Europa lobt und kritisiert Mercosur-Abkommen

30.06.2019 • 19:40 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Europäische Union hat auch mit Vietnam ein Handelsabkommen erzielt. reuters
Die Europäische Union hat auch mit Vietnam ein Handelsabkommen erzielt. reuters

EU schließt Handelsabkommen mit südamerikanischem Staatenbund sowie Vietnam.

Brüssel Die Einigung auf ein Freihandelsabkommen der EU mit dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur hat Lob wie scharfe Kritik ausgelöst. Deutsche und französische Bauernverbände bezeichneten das Abkommen als „inakzeptabel“. Die deutsche Autobranche sieht hingegen „erhebliches Potenzial“ in dem Abkommen. Europäische Landwirte sorgen sich wegen unfairem Wettbewerb mit Südamerika, die Grünen sehen den Klimaschutz und die Menschenrechte gefährdet.

EU-Landwirtschaftskommissar Phil Hogan stellte zum Ausgleich finanzielle Hilfen für Landwirte in Aussicht. Sollte es zu Wettbewerbsverzerrungen kommen, könnten bis zu einer Milliarde Euro zur Verfügung gestellt werden.

Die deutsche Autobranche wittert unterdessen große Chancen für den Absatz von Autos und Kleintransportern. Dafür müssten aber Zölle und andere Handelshemmnisse nachhaltig abgebaut werden, erklärte der Verband der Automobilindustrie (VDA). Derzeit fallen auf Autoimporte laut VDA in Brasilien und Argentinien Außenzölle von 35 Prozent an. Das Abkommen mit Mercosur werde für beide Seiten Exportchancen eröffnen.

Die Europäische Union und der südamerikanische Wirtschaftsblock Mercosur hatten sich am Freitagabend auf ein umfassendes Abkommen zur Bildung der größten Freihandelszone der Welt verständigt. Die Verhandlungen über das Abkommen für insgesamt mehr als 770 Millionen Menschen hatten bereits 1999 begonnen. Die nun von der EU-Kommission ausgehandelte Einigung muss noch von den 28 Mitgliedstaaten und danach vom Europaparlament gebilligt werden.

Abkommen mit Vietnam

Zudem hat die EU auch einen Freihandelsvertrag mit Vietnam geschlossen. Die EU und das südostasiatische Land einigten sich am Sonntag nach über dreijährigen Verhandlungen auf die Abschaffung nahezu aller Zölle. Allerdings werden einige erst über einen zehnjährigen Zeitraum fallen. Zudem wird es Quoten für die Einfuhr eine Reihe landwirtschaftlicher Produkte geben. Die EU bezeichnet das Abkommen als das weitgehendste Freihandelsabkommen, das je mit einem Entwicklungsland geschlossen wurde. Es muss jedoch noch vom europäischen Parlament gebilligt werden, was angesichts der Menschenrechtslage in dem Land nicht als sicher gilt.

Die Wirtschaft Vietnams ist eine der am schnellsten wachsenden in der Region. Im vergangenen Jahr exportierte Vietnam Waren und Dienstleistungen im Wert von über 35 Milliarden Euro in die EU, während umkehrt die Importe über zehn Milliarden Euro betrugen.