Hannes Androsch

Kommentar

Hannes Androsch

Bildung als Schlüssel zur Bewältigung der Zukunft

Markt / 23.08.2019 • 13:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Es sind düstere Prognosen, die die Wissenschaftler Martin Rees und Stephen Hawking in ihren Büchern darlegen: Indem sie die bestehenden Bedrohungen für unseren Planeten und damit auch für die Menschheit beschreiben, rücken sie jene gefährlichen Entwicklungen in den Blick, die im politischen Tagesgeschehen immer noch zu wenig Beachtung finden.

Dazu gehören Klimawandel und Umweltverschmutzung, die Sicherung von Rohstoffen und sauberem Wasser, die Auswirkungen der Digitalisierung, der steigende Energiebedarf, der demografische Wandel, die Flüchtlings- und Migrationsströme, die wachsende Ungleichheit u. a. m.

„Europa hat gegenüber Ländern wie China, den USA, Japan und Südkorea bereits enormen Aufholbedarf.“

Die Bedrohungen sind seit Langem bekannt. Entsprechende Zielsetzungen zu ihrer Bewältigung wurden daher in den Lissaboner Zielen der EU, den 17 Nachhaltigkeitszielen der UNO oder jüngst im Bericht „Digitale Revolution und nachhaltige Entwicklung“ des IIASA formuliert. Woran es aber mangelt, ist deren entschlossene Umsetzung. Hinzu kommt, dass die Veränderungen in rasendem Tempo erfolgen. Wir laufen Gefahr, abhängig und verwundbar zu werden, wenn wir nicht unsere technologische und digitale Souveränität sichern.

Hierbei sind Wissenschaft, Forschung und Innovation von entscheidender Bedeutung. Daher ist es wichtig, in Europa und noch mehr in Österreich größere Aufmerksamkeit auf diese Bereiche zu lenken und die notwendigen Ressourcen bereitzustellen.

Vor allem aber braucht es qualifiziertes Personal und für dieses die entsprechenden Einsatzmöglichkeiten. Anderenfalls werden wir entweder keine Lösungen für die Herausforderungen entwickeln können oder einen gefährlichen Brain Drain erleben. Europa hat gegenüber Ländern wie China, den USA, Japan, Südkorea oder Singapur bereits enormen Aufholbedarf. Noch mehr trifft dies auf Österreich zu. Wenn es uns nicht gelingt, den Rückstand wettzumachen, laufen wir Gefahr, weiter abgehängt zu werden anstatt in die Spitzengruppe der Forschungsnationen vorzustoßen. Zu dieser gehören nicht nur große Länder, sondern auch die Schweiz, die Niederlande, Schweden oder Singapur. Daher ist es wichtig, die seit Jahren anstehenden Probleme im Wissenschafts-, Forschungs- und Bildungsbereich endlich anzupacken: Forschungsfinanzierungsgesetz, Forschungsförderungsdatenbank, Exzellenzinitiative, aber auch eine generell höhere Dotierung der Universitäten und Forschungseinrichtungen, Entwicklung einer neuen Innovationsstrategie und vor allem die Anpassung unseres Bildungssystem an das digitale Zeitalter. Halbherzige Veränderungen der Schulorganisation sind noch keine bildungsbezogenen Maßnahmen. Diese braucht es vor allem in der frühkindlichen Betreuung, für mehr verschränkte Ganztagsschulen und zur Vermeidung einer zu frühen Selektion.

Dr. Hannes Androsch ist Finanz­minister i. R. und Unternehmer.