 43 Jahre hat der Interspar in Bregenz sprichwörtlich auf dem Buckel. Nun wird der in die Jahre gekommene Markt innen und außen komplett erneuert. Das war schon länger geplant, wie Interspar-Österreich-Geschäftsführer Markus Kaser erklärt. Nur habe man sich aufgrund der Lage in der Stadt bzw. an einer stark befahrenen Straße und einer Kreuzung sowie der besonderen Situation, dass sich oberhalb des Gebäudes Wohnungen befinden, lange nicht getraut. „Vor Baubeginn haben wir das Einverständnis aller Anrainer des Gebäudes eingeholt“, sagt Regionaldirektor Andreas Mark über das hergestellte Einvernehmen.

Im Mai ist der Baubeginn erfolgt. In drei Etappen wird alles komplett neu gemacht. Der Markt bleibt während des gesamten Umbaus, in den Interspar 19 Millionen Euro investiert, geöffnet, wenn auch mit verkleinertem Sortiment und Fläche. Nur das Restaurant wird von November bis zur Eröffnung im Juli 2020 geschlossen bleiben. Dafür, so Kaser, werde es nach dem Umbau nicht mehr wiederzuerkennen sein. „Es könnte auch in Mailand stehen“, so Kaser. Es bekommt eine Terrasse, eine Cafébar sowie eine Pastaküche, in der die Speisen „à la minute“ zubereitet werden. Im Zuge der Bauarbeiten wird auch die Tiefgarage neu gestaltet und in die Gebäudesubstanz, die durch Hochwasser gelitten habe, investiert. Die Verkaufsfläche bleibt mit 3250 Quadratmetern unverändert. Dafür wird sich dort nach der Bauphase reichlich Neues finden. „Erstmals gibt es im Markt eine Küche, in der frische Produkte wie Bowls oder Suppen gekocht werden, sowie einen Sushi-Meister.“

Nach der Fertigstellung im Juli 2020 werde Bregenz der modernste Markt Europas sein. „Ein Vorzeigeprojekt hinsichtlich innerstädtischer Nahversorgung auf Großfläche“, so Kaser. Es brauche in einer Stadt neben Lebensmitteln auch ein Angebot vom Kochlöffel bis zur Pfanne. Davon ist auch der Bregenzer Bürgermeister Markus Linhart überzeugt. „Das Vorkloster ist der am dichtesten besiedelte Raum in Vorarlberg. Nahversorgung bedeutet nicht nur den kleinen Laden an der Ecke. Der Interspar ist daher ein unverzichtbares Angebot in der Stadt.“ Von den 90 Mitarbeiter wird niemand seinen Job verlieren. Man reagiere mit verschiedenen Modellen wie Überstunden- und Urlaubsabbau sowie der Kooperation mit anderen Standorten.

Gespräch mit Interspar-Chef Markus Kaser. VN/Lerch
Gespräch mit Interspar-Chef Markus Kaser. VN/Lerch

Interspar-Österreich-Geschäftsführer Markus Kaser im VN-Interview

Markus Kaser weiß als Geschäftsführer von Interspar Österreich über die Herausforderungen eines Bauprojekts Bescheid.

Neben dem Verkehr und der Anrainersituation ist auch ein Umbau bei laufendem Betrieb keine leichte Aufgabe. Worin sehen Sie die größte Herausforderung?

Natürlich ist ein Umbau bei laufendem Betrieb eine Beanspruchung für die Kunden und für die Mitarbeiter. Das wird sicherlich die größte Herausforderung. Eigentlich müssten wir ja zusperren und in sieben Monaten neu eröffnen, aber die Gefahr ist dann, dass sich der Kunde neu orientiert und dann an den Mitbewerb gewohnt ist. Einkaufen hat viel mit Gewohnheit zu tun. Unser Kunde weiß, wo sein Joghurt und sein Mehl stehen.

Wie lange ist die Lebensdauer eines Interspar-Marktes?

Normalerweise sind 20 Jahre kein Problem. Das sieht man beispielsweise am Interspar im Dornbirner Messepark. Dennoch wird dieser eines unserer nächsten Projekte sein. Momentan warten wir ab, wie es mit den Erweiterungsplänen weitergeht, sind aber vorsichtig optimistisch.

