Vorarlberger Gewerbe und Handwerk: Noch sind die Auftragsbücher voll

05.08.2019 • 18:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Bauboom hält weiter an und beschert dem Bau- und Baunebengewerbe volle Auftragsbücher und verlangt von den Kunden Langmut.FOTOLIA

Leichte Steigerung bei Umsätzen und Aufträgen. Doch Konjunktur bremst sich ein.

Wien, Feldkirch Wer derzeit einen Handwerker braucht, muss gute Nerven besitzen. Nicht, weil viele Handwerker in ihren Firmen Betriebsurlaub machen, sondern weil ihre Auftragsbücher überquellen. Große Firmen wie kleine Häuslebauer, Kommunen und auch Auftraggeber kleinerer Arbeiten wissen ein Lied davon zu singen, und auch der Geschäftsführer der Sparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer, Armin Immler, weiß ob der Herausforderungen, die freilich nicht nur für die Kunden, sondern für die Firmen selbst nicht einfach zu handhaben sind. Für heuer, so schätzt Immler, sind die Vorarlberger Handwerker insbesondere im Bau- und Baunebengewerbe ausgebucht. Deshalb bittet der Spartengeschäftsführer die Kunden weiterhin um Geduld, wenn man einen Vorarlberger Handwerker braucht.

Lange Wartezeiten

In den benachbarten Ländern Schweiz und Liechtenstein arbeite man derzeit nur gebremst, weil im Land so viel zu tun sei, bestätigt Immler lange Wartezeiten für Handwerker. „Die Anfragen bei der Außenhandelsstelle Zürich sind deutlich zurückgegangen“, berichtet er im Gespräch mit den VN. Ein Ass im Ärmel bleibt der Schweizer Markt dennoch, denn geht es nach den Handwerkern selbst, dann dürfte der Erhitzung des Marktes schon in absehbarer Zeit eine Abkühlung folgen. Und dann könne man wieder auf diesen Exportmarkt zurückgreifen, sagt Immler voraus. Die Konjunktur bremst sich ein, das zeigen die Zahlen der KMU Forschung Austria. Ausgehend von einem sehr hohen Vorjahresniveau fallen die Zuwachsraten im ersten Halbjahr nur mehr gering aus. „Die Auftragseingänge bzw. Umsätze sind im 1. Quartal 2019 gegenüber dem 1. Quartal 2018 wertmäßig um 0,2 Prozent gestiegen“, so Christina Enichlmair von der KMU Forschung Austria. Im 2. Quartal beurteilten die österreichischen Gewerbe- und Handwerksbetriebe die Geschäftslage gleich gut wie im Vorjahr. Per Saldo überwiegen die Unternehmen mit einem guten Geschäftsverlauf weiterhin deutlich (+16 Prozentpunkte).

Unsicherheit bei Handwerkern

Allerdings könnten es a) mehr sein, was deshalb nicht möglich ist, weil  „drei von vier Betrieben den akuten Fachkräftemangel“ spüren und deshalb keine weiteren Aufträge annehmen können, und es herrscht b) auch bei den Handwerksbetrieben Verunsicherung wegen der geopolitischen Situation – angefangen bei den von den USA geschürten Handelskonflikten bis zum Brexit und Diskussionen um Freihandelsabkommen. In Vorarlberg nahmen 212 Betriebe an der Konjunkturbeobachtung teil, der Prozentanteil der Teilnehmer an der österreichweiten Befragung betrug 8,4 Prozent, also mehr als doppelt soviele Betriebe wie aufgrund des Prozentschlüssels notwendig wären. Die Ergebnisse seien österreichweit und vorarlbergspezifisch fast ident.

Die Auftragsbücher in den investitionsgüternahen Branchen sind nach wie vor voll: Der durchschnittliche Auftragsbestand ist im Vergleich zum Vorjahr um  4,2 Prozent gestiegen. Steigerungen konnten insbesondere Elektro-, Gebäude-, Alarm- und Kommunikationstechniker (+20,7 Prozent), Hafner, Platten- und Fliesenleger, Keramiker (+16,7 Prozent) sowie Maler und Tapezierer (+12,2 Prozent) verzeichnen.

Aussicht 3. Quartal

Erwartungen für das 3. Quartal 2019 sind optimistisch, erreichen jedoch nicht mehr das hohe Vorjahresniveau. Per Saldo überwiegen die optimistischen Einschätzungen um 7 Prozentpunkte. Der Anteil der Betriebe, die keine Veränderungen erwarten, ist von 68 Prozent auf 73 Prozent gestiegen. Quelle: KMU-Forschung Austria