Zirbenbettspezialist Christian Leidinger und seine Vision des Größerwerdens

29.06.2019 • 09:30 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Christian Leidinger setzt auf Zirbenmöbel. VN/PAULITSCH

Der Geschäftsführer von Die Koje im VN-Interview.

Bludenz Christian Leidinger hat sich mit der Koje astfreien Zirbenbetten verschrieben. Im Interview spricht er über neue Wege, Mitbewerber und seine Vision mit der Fabrik Klarenbrunn.

Sie haben mit 25 Jahren den Familienbetrieb, eine klassische Tischlerei, übernommen, und waren wie die meisten Mitbewerber im Objektbau tätig. Was gab den Ausschlag, neue Wege zu suchen?

Neue Wege geht man nicht aus einer Laune heraus, sondern aufgrund von Leidensdruck. Wir waren im Objektbau, haben viel Türen für große Wohnbauträger gemacht. 2009 sind mit der Wirtschaftskrise Aufträge zurückgestellt worden. Dieser Druck hat mir auf die Gesundheit geschlagen. Aufgrund eines Bandscheibenvorfalls habe ich ein Schlafsystem entdeckt, das mir guttat. Dazu wollten wir ein gesundes Bett entwickeln. So ist das mit den astfreien Zirbenbetten entstanden.

Ist es nicht ein hohes Risiko, in einen völlig neuen Bereich zu wechseln?

Wir haben die Tischlerei eine Zeitlang neben den Betten weitergeführt. Als wir dann den ersten Laden in Dornbirn eröffnet haben, kam die Idee mit dem neuen Firmennamen. So entstand Die Koje. Später haben wir in Wien eröffnet und gesehen, dass das Produkt zieht. Somit war die Tischlerei Leidinger Geschichte. Von dem Tag an haben wir an keinen Bau-Ausschreibungen mehr teilgenommen. Dass dort oft der Billigste zum Zug kommt, ist keine gute Entwicklung. Zum Vergleich: Eine Tür in einer Wohnanlage mit Türschnalle, Zarge und Einbau kostet 150 Euro. Da muss man Tausende Türen im Jahr einhängen. Das hat mit einer Tischlerei nicht mehr viel zu tun. Die Angst wäre also größer, wenn wir so weitergemacht hätten. Da wäre der Druck zu groß geworden.

Wie ist die Marktsituation bei Zirbenbetten? Von außen betrachtet gibt es ja unzählige Hersteller.

Heute kann man Zirbenbetten auch online um ein paar Euro kaufen. Die Mitbewerber in unserem Preissegment sind noch relativ klein oder unterscheiden sich vom Design oder in der Herstellung. Es gibt Produzenten, die mit Zirbenholz aus Österreich werben und dem Kunden ein rein österreichisches Produkt suggerieren. Dabei produzieren sie in Billiglohnländern. Unsere Kunden honorieren auch die Nachhaltigkeit. Wir bekommen nur einen Lkw pro Monat mit Holz und sind verpackungsfrei unterwegs. Umsatz und Gewinn stehen bei uns nicht an oberster Stelle.

Die Koje ist im Internet und in sozialen Netzwerken stark präsent, dennoch gibt es vier Shops. Wie analog ist Ihr Unternehmen?

Der Erstkontakt findet oft übers Internet statt. Dort kann man sich sein Bett auch konfigurieren. Aber es gibt auch einen Rabatt, wenn der Kunde bei uns mitarbeitet. Da kommen Menschen aus Hamburg zu uns und bauen an ihrem eigenen Bett mit.

Aufsehen und nationale Bekanntheit bekam Ihr Unternehmen durch die Teilnahme an der Start-up-Show „2 Minuten 2 Millionen“. Was war der Antrieb?

Es war eigentlich als Marketingplattform gedacht. Wir haben nicht gedacht, dass wir als Tischlerei ein Investment bekommen. Zu dem Zeitpunkt hätten wir es auch nicht mehr gebraucht. Im Gegensatz zum Anfang, als wir Geld brauchten, um den Shop in Dornbirn zu eröffnen. Da hat uns die Bank keinen Kredit gegeben. Somit musste mein schöner Oldtimer dran glauben, der dann am nächsten Tag auf Ebay stand. Bei „2 Minuten 2 Millionen“ war unsere größte Sorge, dass die Investoren unsere Idee zerreißen. Aber es kam alles anders.

Seither haben Sie zwei prominente Gesellschafter. Wie bringen sich diese ein, was hat sich für Sie dadurch geändert?

Hans Peter Haselsteiner und Leo Hillinger sind super Partner. Es wird kein Euro herausgenommen, sondern alles wieder investiert. Haselsteiner hat damals ein Hotel in Tirol gebaut und wir sollten ein Hotelzimmer gestalten. Das hat ihm so gut gefallen, dass wir den Auftrag in Höhe von 1,1 Millionen Euro bekamen. Damals haben wir noch in der alten Firma produziert und hatten aufgrund der Show ohnehin viel zu tun. Innerhalb von drei Monaten haben wir die Produktion in der Fabrik Klarenbrunn auf die Beine gestellt und den Auftrag abgewickelt. Aber das hatte auch Schattenseiten. Nicht alle im Team kamen damit klar.

Wie sehen Ihre Wachstumspläne aus?

Die Shops in Hamburg und in der Eifel sind Franchisebetriebe. Geführt werden beide von Tischlern. Meine Vision des Größerwerdens ist es, diese kleinen Tischlereien auch als Produktionsstätten zu nutzen, denn bei der Auslieferung fahren wir mit zehn Betten durch Deutschland und leer wieder zurück. Wenn dort Teile produziert würden, wäre es deutlich nachhaltiger.

Mit dem Kauf und der Revitalisierung der Spinnerei Kaltenbrunn haben Sie ein weiteres Projekt gestartet. So mancher hat Ihnen Größenwahn attestiert.

Das kann ich verstehen, wenn man nicht mit mir gesprochen hat. Wir haben eine vergrößerte Produktion gebraucht, aber natürlich nicht in der Größenordnung einer ganzen Fabrik. Um das Ganze zu stemmen, habe ich Mieter für die restlichen Flächen gesucht. Mit diesem Konzept bin ich zur Bank. In der Zwischenzeit kam die Million Euro unserer Investoren und dadurch, dass wir vieles selber gemacht haben, ist die Rechnung letztlich aufgegangen. Aber die Fabrik gehört mir ja nicht. Wenn wir brav abzahlen, vielleicht in 20 Jahren. Größenwahnsinnig oder mutig? Jeder kann es sich aussuchen.