Welche Rolle spielt das Restaurant im Konzept?

Je größer die Verkaufsfläche, desto wichtiger ist es. Viele Kunden verbinden ihren Einkauf mit einem Essen. Oder sie kommen zum Essen und gehen dann Einkaufen. Andere wiederum nehmen die Speisen für zuhause mit. Das Restaurant ist also ein Anziehungspunkt für sich.

Wie zufrieden sind Sie mit der wirtschaftlichen Entwicklung von Interspar in Vorarlberg?

Ich bin sehr zufrieden. Wir hatten eine super Entwicklung über die letzten Jahre. Dazu tragen sowohl die Einheimischen wie auch die Kunden aus dem Ausland bei. In Feldkirch-Altenstadt zum Beispiel kommen 20 Prozent der Kunden aus der Schweiz, am Standort Bürs sind es viele Touristen, die zu uns kommen. Auch heuer sind wir mit der Entwicklung sehr zufrieden. Der Umbau ist nun ein schönes Signal, denn viele Jahre haben wir in Vorarlberg weniger investiert, weil die Märkte hier neuer sind. Nach den Investitionen in die Gastronomie in Bürs, Feldkirch und Dornbirn beginnt mit Bregenz nun ein Reinvestitionszyklus.

Wie entwickeln sich die lokalen Produkte im Sortiment?

In Vorarlberg haben wir 520 regionale Artikel von 77 heimischen Produzenten im Sortiment. Innovative Unternehmer rennen hier offene Türen bei uns ein. Das ist für uns als Differenzierung sehr wichtig, denn ein Discounter kann das nicht. Die lokalen Sortimente entwickeln sich sehr gut. Was früher eine Nische war, ist heute ein Wachstumsmotor. Die Kunden schätzen dabei das nicht Alltägliche. Das gleiche gilt auch für unser Biosortiment.

Wie innovativ muss man als Lebensmittelhändler sein?

Wir sind die wahrscheinlich innovativste Branche überhaupt, denn wir haben uns vom Lebensmittelhändler zur Lifestylebranche entwickelt. Wo man einkauft, was und mit wem man isst und trinkt, das ist heute ein Ausdruck seiner Lebensphilosophie. Heute gibt es den Veganer genauso wie den Fleischfreak. Würde man allerdings auf jeden Trend setzen, bestünde die Gefahr, sich zu verzetteln. Daher braucht es ein Gespür dafür und zudem probieren wir auch vieles aus. So kann ein Geschäftsleiter in einem Markt ein Produkt zuerst testen, bevor es national in die Regale kommt. Auch in der Gastronomie probieren wir vieles aus. Innovation ist unser einziges Überlebenskonzept. Daher muss man eine gute Balance zwischen Tradition und Innovation finden.

Wie geht Interspar mit der Plastikdiskussion um?

Wir waren die ersten, die wiederverwendbare Beutel sowie feuchtigkeitsresistente Papiersäcke für Obst und Gemüse in die Märkte gebracht haben. Zudem waren wir die ersten, die Milch in der Glasflasche hatten, ab Herbst auch im Mehrwegsystem. Abfallvermeidung ist keine Eintagsfliege, sondern das Thema der Zukunft.

Sie beschäftigen in Vorarlberg 662 Mitarbeiter. Wie leicht finden Sie Fachkräfte?

Es ist nicht leicht, Mitarbeiter zu finden. Durch die gute konjunkturelle Lage und die Grenznähe zur Schweiz gibt es einen Kampf um die besten Mitarbeiter. Wir haben aber viele langjährige Mitarbeiter und setzen stark auf eine entsprechende Firmenkultur bzw. Betriebsklima, denn letztlich ist ein Markt auch ein soziales Gefüge.

Sehen Sie eigentlich noch weiße Flecken für Interspar in Vorarlberg?

Wir sind mit der derzeitigen Situation sehr zufrieden, denn wir sind an allen neuralgischen Punkten vertreten. Früher war Dornbirn-Schwefel immer ein Thema, aber da sind wir mit dem neuen Eurospar gut vertreten.