Tim Mittelberger: „Mir taugt der Beruf“

Markt / 08.07.2019 • 09:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Tim Mittelberger plant heute, in wirtschaftlich guten Zeiten, mit den Mitarbeitern die Zukunft. SAMS

Tim Mittelberger (28) setzt beim Dorfelektriker auf motivierte Mitarbeiter.

Götzis Tim kennt die Firma von klein auf. Schon als Bub war er gerne im Unternehmen, das sein Vater Herbert 1982 gegründet hat, kannte die Mitarbeiter, das Lager, die Werkstätten. Doch dass er einmal in den Familienbetrieb einsteigen würde, glaubte er damals nicht. Auch bis zur Matura dachte er eher an eine akademische Karriere. Seine Eltern ließen ihn machen. „Die Nachfolge war kein Thema.“ Dennoch entschloss er sich nach der Reifeprüfung dazu, eine Elektrikerlehre zu absolvieren und wusste schnell, dass das seines ist. „Mir taugt der Beruf“, sagt Mittelberger im Gespräch mit den VN. Er rundete sein handwerkliches Wissen nach der Lehre mit Studien ab. Er machte den Bachelor of Science Mechatronik mit Schwerpunkt Elektrotechnik an der FH Vorarlberg, und den Bachelor of Arts Wirtschaft und Management am MCI Innsbruck. „Ich habe damals realisiert, welche Chancen ich mit der Lehre und dem Studium habe.“ Seine Diplomarbeit am MCI war dem Thema „Nachfolge“ gewidmet.

Fokus auf den Mitarbeitern

Perfekte Voraussetzungen also, um im väterlichen Betrieb zu reüssieren. Doch noch ist Tim Mittelberger weit davon entfernt, eine Bilanz zu ziehen. Der 28-Jährige ist derzeit Prokurist und vertritt das Unternehmen selbstständig. Geschäftsführer ist Vater Herbert, der im nächsten Jahr auch diese Funktion an seinen Sohn übergibt. Bis dahin wird intensiv kommuniuziert, Wissen weitergegeben und Wissen geteilt. Das funktioniert sehr gut, so Tim Mittelberger.

Seinen Fokus legt er darauf, den Dorfelektriker, wie die Firma Mittelberger seit 1994 heißt, auf die Zukunft einzustimmen, „am System zu arbeiten und daran, den Mitarbeitern optimale Arbeitsverhältnisse zu bieten. Die sind für ihn das Herz des Unternehmens, die Triebfeder für den Erfolg. Der Dorfelektriker ist eines der größten Unternehmen der Branche in Vorarlberg. Rund 70 Mitarbeiter sind beschäftigt, viele seit langer Zeit. Dazu kommt eine intensive Lehrlingsarbeit. 15 junge Menschen werden ausgebildet, ab Herbst sind es 20, die alle Bereiche der Branche kennenlernen, denn die Firma ist breit aufgestellt: im Wohnbau, im Gewerbe, als Sanierungsfachbetrieb, in der Automation und im Bereich Smart Home, in dem Mittelberger selbst zusammen mit Pascal Madlener bis vor kurzem verantwortlich zeichnete.

Netzwerke bauen und pflegen

Die Zeit sei gut, sich für die Zukunft zu rüsten, denn das Unternehmen hat durch den aktuellen Bauboom volle Auftragsbücher. Das macht auch den Umgang mit dem Mitbewerb entspannter, eher, so Mittelberger, suche man Kooperationen in der Branche und mit anderen Gewerken. Dass man zusammen stark ist, ja stärker, als wenn man sich allein durchzuschlagen versucht, zeigte sich bereits früh. Mit dem Dorfinstallateur, mit dem man seit Anfang der 90er Jahre kooperiert, teilt sich heute der Dorfelektriker das Firmengebäude an der Lastenstraße in Götzis. Partnerschaften mit Wohnbauträgern, dem Dorfinstallateur oder der Kooperationsgruppe Vollbad spiegeln die Philosophie des Unternehmens wider. Eine Philosophie, die auch Tim Mittelberger mit Überzeugung vertritt, denn Netzwerke sind ihm wichtig. Deshalb engagiert er sich seit Jahren in der Jungen Wirtschaft Vorarlbergs. Seit dem Frühjahr ist er Mitglied des Vorstands des Netzwerks. Aus dem Austausch könne er viel mitnehmen, „alle profitieren von diesem Austausch“.

Themen sind in der Jungen Wirtschaft eben die Nachfolge, aber genauso die Voraussetzungen, damit junge Unternehmen sich entwickeln können, damit neue Firmen überhaupt gegründet werden, damit Selbstständigkeit attraktiv ist. Als Unternehmer nutzt er die Gestaltungsmöglichkeiten, und die liegen bei ihm ganz klar bei den Mitarbeitern. „Das ist nicht nur Geschwafel, das nehmen wir sehr ernst.“ Ein Stein in diesem Mosaik der Maßnahmen sind die Visionstage, die dazu dienen, dass Arbeit Spaß macht. „Bei uns ist das ein Miteinander, eine Partnerschaft“, so Mittelberger, der sich als Juniorchef auch nicht einfach reinsetzen wollte in den Familienbetrieb, sondern sich den Respekt und die Anerkennung durch sein Tun erarbeiten will und kann. Nachhaltigkeit, Gesundheit und Sicherheit, Kommunikation und natürlich Life-work-Balance sind Stichworte dazu. Dass sie mit Leben gefüllt sind, zeigen viele Auszeichnungen, etwa jene als bester Arbeitgeber, oder als KMU-Betrieb. Seit elf Jahren ist der Dorfelektriker auch Ökoprofit-zertifiziert, dazu kommen die fachlichen Zertifikationen, die auf der hohen Qualifikation der Mitarbeiter und der funktionierenden Struktur beruhen. Das sorgt auch, zusammen mit dem Antrieb, technische und ökoligische Innovationen umzusetzen, für zufriedene und treue Kunden.

FAKTEN

Tim Mittelberger

Alter 28

Ausbildung Matura, Lehre Elektrotechniker, Bachelor of Science Mechatronik (Schwerpunkt Elektrotechnik) an der FH Vorarlberg, Bachelor of Arts Wirtschaft und Management am MCI Innsbruck

Firma

Gegründet 1982 von Herbert Mittelberger

Mitarbeiter 70

Umsatz 2018 8,95 Mill. Euro