Schlumberger: Kampf um Genießer und gegen Sektsteuer

Markt / 19.07.2019 • 06:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Schlumberger-Chef Lippert: "Ideale Partnerschaft mit Festspielen."  VN/Stiplovsek
Schlumberger-Chef Lippert: „Ideale Partnerschaft mit Festspielen.“ VN/Stiplovsek

Schlumberger verschiebt 70-Millionen-Euro-Investition und hofft auf das Ende der Sektsteuer.

Wien, Lochau Das Leben kann so schön sein. Zum Beispiel, wenn man bei bestem Wetter auf einer Hotelterrasse am Bodensee sitzt, ein Glas kühlen Sekt zum Mund führt und auf die Rigoletto-Aufführung wartet. Für Arno Lippert, CEO des österreichischen Sektherstellers Schlumberger, hätte der Kontrast nicht größer sein können. Einen Tag vor seiner Fahrt nach Vorarlberg hat er die gesamte burgenländische Politik in Panik versetzt. Das Traditionsunternehmen hat gerade bekannt gegeben, dass Schlumberger sein Hochregalprojekt in der burgenländischen Gemeinde Müllendorf nicht baut. Die Produktion soll zwar von Wien ins Burgenland ziehen, aber wann, ist ungewiss: Dass Landesregierung und Parteien im Stundentakt Pressekonferenzen abhielten, ist nur verständlich. Immerhin geht es um eine Investition von 70 Millionen Euro und ein Signal für den Wirtschaftsstandort Burgenland.

Wettbewerbsnachteil

Der Manager blies das Projekt nach heftigen Protesten der Kritiker wegen eines vermuteten zu hohen Verkehrsaufkommens ab. Jetzt muss neu geplant werden. Es ist nicht der einzige Wermutstropfen für den bekanntesten österreichischen Sekthersteller. Nachdem in den Plänen für die Steuerreform die von den Herstellern heftig kritisierte Sektsteuer endlich wieder abgeschafft wurde, zerplatzten die Träume der heimischen Produzenten mit dem Ende der Koalition. „Wir hoffen, dass eine neue Regierung die Reform umsetzt“, sagt Lippert im Gespräch mit den VN. Die Sektsteuer fällt zwar für die heimischen Schäumer an, nicht aber für die Konkurrenz aus Venetien. „Wir zahlen 90 Cent Steuer pro Flasche, das ist ungerecht und nicht einzusehen.“ Seit Einführung der Steuer ist der Flaschenabsatz der österreichischen Hersteller im Handel um ein Viertel eingebrochen.

Professionelle Partnerschaft

In Bregenz sieht die Welt rosiger aus. Schlumberger ist seit neun Jahren Partner der Festspiele, liefert den Schlumberger Grünen Veltliner Brut nach Bregenz. „Das ist eine sehr professionelle Zusammenarbeit, die uns und den Festspielen was bringt.“ Schlumberger nutzt die Festspiele, um Kunden und Partner zu empfangen. „Heuer werden Händler aus der Schweiz, Österreich und Deutschland im Rahmen der Festspiele von uns begrüßt.“ Wichtig sei die Präsenz auch als Signal an Gastronomie und Genießer, die sich für den österreichischen Sekt begeistern sollen. Dafür gibt es mehr als einen Grund. Der Sekt, der bei Schlumberger jetzt als Austrian Sparkling vermarktet wird, könne sich mit allen internationalen Mitbewerbern messen, das zeige sich bei Verkostungen eindrücklich. Mehr noch: „Wir sind anders: fein, leicht, elegant“, scheut Lippert nicht vor dem Vergleich mit dem großen französischen Konkurrenten zurück, der deutlich schwerer sei.

„Wir machen einen guten Job. Unser Sekt muss sich nicht vor Champagner verstecken.“

Arno Lippert, CEO Schlumberger

Aber Lippert führt noch ein weiteres Argument ins Rennen: „Wir erzeugen unseren Sekt zu 100 Prozent aus österreichischen Trauben, kaufen österreichische Flaschen und beschäftigen österreichische Mitarbeiter.“ Ganz abgesehen davon transportiere man die regionalen Produkte nicht durch halb Europa. „Der CO2-Abdruck ist bei uns deutlich geringer“, nimmt er Bezug auf die aktuelle Klimadiskussion. Das Unternehmen will das Thema in Zukunft weiter vertiefen, etwa mit Geschichten seiner Winzer. Was er nicht will: Eine moralinsaure Diskussion führen, denn wichtig ist ihm natürlich, dass das Produkt den Kunden schmeckt.

Das ist auch eine Aufgabe des österreichischen Sektkomitees, das nicht nur gegen die Sektsteuer kämpft, sondern sich auch die Imagepflege und die ständige Qualitätsverbesserung des Sekts auf die Fahnen geschrieben hat.