Vorarlbergs junge Unternehmer: Die Limomacher überzeugen mit Tonic, Limo und Gin

14.07.2019 • 17:30 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
 Alexander Thurnher (l.) und Julian Egle haben mit Limos und Gin den Geschmack getroffen. VN/Paulitsch
Alexander Thurnher (l.) und Julian Egle haben mit Limos und Gin den Geschmack getroffen. VN/Paulitsch

Alexander Thurnher (31) und Julian Egle (28) tanzen mit ihren Limos auf zwei Hochzeiten.

Bregenz Seit Frühjahr 2016 kann man seine ganz persönliche Limonade trinken. Auf das haben viele Menschen, Unternehmen und Vereine gewartet. Die Idee zum individuellen Softdrink, in der Branche „Private Labeling“ genannt, stammt nicht von einem Getränkehersteller, sondern von den beiden jungen Hardern Alexander Thurnher und Julian Egle, die so gar nichts mit Limo zu tun hatten. Ihre Expertise findet sich in der Betriebswirtschaft. Und selbstverständlich trinken sie gerne Limonade.

Regionale, individualiserte Limonade

Sie haben sich nicht die einfachste Branche ausgesucht. Am Softdrink-Markt herrschen große multinationale Anbieter mit ihren Marken, der Preiswettbewerb ist hart, die Marketingbudgets der Multis riesig. „Gewartet hat auf uns niemand“, stellen sie denn auch im Gespräch mit den VN fest. Thurnher und Egle sahen aber gerade darin eine Chance für ihr Start-up. Regionale Produktion, Nachhaltigkeit in der Logistik und bei der Herstellung sowie den Gebinden und die eigene Rezeptur ihrer Zitro- und Orangenlimo, ihrer Cola und des Tonic Waters. Dass dazu auch noch das Etikett individualisiert angeboten wurde, lockte von Anfang an die Kunden.

Für die Herstellung der Limonaden haben die beiden jungen Unternehmer einen Profi gewonnen, der alle Vorgaben erfüllt. Joachim Fink (42), Geschäftsführer von Alfi-Getränke in Lingenau, ist der dritte Gesellschafter des Unternehmens. Beklebt werden die Glasflaschen, für die sich die beiden Jungunternehmer gegen andere Verpackungen entschieden haben, übrigens von der Lebenshilfe. Joachim Fink bringt seine langjährige Erfahrung in der Produktion in das Unternehmen ein, das heute mit der Marke „Die Limomacher“ Kunden im ganzen deutschen Sprachraum hat. Ihr wichtigster Vertriebsmitarbeiter für die individualisierten Limos ist das Internet. Damit haben sie ihr Angebot bekannt gemacht, online kann man auch kleine Margen für Events, Geburtstage oder Firmenfeiern bestellen.

Parallel zu „Die Limomacher“ wollten Egle und Thurnher aber nicht nur auf diesem einen Bein stehen. „Wir hatten den Urtraum, unsere Getränke in den Einzelhandel zu bringen.“ Gelungen ist das bereits 2017 mit einem eigenen Tonic-Water. „Franz von Durst“ nannten sie das Produkt, das damals bei Spar gelistet wurde und in allen Interspar-Filialen Österreichs sowie in ausgewählten Spar-Märkten in Vorarlberg in die Regale gestellt wurde. „Franz von Durst“ fand schnell Fans, denn sie gaben ihrem Getränk eine eigene Persönlichkeit. Von außen mit sechs verschiedenen Etiketten, von innen mit einem eigenen Geschmack,  der  „lieblich, fruchtig und somit weniger bitter-herb ist als bei anderen Tonics.“ Die Preise im Regal mussten dabei ebenfalls im Auge behalten werden, sie mussten konkurrenzfähig zum Mitbewerb sein.

Das ganze Paket im Angebot

Der Gin-Hype beflügelte aber nicht nur das eigene Tonic, die beiden jungen Unternehmer wollten das ganze Paket anbieten. Ein eigener Gin, ebenso wie die Limonaden und das Tonic Water von Egle und Thurnher kreiert, rundete das Angebot ab. Logischerweise gibt es jetzt Tonic und Gin auch im Paket, das komme besonders gut an bei den Kunden, berichten die beiden, die ob des boomenden Geschäfts bald die Enge ihres Gründungsbüros verließen und heute in Bregenz in Bürogemeinschaft mit Architekten und Autoren tätig sind und inzwischen auch mit Lukas einen Mitarbeiter beschäftigen. Ihrem Regionalgedanken blieben sie treu: Auch der Gin wird in einer Vorarlberger Destillerie hergestellt. Und das nicht nur für den Handel, auch Gastronomen, die auf sich halten, haben die Getränke im Angebot. Immerhin konnten sie mit dem Gin bereits eine Goldmedaille einheimsen. In den Bars leisten die beiden Vorarlberger aber noch persönlich Überzeugungsarbeit.

Solide Geschäftsplanung

Ausruhen auf dem Erfolg ist aber trotz der guten Performance nicht angesagt. „Wir entwickeln einen zweiten Gin“, verraten sie, auch ein Bitter Lemon soll 2020 auf den Markt kommen. Neue Kundenschichten werden mit Probiersets aus kleineren Flaschen erschlossen. Dabei achten die Betriebswirtschaftler darauf, nicht zu schnell zu wachsen. „Wir geben nur aus, was wir auch einnehmen. Wir bauen unser Geschäft nachhaltig auf.“ Außerdem wollen sie niemanden, der ihnen „dreinredet“.

Auf ihrem Weg zum Unternehmertum haben sie viele hilfsbereite Menschen getroffen, die ihre Pläne unterstützten, erzählen sie und nennen als Anlaufstellen für junge Firmengründer Startupland und Startup-Stube als gute Adressen. Netzwerke im Land und in der Branche – „wir sind viel auf Messen unterwegs“ – sind ebenfalls wichtig. Selbstständig werden, können sie nur empfehlen. Doch man müsse schon der Typ dafür, quasi „unternehmerisch gepolt“ sein.

Die Limomacher

Alexander Thurnher Studium, Master der University of Warwick, Berufserfahrung im Supply Chain Management, u. a. bei großem Weltkonzern

Julian Egle Studium Betriebswirtschaft in Wien und an der FH Vorarlberg, Marketing und Sales  

Die Limomacher

Gegründet 2016, Gesellschafter Thurnher, Egle, Fink

Absatz Limo monatl. bis 10.000 Flaschen, Tonic mehrere 100.000 Flaschen, rund 20.000 Flaschen Gin