Bauen an der Zukunft

Markt / 26.06.2019 • 22:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Johannes Wilhelm, Stephanie Hollenstein, Peter Keckeis und Alexander Stroppa. wkv
Johannes Wilhelm, Stephanie Hollenstein, Peter Keckeis und Alexander Stroppa. wkv

Die Baubranche wird immer digitaler und auch die Lehrlingszahlen steigen.

Hohenems Betriebe und Branchen kämpfen um die besten jungen Köpfe. Gute Lehrlinge sind immer schwerer zu finden. Doch die Vorarlberger Baubranche verzeichnet einen erfreulichen Trend. Denn die Lehrlingszahlen legen von Jahr zu Jahr zu. Die drei Maurerklassen in der Berufsschule sind gut gefüllt und in der Bauakademie in Hohenems herrscht Hochbetrieb. Waren es vor drei Jahren noch 165 Lehrlinge, sind es aktuell 200 Lehrlinge in Bauberufen. Gleichzeitig ist auch die Ausfallsquote auf beinahe null gesunken.

Das soll zwar nicht über den dennoch vorhandenen Fachkräftemangel hinwegtäuschen, es sind aber in der heutigen Zeit sehr gute Nachrichten. Wieso das so ist? Die Verantwortlichen führen das vor allem auf die intensiven Bemühungen der vergangenen zehn Jahre und dabei vor allem auf die triale Ausbildung zurück. Denn als Lehrling ist man nicht nur im Betrieb und in der Berufschule, sondern auch im Maurer Ausbildungszentrum (MAZ) in Hohenems, wo an den praktischen Kenntnissen gefeilt wird. Fordern und fördern sei das Motto, dem sich die Ausbildungsbetriebe verschrieben haben, sagt Johannes Wilhelm (Wilhelm+Mayer). Im MAZ gehe es vor allem auch darum, dass jeder seine Stärken finde. „Das Feedback der Lehrlinge ist sehr gut. Der Großteil fühlt sich sehr wohl. Sie schätzen die Abwechslung und die Aufmerksamkeit“, berichtet Wilhelm. Auch sieht er ein besseres Image der Baulehre in der Öffentlichkeit: „Es wird immer mehr erkannt, dass die Bauwirtschaft sichere Arbeitsplätze mit guten Verdienstmöglichkeiten und vor allem mit vielfältigen Karrierechancen bietet.“

Gratistablets

Nun soll die Lehre digitaler werden. Ab Herbst bekommen alle Lehrlinge ab dem zweiten Lehrjahr ein Gratistablet zur Verfügung gestellt. Die Begeisterung bei den Jugendlichen darüber ist beim Besuch im MAZ spürbar. „Auf den Tablets sind E-Learning-Programme und Apps für die Schule und die praktische Arbeit auf der Baustelle installiert“, erklärt Innungsmeister Peter Keckeis (Keckeis Bau und Steinbruch).

Zudem entstehen neue Berufsbilder. Der Maurer wird zum Hochbauer, der Schalungstechniker zum Betonbauer. Einziehen werden auch fachliche Neuerungen wie neue Arbeitstechniken, digitale Vermessung oder elektronisches Datenmanagement. Genauso wird es eine vierjährige Kaderlehre geben, in der es zusätzlich eine vertiefte betriebswirtschaftliche Ausbildung sowie einen zusätzlich wählbaren technischen Schwerpunkt geben, wie Keckeis weiter erklärt.

Effizienzsteigerung

Auch in der Branche selbst tut sich vieles in Sachen Digitalisierung. „Es nimmt langsam Fahrt auf“, erklärt Alexander Stroppa (Hilti&Jehle). Die Betriebe seien gut beraten, sich mit dem Thema verstärkt auseinanderzusetzen. Ein großes Thema sei beispielsweise BIM (Building Information Modeling), das mithilfe einer Software alle Daten eines Bauprojekts erfasst und das Bauwerk in 3D visualisiert. Dazu gebe es einige Pilotprojekte im Land, sagt Stroppa. Wobei das Bewusstsein dafür insgesamt noch nicht stark ausgeprägt sei. „Digitalisierung bedeutet letztlich Effizienzsteigerung. Das geht von der elektronischen Rechnungslegung, über ERP-Software bis hin zu intelligenter Baulogistik oder Online-Ausschreibungen.“ Zudem sei es wichtig, Daten zeit- und ortsunabhängig zur Verfügung zu haben. Mithilfe von Tablets können Bereiche wie Disposition oder Zeiterfassung digital abgewickelt werden. VN-reh

Alle Baulehrlinge ab dem zweiten Lehrjahr bekommen ein Tablet zur Verfügung gestellt, das sie auch nach der Lehrzeit behalten dürfen. wkv
Alle Baulehrlinge ab dem zweiten Lehrjahr bekommen ein Tablet zur Verfügung gestellt, das sie auch nach der Lehrzeit behalten dürfen. wkv
Johannes Wilhelm, Stephanie Hollenstein, Peter Keckeis und Alexander Stroppa. wkv
Johannes Wilhelm, Stephanie Hollenstein, Peter Keckeis und Alexander Stroppa. wkv