„Die Beratung wird zum wichtigsten Faktor“

Markt / 22.08.2019 • 20:16 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Sprecher des Vorarlberger Einrichtungsfachhandels, Harald Künzle, sieht im Trend zur Kompletteinrichtung eine große Chance für die Möbelhändler.VN/Lerch
Der Sprecher des Vorarlberger Einrichtungsfachhandels, Harald Künzle, sieht im Trend zur Kompletteinrichtung eine große Chance für die Möbelhändler.VN/Lerch

Einrichtungsfachhandel im Land auf gutem Kurs.

Schwarzach, Feldkirch Dem Vorarlberger Einrichtungsfachhandel geht es gut. Daran ändert sich auch nichts, wenn mit dem Nenzinger Möbelhaus Frick ein Traditionsgeschäft mit Ende des Jahres schließt (siehe Bericht unten). Der Bauboom beschere auch dem Möbelhandel Aufträge weit über das Jahresende hinaus, sagt der Sprecher des Vorarlberger Möbelhandels, Harald Künzle, im VN-Gespräch. 90 Mitglieder zählt die Berufsgruppe im Fachhandel, 130, wenn man die Tischler und Raumausstatter mit Handelslizenz dazuzählt.

Eigener Lehrberuf

In den Einrichtungshäusern arbeiten knapp über 900 Menschen, in Ausbildung sind 50 Lehrlinge. Der größte Teil davon, nämlich 46 Jugendliche, bei XXXLutz, berichtet der Geschäftsführer der Berufsgruppe, Michael Hollersbacher. Gerade bei den kleineren Händlern erwartet sich Künzle allerdings spätestens wenn der Einrichtungsfachberater als eigener Lehrberuf auf Schiene ist, eine deutliche Zunahme der Ausbilder. Derzeit machen die Jugendlichen eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann mit Spezialisierung auf Möbelhandel. Einige wenige Nachwuchskräfte besuchen die „Kaderschmiede“ Einrichtungsfachschule Kuchl, zwei davon sind Mitarbeiter in Künzles Firma. 

Warum ihm die Ausbildung so wichtig ist, ist rasch erklärt. Die Beratung macht den Unterschied zur Großfläche, wie Kika, Lutz und Co bezeichnet werden. Es brauche die großen Einrichtungshäuser, das sei keine Frage, und man komme auch gut zurecht miteinander, aber für die kleineren Händler werde die Beratung, das Wohnkonzept zum wichtigsten Asset im Wettbewerb. „Immer öfter wollen die Kunden einen Vorschlag für die gesamte Wohnung oder das Haus. Bei Bauträgern gibt es einen Trend, die Wohnungen bereits fertig möbliert zu verkaufen“, so Künzle. Einen Wettbewerbsvorteil haben auch Betriebe, die tischlern und einrichten, die also Fullservice bieten.

Unbedingt am Ball bleiben müsse der Handel in Sachen Digitalisierung. Zwar sei der Möbelhandel, der nach dem Lebensmittelhandel die größte Verkaufsfläche in Vorarlberg bewirtschaftet, ein Geschäft, bei dem die Kunden noch Probe sitzen und in echt besichtigen wollen, doch ohne Homepage gehe es nicht. Aber auch das Wohnen selbst verändere sich. „Stichwort Roboting, Homeconnect, Smart living“, wirft Hollersbacher ein. VN-sca

VBG. Möbelhandel

Möbelhandel 90 Möbelhäuser und -geschäfte mit Handelsberechtigung, 130 insgesamt (Tischler, Raumausstatter mit Handelsgewerbe), 9 Betriebe mit mehr als zehn Mitarbeitern

Mitarbeiter rd. 900, davon 50 Lehrlinge

Umsatz 2018 über 500 Mill. Euro
(+ 2 Prozent)

Hauptmärkte Vorarlberg, Schweiz