Erfolgsstory Hirschmann: „Schneller als der Markt“

09.07.2019 • 06:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Rund 100 Millionen Euro investierte Hirschmann Automotive im vergangenen Jahr, 30 Millionen für Digitalisierung „zum Nutzen des Standortes Vorarlberg“, so CEO Volker Buth. FA/MARCEL MAYER

Hirschmann Automotive feiert 60-jähriges Jubiläum. Für automobile Zukunft gerüstet.

Rankweil Vor wenigen Tagen feierten die Mitarbeiter und das Management von Hirschmann gleich neben dem Hauptquartier in Rankweil Brederis ausgiebig den 60. Geburtstag der Firma. Das hat sich die Mannschaft redlich verdient. Die vergangenen Jahre waren vom Erfolg geprägt: International hat das Automotive-Unternehmen seit den 2010er-Jahren jährlich über 1000 Arbeitsplätze geschaffen, in Rankweil sind es derzeit 1100. Und Hirschmann ist, so Volker Buth, CEO des inzwischen auf vier Kontinenten vertretenen Unternehmens, fit für die Zukunft, egal wie Autos angetrieben werden. Darüber, was kommen wird, will er auch jetzt reden, denn wichtiger als die Vergangenheit sei ja, wie es künftig weitergeht.

Prekäre Lage

Die Jahre seit der Übernahme des Automobilzulieferers im Jahr 2003 durch die F&R Industrie Invest GmbH, die der Familie Rauch zuzurechnen ist, sind dennoch bemerkenswert. Denn 2003 gaben nicht viele Brancheninsider noch viel auf das Rankweiler Unternehmen. Nach der Übernahme Hirschmanns durch die deutsche Rheinmetall befand sich das Unternehmen in einer existenziellen Krise, zum einen, weil das Vorarlberger Unternehmen eigentlich nicht zum Rheinmetall-Konzern passte, zum anderen, weil „man den Anschluss verpasst hat“, analysiert Buth die damalige Lage. Das frühere Hauptprodukt, Satellitenschüsseln und Antennen, konnte sich technologisch nicht mehr wesentlich vom Mitbewerb unterscheiden. Und beim Preis konnten andere bessere Angebote legen.

Hirschmann konzentrierte sich schließlich auf Steckverbindungen im Automobilbereich. Erste Erfahrungen damit machte man in den 70er- Jahren. In den 80er-Jahren wurde der erste Auftrag von Mercedes Benz an Land gezogen. Heute sind die Steckverbindungen aus Rankweil bzw. aus den Werken in China, Mexiko und Marokko in jedem zweiten neuen Auto weltweit verbaut. Für die Entwicklung war ein einziger Ingenieur zuständig. „Kurt Ellensohn hat bis heute durchgehalten“, erinnert Buth an die Disruption beim ehemaligen Antennen-Hersteller.

Verunsicherung in der Branche

Disruption ist auch im Jubiläumsjahr wieder ein Thema. In der Automobilbranche herrscht Verunsicherung. Wie soll es weitergehen, elektrisch, wasserstoff-betrieben, mit fosiller Energie? Wie verändert sich die individuelle Mobilitität aufgrund von Carsharing-Modellen und dem geänderten Verhältnis junger Menschen zum Auto. Außerdem: Es entwickelt sich neben dem Auto ein starker Zweirad-Markt. „Wir sind bei neuen Technologien überall dabei und haben bereits vor Jahren auch auf Elektromobilität gesetzt“, sowohl im Automotive- wie im Zweirad-Bereich. Man könne auf diese Erfahrungen jetzt zurückgreifen, sie „hineindesignen“ in die Produkte, so der Automanager zum Innovationsgrad bei Hirschmann. Als Autozulieferer sei es wichtig, die „Innovationskunden“ zu beliefern, also die Premiumhersteller. In diesem Bereich erfolgt Veränderung und Entwicklung. Die Synergien dieser Kooperation sorgt dann für die Aufträge anderer Hersteller.

Die Verunsicherung macht sich heuer bislang auch im Umsatz bemerkbar. Wuchs das Unternehmen über Jahre zweistellig, ist der Zuwachs heuer im ersten Quartal einstellig. Dafür sind nicht nur die technischen Entwicklungen und Diskussionen verantwortlich. Auch Brexit und Handelskonflikte sorgen für Zurückhaltungen. Ziel ist aber, da ist Buth zuversichtlich und hat mit seinen Mitarbeitern die Strategie dafür, künftig zweistellig zu wachsen. „Wir müssen schneller als der Markt wachsen, besser sein bei Preis, Logistik und Qualität. Wir definieren uns über den Prozess, bauen unsere eigenen Maschinen und eine topqualifizierte Mannschaft.“ Wobei der Fachkräftemangel  auch Hirschmann Sorgen bereitet. „Das ist ein limitierender Wettbewerbsfaktor.“ Die derzeit an der Fachhochschule ausgebildeten Spezialisten seien für die Vorarlberger Wirtschaft einfach zu wenig. „Wir müssen die Digitalisierung ohne Fachleute meistern“, stellt er fest. Hirschmann setzt auf eigenen Nachwuchs. Mit rund 90 Lehrlingen ist man prozentuell zur Mitarbeiterzahl der größte Ausbilder im Land. Und sorgt mit der eigenen Akademie für ständige Weiterbildung.

Hirschmann Automotive

Gegründet 1959 (Übernahme der Firma Luminus durch Richard Hirschmann, Esslingen)

Übernahme 2003 durch F&R Industrie Invest, Gründung der Hirschmann Automotive Gmbh

Werke Österreich, China, Mexiko, Rumänien, Tschechien, Marokko, Deutschland

Mitarbeiter rd. 6000, 1100 in Brederis

Export 100 Prozent

Investitionen 2018 96,7 Mill. Euro

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