Auf der Schokoladenseite

Markt / 23.06.2019 • 19:24 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Martina Homann-Dellantonio gibt ihre Begeisterung für Schokolade weiter. VN/Paulitisch

Martina Homann-Dellantonio gibt ihre Begeisterung für Schokolade weiter. VN/Paulitisch

Gründerin Martina Homann-Dellantonio ist mit ihrem Handwerksbetrieb erfolgreich.

Bregenz Den offiziellen Eröffnungstermin für ihr Unternehmen in der Bregenzer Kirchstraße hat die Lochauerin Martina Homann-Dellantonio mit Bedacht gewählt: Es war der 1. Oktober 2016, der Tag, an dem Jahr für Jahr der Welttag des Kakaos gefeiert wird. Ihr Geschäft heißt Xocolat, und das beschreibt auf den Punkt, was man in dem Laden mit angeschlossener und für die Kunden einsehbarer Produktion bekommt: Die besten Schokoladen der Welt und selbst ent­wickelte und hergestellte Pralinen.

Lehre nach Studium

Doch ihr Bildungsweg führte Homann-Dellantonio zuerst in eine ganz andere Richtung. Nach der Matura an der HLW Rankweil studierte sie in Wien Politikwissenschaften mit Schwerpunkt auf Umwelt und Internationalität. Dass sie damit Geld verdienen könnte oder gar ihr ganzes Berufsleben zubringt, konnte sie sich allerdings nicht vorstellen, erzählt sie über ihren weiteren Berufsweg. Und schon eine Woche nach Abschluss entschied sie sich anders. Sie packte ihre Sachen, zog nach Südtirol und begann eine Lehre als Konditorin in einer angesehenen, auf französische Patisserie spezialisierten Konditorei, lernte fortan Osterhasen zu machen, Pralinen zu produzieren und machte damit ihre Kunden glücklich. Nachhaltig und auch nach der Rückkehr in ihre Wahlheimat Wien, wo sie bald den Weg zur Firma Xocolat fand. Dort hat sie die Produktion geleitet, hat an der Produktentwicklung mitgearbeitet und irgendwann von der Rückkehr in die Heimat geträumt. Als sie ihr Ansinnen in der Firma mitteilte, erhielt sie das Angebot, unter dem Namen Xocolat und in enger Zusammenarbeit mit ihrem bisherigen Arbeitgeber in Bregenz aktiv zu werden. Im Jahr 2016 war es dann so weit. Auch ihr Ehemann, Akademiker wie seine Frau, war bereit für das Abenteuer Selbstständigkeit. „Er stellte seine Karriere hintan“, erzählt Ho­mann-Dellantonio im Gespräch mit den VN. Und es scheint, er hat sich von der Liebe seiner Frau zur Schokolade anstecken lassen. Er steht heute am Tresen und berät die Kunden, die hauptsächlich aus der Region kommen. Während der Festspielzeit finden aber auch viele ausländischen Gäste in das Geschäft. Besonders gerne griffen sie zu den extra zur Seeoper „Carmen“ entwickelten Pralinen. „Auch heuer werden wir wieder eine Sonderedition zu Rigoletto auflegen“, verrät Homann-Dellantonio. Gerne greifen sie aber auch zu den Bregenz-Sortimenten, welche die Jungunternehmerin zusammen mit ihrem Team kreiert hat.

Workshops für Schokoholics

Ihren Schritt in die Selbstständigkeit hat sie noch keinen Tag betreut, wie sie erzählt. Denn schon der Start glückte gut, das Interesse – auch der Medien – war groß. Hochwertige Schokolade liegt im Trend. Ergänzt wird das Angebot des kleinen Unternehmens, das inzwischen auch zwei Lehrlinge ausbildet, durch ein breites Event- bzw. Workshopangebot für Schokoholics, „das sehr gut angenommen wird“. Gebucht werden die Kurse auch von Firmen für das Teambuilding oder einfach als Feier. Firmen nutzen auch die individuellen Möglichkeiten und bestellen gebrandete Pralinen und Verpackungen.

Die Geschäfte gehen gut, Homann-Dellantonio und ihre vier Mitarbeiter haben quasi die Schokoladeseite des Berufslebens gefunden. Doch zu einer übertriebenen Expansion stachelt das die Firmengründerin nicht an. Sie schätzt, was die Kunden schätzen: persönliche Beratung, Handwerk und „gelegentlich einen Schwatz“. Das bedeutet für sie Lebens- und Arbeitsqualität. Dazu kommt, dass die Produkte hochwertig sind, dass der Kakao, den sie verwenden, bis zum Baum zurückverfolgbar ist. „Die Menschen achten immer mehr auf Qualität, und die können wir bieten.“

Gute Unterstützung bei Gründung

Der Standort Bregenz für ihr Geschäft habe sich von Anfang an als richtig herausgestellt, berichtet sie über die Anfänge. Nicht nur dass die Kundschaft auf Xocolat gewartet hat, auch den zuständigen Stellen und Behörden singt sie ein Loblied. „Wir hatten eine Superunterstützung durch Christoph Mathis vom Gründerservice der Wirtschaftskammer“, berichtet die Unternehmerin. Er habe ihr bei allen möglichen und unmöglichen Anfragen Antwort gegeben. „Aber auch die Mitarbeiter der Bezirkshauptmannschaft waren supernett.“ Und sie ergänzt: „Sie waren streng, das ist notwendig bei der Betriebsanlagengenehmigung für einen lebensmittelerzeugenden Betrieb. Aber auf die Auskünfte und Bescheide konnte man sich verlassen.“ Das sei ihr wichtig, denn „ich bin ein Mensch, der auf Sicherheit setzt, und mache nichts ohne Genehmigung“. Und dass sich die Kirchstraße zu einer Einkaufsstraße für die kleinen, feinen Dinge entwickelt hat, sei auch auf das Engagement von Stadtmarketing und Stadt zurückzuführen, merkt sie an.

Zur Person

Alter 36

Ausbildung HLW Rankweil, Studium Politikwissenschaften an der Universität Wien, Lehre zur Konditorin bei der Fa. Acherer in Bruneck, Fa. Xocolat, Wien

Privat verheiratet, zwei Kinder

 

Firma

Gegründet 2016

Produkte über 40 Sorten selbstgemachte Pralinen, breites Angebot an Qualitätsschokoladen