Agenturchef Charles Bahr (17) weiß, wie man die Generation Z anspricht

01.07.2019 • 04:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Charles Bahr (17) gründete bereits mit 14 Jahren seine erste Agentur für Social Media-Marketing. VN/STEURER

Er berät bekannte Marken wie Fanta oder Levi’s dabei, wie sie mit ihren Botschaften die junge Generation erreichen können.

Dornbirn Kennen Sie TikTok? Die Playback-Video-Plattform gehört derzeit zu den sich am schnellsten verbreitenden mobilen Apps der Welt. Im vergangenen Jahr erreichte sie laut eigenen Angaben 500 Millionen aktive Nutzer im Monat, Tendenz steigend. Beliebt ist TikTok dabei vor allem bei Jugendlichen der Generation Z, also jenen, die zwischen 1995 und 2012 zur Welt gekommen sind.

Dazu gehört auch Charles Bahr (17). Der Schüler und Unternehmer gründete bereits mit 14 Jahren seine erste Agentur für Social-Media-Marketing und berät bekannte Marken wie Fanta oder Levi’s dabei, wie sie mit ihren Botschaften diese Generation erreichen können. „Unser Alleinstellungsmerkmal ist, dass wir die Themen der Generation Z übersetzen können, denn die Anforderungen der Jugendlichen sind heute ganz andere als früher“, sagt er im VN-Gespräch anlässlich eines Vortrags auf Einladung der Kommunikationsagentur zurgams in Dornbirn.

Klassische Werbung spreche diese Zielgruppe nur selten an und das, was sich Menschen außerhalb dieser Altersgruppe ausdenken, entspreche oft nicht der Lebenswelt der jungen Menschen. „Wenn alte Menschen Werbung für junge Menschen machen, funktioniert es nicht“, findet Bahr klare Worte.

Facebook für Ältere

Marketing für Jugendliche gehe deshalb weg von klassischen Leitsprüchen auf Plakaten und hin zu Social-Media-Plattformen wie Instagram, Snapchat oder eben auch TikTok. Der Vorteil dabei sei auch, dass man dort viel herumexperimentieren und schauen könne, was für das jeweilige Unternehmen funktioniert. Und Facebook? Dort seien eher Ältere zu finden. „Für die Jungen ist es das Medium, das sie nutzen, um zu schauen, wann ihre Eltern oder Großeltern Geburtstag haben“, sagt Charles Bahr.

Fest steht, die Generation Z ist aus Marketingsicht überaus relevant. Sie tritt langsam ins Berufsleben ein und wird somit für die Unternehmen nicht nur als Fachkräfte, sondern auch als Konsumenten wichtig.

Charles Bahr im Gespräch mit Thomas Gschossmann und Jörg Ströhle (r.) von zurgams in der Volksbank am Marktplatz. VN/Steurer
Charles Bahr im Gespräch mit Thomas Gschossmann und Jörg Ströhle (r.) von zurgams in der Volksbank am Marktplatz. VN/Steurer

Apropos Job: Das klassische „Nine to Five“-Modell, also eine Regelarbeitszeit zwischen 9 und 17 Uhr, sei überholt, sagt Bahr. Vielen jungen Menschen ist es egal, ob sie zwei oder 18 Stunden arbeiten. Sie müssen Lust auf ein Thema haben und darin Sinn und Erfüllung sehen, ist der 17-Jährige überzeugt. Auch im Recruiting von Jugendlichen müsse man neue Wege gehen. „Erstens geht es darum, eine Plattform zu finden, auf der sie das auch sehen. Zweitens geht es um den Inhalt, der transportiert wird und drittens um die Emotionalität“, betont Bahr. Entscheidend seien die Geschichte dahinter, Ehrlichkeit und der richtige Ton.

Unternehmen beraten

In der Beratung von Unternehmen fallen ihm oft dieselben Dinge auf. Zwei Beispiele: Eine Automarke will junge Menschen ansprechen. Aber eigentlich gibt es immer weniger Jugendliche, die überhaupt den Führerschein machen. Da müsse man zunächst hier ansetzen. Oder ein Handelskonzern, der Lehrlinge sucht, aber noch nie daran gedacht hat, seine bestehenden Auszubildenden über ihre Interessen und Anliegen zu befragen.  

Dinge besser machen

„Dinge besser machen“, so heißt übrigens die Vortragsreihe von zurgams. „Das verfolgt uns seit 15 Jahren, für unsere Kunden und auch intern“, sagt Jörg Ströhle. Die Generation Z sei schwieriger zu fassen. „Auch wir kennen nicht alles. Darum bilden wir uns permanent weiter und laden auch gerne unsere Kunden dazu ein.“