„Die Möglichkeiten der Energiewende“

Markt / 26.06.2019 • 18:31 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Für Energielandwirt Tobias Ilg zählen im Leben „die Dinge, die Sinn machen“.
Für Energielandwirt Tobias Ilg zählen im Leben „die Dinge, die Sinn machen“.

Tobias Ilg will besonders die jungen Generationen sensibilisieren.

dornbirn „Im Jahr 2000 gab es bei uns im Holzschlägerungsbetrieb immer mehr Biomasse, für die wir keinen Absatz hatten. Wir mussten dazumal Energieholz, also Astmaterial von Bäumen und Sträuchern, auf der Grünmülldeponie entsorgen. Die Tatsache, dass wir energetische Wertstoffe energetisch ungenutzt entsorgen, ging uns gegen die Natur“, erinnert sich Tobias Ilg an die Anfänge auf dem Weg zum landwirtschaftlichen Energiedienstleister.

„Es war aufgrund von billiger fossilen Energie extrem schwierig, das Holz an den Mann zu bringen. Deshalb setzten wir 2003 das erste Energy-Contracting-Model gemeinsam mit der Firma Klimmer Wohnbau in Dornbirn Neugasse für 32 Wohneinheiten um. Ein wichtiger Schritt in Richtung Energiedienstleister. Von Kind an hatte ich das Glück, gemeinsam mit meinem Vater Anton in der Natur bzw. in eigenen Wäldern zu arbeiten. Mein Vater lehrte uns den Grundsatz der Nachhaltigkeit, der bis heute die Grundlage unserer Projekte darstellt. Die Initialzündung für den gesamtbetrieblichen Zielpfand war sicherlich der zunehmende Klimawandel, den wir ganz stark in unserem land- und forstwirtschaftlichen Betrieb bemerkten. Wir waren uns einig, dass sich unsere zukünftigen Projekte aktiv am Klimaschutz beteiligen müssen. Der richtige Meilenstein war die Umsetzung des Holzkraftwerks beim Biomasseheizwerk Hatlerdorf mit der Pflanzenkohleerzeugung, die im Jahr rund eine Million Kilogramm CO2 langfristig speichert.“

Prozesskreislauf schließen

Mit Hilfe von regionaler Biomasse erzeugt das EnergieWerk Ilg CO2-neutral Ökostrom und Fernwärme. „Unsere sechs Biomasseheizanlagen versorgen mittels 20 Kilometer langer Fernwärmeleitungen rund 350 Objekte ganzjährig mit Wärme. Unsere PV-Anlagen produzieren für denn Eigenbedarf nachhaltig Strom und speisen den Überschuss ins VKW-Netz ein. Die Biogasanlage erzeugt aus Energiepflanzen, Gülle und Mist von den umliegenden landwirtschaftlichen Betrieben für rund 400 Haushalte Ökostrom. Die Abwärme wird zu 100 Prozent für die Biomasseproduktion/Trocknung verwendet. Das Holzkraftwerk erzeugt neben Ökostrom und Wärme wertvolle Pflanzenkohle. Die erzeugte Pflanzenkohle ermöglicht jährlich eine Million Kilogramm CO2 in Form von Kohlenstoffrückführung im Hummusaufbau auf den landwirtschaftlichen Flächen. Durch die Mitgliedschaft beim Klimaneutralitätsbündnis werden CO2-Bilanzen unseres Betriebs erstellt und ausgeglichen. Unsere Fernwärme ist daher nachweislich zu 100 Prozent CO2-neutral“, führt Tobias Ilg aus. „Im Bereich der Mobilität sind wir seit letztem Jahr fossilfrei. Unsere Pkw fahren mit Ökostrom und Biogas. Bei den Traktoren kommt nur noch HVO-Biodiesel – ausschließlich aus Altspeisefetten – zum Einsatz. Besonderheit war die Anschaffung eines Bio-Methan-Lkw, der seit heuer unser Hackgut mit Biogas transportiert. Unser Betrieb zeigt die Möglichkeiten der Energie-Zukunft auf. Im Vordergrund stehen immer die Regionalität und die Nachhaltigkeit. Mit diesem Grundsatz werden wir die Energie-Zukunft gemeinsam meistern.“

Die Jugend ist die Zukunft

„Mir persönlich ist es ein Anliegen, der jungen Generation die Möglichkeiten der Energiewende aufzuzeigen. Unser Betrieb öffnet gerne die Türen für Exkursionen, Schulen und für alle Interessierten. Die ,Raiffeisen Jugend Akademie‘ ist in Zusammenarbeit mit dem Energieinstitut jährlich zum Thema ,Erneuerbare Energie‘ hier. Das Energiethema ist für die junge Generation Zukunftsthema“, betont der „Europäische Energie-Manager“ (EUREM). „Stolz sind wir, Jugendlichen als erster und einziger Vorarlberger Lehrbetrieb die Ausbildung zum Biomassefacharbeiter zu ermöglichen. Unser letzter Lehrling, Marc Schapper, konnte letztes Jahr mit ausgezeichnetem Erfolg die Prüfung ablegen. Mit Überzeugung arbeiten unsere Lehrlinge und Mitarbeiter an praxistauglichen Systemen, die regionale Kreisläufe schließen. Ein Beruf der Zukunft!“ Die Familie Ilg mit Papa Tobias, Mama Margit und den Töchtern Julia (18) und Lena (16) konnte sich bereits über zahlreiche Auszeichnungen wie den Energy Globe, den VN-Klimaschutzpreis und den „Landwirt des Jahres 2018“ freuen. „Auszeichnungen haben eine gewisse Vorbildwirkung und schaffen einen Anreiz für Nachahmer. Uns selbst gibt es eine Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg sind, den wir allerdings noch viel schneller gehen müssen! Die Zeit rennt uns davon! Durch die Auszeichnungen können wir international Interesse wecken und schaffen es somit, das Thema ,Erneuerbare Energie‘ in die Öffentlichkeit zu bringen“, erläutert Tobias Ilg.

„Wichtig ist es, das Wissen an andere weiterzugeben. Die Leute müssen die Zusammenhänge begreifen und die Chancen erkennen. Verwunderlich ist es aber doch, wie groß das Unwissen in der Bevölkerung immer noch ist. Es benötigt ein Netzwerk von Betrieben, engagierten Personen und besonders auch der Politik, um rechtzeitig zu handeln. Eine besondere Herausforderung ist die Lobby der fossilen Energieträger, die den CO2-Ausstoß nicht als klimaschädlich ansieht. Der Bevölkerung sind die Auswirkungen des Klimawandels nicht bewusst, die Medien haben hier einen großen Hebel und die Pflicht, die wahre Zukunft darzustellen.“ So lautet das Lebensmotto von Tobias Ilg: „Nicht alles, was wirtschaftlich ist, macht Sinn, aber alles, was Sinn macht, wird eines Tages wirtschaftlich. Es zählen die Dinge im Leben, die Sinn machen!“ VD

Mehr Infos zum Thema unter: www.meinhof-meinweg.at

www.biomassehof.at