Wohnbauoffensive wird fortgesetzt

Markt / 30.08.2019 • 06:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Karlheinz Rüdisser, LH Markus Wallner, Studienautor Wolfgang Amann und Vogewosi-Geschäftsführer Hans-Peter Lorenz vor einer Vogewosi-Wohnanlage in Mäder. VLK

Studie bestätigt Wohnbauförderung als wichtiges Instrument für Leistbarkeit.

Mäder Wie leistbar ist Wohnen in Vorarlberg? Eine Frage, die mit steigenden Preisen immer bedeutender wird. Nicht verwunderlich, dass der gemeinnützige Wohnbau deshalb in den vergangenen Jahren an Stellenwert gewonnen hat.

Wolfgang Amann, Geschäftsführer des Instituts für Immobilien, Bauen und Wohnen, sieht den massiven Preisanstieg mit Besorgnis. „Es gab eine Steigerung von 43 Prozent bei Bauland und Eigentumswohnungen in den letzten drei Jahren.“ Gründe seien die Baulandhortung sowie die steigende Tendenz zu Immobilien als Kapitalanlage. Das führe zu einem Leistbarkeitsproblem. Menschen in den untersten Einkommensschichten müssten bis zu 45 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für Wohnraum ausgeben. Abgefedert durch die Wohnbeihilfe des Landes liege man noch bei gut 36 Prozent. Zudem hätten die steigenden Preise fürs Wohnen zu einem Paradigmenwechsel geführt. „Lebten in gemeinnützigen Wohnbauten früher vor allem die unteren Einkommensschichten, ist es heute auch die Mittelschicht. Standen die Wohnungen früher im Ballungsraum, gibt es sie bis Ende 2019 in 78 Gemeinden des Landes“, so Amann.

Ein wichtiges Instrument des Landes Vorarlberg für die Schaffung von Wohnraum ist die Wohnbauförderung. Insgesamt hat das Land im laufenden Budget rund 150 Millionen Euro für die Förderung des Wohnbaus veranschlagt. Wo deren Stärken und Herausforderungen liegen, das hat Amann gerade in einer Studie untersucht. Dabei stellt er dem Förderinstrument ein gutes Zeugnis aus.

Leistbarkeit und Energieeffizienz

Dieses sei nicht nur wichtig für die Leistbarkeit, sondern habe auch einen Lenkungseffekt hinsichtlich Energieeffizienz, weil die Förderung auf energieeffizientes bauen und sanieren setze. Das wirke sich wiederum auf die Betriebskosten aus. Zudem würden die Richtlinien alle zwei Jahre angepasst, um auf aktuelle Herausforderungen zu reagieren. Wichtige Impulse kämen auch durch die Änderung von Raumplanungs- und Grundverkehrsgesetz. „Damit können wir Bodenspekulation beenden sowie Zentren verdichten“, betont Landeshauptmann Markus Wallner. 

Das Projekt „Sicher vermieten“ ist indes mühsam angelaufen. „Mittlerweile haben wir aber 41 leer stehende Wohnungen auf den Markt gebracht und sind mit 100 Interessenten in Kontakt“, so Wohnbaureferent Karlheinz Rüdisser. Für eine weitere Attraktivierung brauche es aber den Bund, denn bei rechtlichen Rahmenbedingungen gebe es Optimierungsbedarf.

„Ohne Wohnbauförderung wäre gemeinnütziger Wohnbau nicht finanzierbar“, sagt auch Vogewosi-Geschäftsführer Hans-Peter Lorenz. Denn während in den vergangenen fünf Jahren die Errichtungskosten um 36 Prozent gestiegen seien, hätten sich die Vogewosi-Mieten nur um sechs Prozent verteuert. Wallner und Rüdisser wollen deshalb die Wohnbauoffensive im gemeinnützigen Bereich mit 750 Wohnungen im Jahr auch über die nächsten Jahre fortsetzen. Durch die Offensive seien seit ein paar Jahren bereits mehr gemeinnützige Einheiten bewilligt worden als private.

Apropos Baukosten: „Mehr Wettbewerb wäre das effizienteste Instrument, um diese zu senken“, ist Amann überzeugt. „Aber Mitbewerber aus Deutschland und der Schweiz sind tendenziell teurer, für jene aus anderen Bundesländern sind die Wege zu weit und für große Konzerne ist Vorarlberg ein zu kleiner Markt.“