Carsharing mit wenig Nachfrage: Vorarlberg versucht es mit E-Autos

Markt / 19.08.2019 • 10:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Carsharing-Genossenschaft Caruso setzt auf fixe Stellplätze (im Bild: Feldkirch) und E-Mobilität. VN/HARTINGER

Vorarlberger Autoteilen-Genossenschaft Caruso setzt auf fixe Stellplätze und alternativen Antrieb.

Schwarzach, Wien „Sharing Economy“, also das Teilen von Fahrrädern, E-Scootern, Wohnungen, Maschinen, aber auch Mode, um nur einige Bereiche zu nennen, soll zu einem effizienteren Umgang mit Ressourcen beitragen. Obwohl ständig neue Sharing-Bereiche erschlossen werden, ist nach wie vor das Carsharing, das Autoteilen, die bekannteste und erprobteste Form des wirtschaftlichen Teilens.

Doch wirklich populär sind weder die neuen Nutzungsmöglichkeiten in der Sharing Economy noch das Autoteilen. Ersteres ist das Ergebnis einer Untersuchung des Berliner Instituts für Ökologische Wirtschaftsforschung, zweiteres ergab eine Untersuchung der internationalen Unternehmensberatung A.T. Kearney. Demnach sind nur fünf Prozent der Bevölkerung potenzielle Nutzer. Und bei steigender Akzeptanz der Angebote gehen diese nicht zulasten des Individualverkehrs, sondern vor allem zulasten des öffentlichen Nahverkehrs. „Das Interesse ist gering, es schadet dem öffentlichen Verkehr und – trotz hoher Wachstumszahlen von 58% im Jahr – ist Carsharing mit derzeit 27 Millionen weltweiten Nutzern bestenfalls ein Nischenangebot“, so Wulf Stolle, Partner bei A.T. Kearney und Mobilitätsexperte.

Share-Car statt Zweitwagen

Der Grund für die Zurückhaltung ist hier wie international derselbe: Die Befragten wollen nicht auf das eigene Auto und die damit verbundene Unabhängigkeit verzichten. Sharing sei als komplementäres Service gesehen, wer Carsharing nutzt, verzichtet – zumindest im ländlichen Raum – allenfalls auf einen Zweitwagen. Im Vergleich Stadt und Land gibt es weitere Unterschiede: Untersucht wurden Free-Floating-Angebote, also Carsharing, wie es in der Großstadt funktioniert (oder nicht). In Vorarlberg gibt es derzeit einen einzigen Anbieter, die Genossenschaft Caruso mit Sitz in Dornbirn. Und der bietet derzeit 35 Fahrzeuge, davon 33 elektrische, an und verfügt über 35 Standorte im Land.

Martin Reis, Leiter des Fachbereichs Mobilität am Energieinstitut, sieht Vorarlberg generell auf einem guten Weg, Carsharing ist für ihn unbedingt ein Teil der Vorarlberger Mobilitätsstrategie und ergänze z. B. den öffentlichen Verkehr. Gerade in Vorarlberg sei es allerdings aufgrund der geographischen Verhältnisse schwierig, ein flächendeckendes Angebot zu stellen. In Talschaften wie dem Laternser- oder Großen Walsertal könne man nicht einfach ein Fahrzeug stationieren. Für etliche der derzeitigen Vorarlberger Car-Sharer ist das „Teilauto“ dort auch wie in anderen ländlichen Regionen ein Ersatz für einen Zweitwagen. Besser funktioniere das in den Ballungsräumen wie dem Rheintal und im Walgau. Reis weist auch auf die Kostenwahrheit hin, die in vielen Fällen für Carsharing spräche: „Doch das wird oft ausgeblendet, was man sieht, sind nur die momentanen Kosten.“ Schon der Stellplatz für ein Auto kostet zwischen 20.000 und 25.000 Euro.

„Die Kostenwahrheit beim Auto wird oft ausgeblendet. Man sieht nur momentane Kosten.“

Martin Reis, Energieinstitut Vorarlberg

Niko Fischer, Geschäftsführer von Caruso Carsharing, bestätigt, dass die Talschaften „eine herausfordernde Aufgabe“ sind – ist aber insgesamt zufrieden mit der Entwicklung, zumal verstärkt Unternehmen und Kommunen Carsharing forcieren. Die Flotte, das größte stationsbasierte eCarsharing-Angebot in Österreich, werde den Bedürfnissen folgend weiter ausgebaut. Um die Autos zu nutzen, müsse man nicht Genossenschaftsmitglied sein, auch die Reservierung erfolge unkompliziert und könne auch Monate im Voraus durchgeführt werden. Und auch wenn Carsharing nicht gerade explosionsartig wachse, werde das Angebot von immer mehr Vorarlbergern genutzt.

Testmöglichkeit während der Mobilwoche, 31. August bis 8. September. Anmeldung bei Caruso oder teilnehmenden Gemeinden.