Forschung und Entwicklung: Vorarlberg weit unter österreichischer Quote

Markt / 19.08.2019 • 16:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
 Firmen sind in Vorarlberg Treiber der Forschung. Im Bild ein Materialprüfstand von V-Research. Fa/sillaber
Firmen sind in Vorarlberg Treiber der Forschung. Im Bild ein Materialprüfstand von V-Research. Fa/sillaber

Forschung und Entwicklung: Ausgaben steigen, doch Vorarlberg hat Luft nach oben.

Schwarzach, Wien Der Ruf nach qualifizierten Mitarbeitern ist fast täglich zu hören, auch jetzt noch, obwohl die in den vergangenen Jahren hitzige Konjunktur deutlich abgekühlt ist. Nicht so laut ist der Ruf nach verstärkter Forschung und Entwicklung (F&E), auch wenn die Bedeutung von Innovation zum Standardprogramm der wirtschafts- und standortpolitischen Programme aller politischen Parteien zählt. Dass Vorarlberg bei den Patentauswertungen wie auch bei den Forschungsausgaben in den verschiedenen Rankings, etwa in der Hitparade der Patentanmeldungen, immer im Spitzenfeld liegt, ist einer Handvoll Unternehmen, wie etwa dem Beschlägehersteller Julius Blum, dem Leuchtenkonzern Zumtobel Group oder Textilern wie der Grabher Group, zuzuschreiben. Insgesamt gibt es aber noch Luft nach oben, wie die jüngst veröffentlichten Zahlen der Statistik Austria zeigen.

Positive Tendenz

Dabei zeigen die Daten von Statistik Austria für Vorarlberg insgesamt eine positive Tendenz. Die F&E-Quote ist nämlich in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen und beträgt derzeit 1,81 Prozent per Ende 2017. Im Jahr 2015 waren es noch 1,77 Prozent, 2013 schlanke 1,64 Prozent und 2011 erst 1,46 Prozent. Doch die Vorarlberger Forschungs- und Entwicklungs-Quote wird im Bundesländervergleich schnell relativiert. Der österreichweite Durchschnittswert liegt nämlich bei 3,05 Prozent. Damit ist das hochindustrialisierte Land Vorarlberg deutlich unter dem Bundesdurchschnitt.

Spitzenreiter bei den Bundesländern mit einer F&E-Quote von 4,91 Prozent ist die Steiermark, gefolgt von Wien mit 3,56 Prozent und Oberösterreich mit 3,46 Prozent. Vorarlberg liegt auf dem abgeschlagenen 7. Rang im Bundesländervergleich vor dem Burgenland und Salzburg. Der Präsident der Industriellenvereinigung Vorarlberg (IV), Martin Ohneberg: „Natürlich kann man Vorarlberg nicht mit anderen Bundesländern, die große Universitäten haben, vergleichen. Trotzdem gibt die Dynamik der F&E-Quote Aufschluss, wie sehr man sich mit zukünftigen Entwicklungen befasst, und da gibt es in Vorarlberg nach wie vor Aufholbedarf gegenüber anderen Bundesländern.“

„Bei der Forschung gibt es in Vorarlberg Aufholbedarf gegenüber anderen Bundesländern.“

Martin Ohneberg, Präsident IV Vorarlberg

In  Vorarlberg wurden 2017 laut Statistik Austria F&E-Ausgaben in der Höhe von knapp 318 Millionen getätigt. Im Vergleich dazu waren es im Jahr 2015 gesamt 302 Millionen, im Jahr 2013 waren es 247 Millionen. Finanziert werden diese F&E-Ausgaben wie schon in den vergangenen Jahren zum größten Teil durch die Wirtschaft selbst und damit im Wesentlichen von der Industrie, die knapp 293 Millionen Euro oder 92 Prozent der Forschung und Entwicklung im Land bestritt. Der Rest von rund 25 Millionen entfallen zum größten Teil auf Bund und Land. IV-Präsident Ohneberg sieht im Gespräch mit den VN Licht und Schatten: „Die Vorarlberger Industrie ist zum allergrößten Teil für die Steigerungen bei den F&E-Ausgaben verantwortlich, in keinem anderen Bundesland ist der Anteil am Forschungsbeitrag durch die Industrie so groß. Wenn wir allerdings als gesamter Standort wettbewerbsfähig bleiben möchten, müssen auch die Investitionen der Öffentlichen Hand stärker in unser Bundesland gelenkt werden. Daher gilt es konsequent an der FH-Entwicklung, an Forschungskooperationen und neuen innovativen Hochschulkooperationen zu arbeiten.“

Stichwort

Die F&E-Quote – also der Anteil der Forschungs- und Entwicklungsausgaben am regionalen BIP – ist einer der wichtigen Indikatoren, die die Standortqualität eines Wirtschafts- und Industriestandortes ausmachen. Eine Analyse der aktuellen Zahlen ist für die jeweilige Standortpolitik aufschlussreich. Vorarlberg liegt in Österreich auf Platz 7, was diese Quote angeht.