„Wollen die Bevölkerung überzeugen“

Markt / 30.08.2019 • 19:06 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Jürgen Rauch führt die Geschäfte des Rankweiler Fruchtsaftherstellers in dritter Generation. Rauch
Jürgen Rauch führt die Geschäfte des Rankweiler Fruchtsaftherstellers in dritter Generation. Rauch

Rauch peilt im Jubiläumsjahr die erste Umsatz-Milliarde an. Festhalten an Ludesch-Plänen.

Rankweil Keine Angst vor der Zukunft hatte im Jahr 1919, also kurz nach dem Ende des ersten Weltkriegs, der Rankweiler Franz Josef Rauch. Obwohl die Monarchie in Trümmern lag, die Wirtschaft darbte und die Menschen alle Hände voll zu tun hatten, um satt zu werden, wagte er den Sprung in die Selbstständigkeit. Seine Idee – alkoholfreien Apfelsaft statt vergorenem Most herzustellen – verhalf dem jungen Mann zum Erfolg. Die Start-up-Mentalität des Gründers ist bis heute eine Stärke des Unternehmens, das längst zu einem der großen Player der Branche heranreifte. Die Stärke war Voraussetzung für das Wachstum – das zeigten auch Entscheidungen, wie der Export von Fruchtsaft in den Nahen Osten, als im Europa der Siebziger Jahre die Wirtschaft schwächelte. Oder der Einsatz von Tetra-Pak.

Die Ideen gehen bis heute nicht aus: Neue Produktgruppen und Marken treffen den Geschmack der Zeit. Die Nachhaltigkeit hat in der Produktion längst Einzug gehalten, wie Jürgen Rauch, Geschäftsführer des Unternehmens in dritter Generation, gegenüber den VN anlässlich des 100. Geburtstags betont. Wie er und das inzwischen auf rund 2000 Mitarbeiter angewachsene Unternehmen mit dem Gegenwind, den die Firma Rauch z. B. bei ihren Erweiterungsplänen zu spüren bekommt, umgeht und wie man in Rankweil den Erfolgsweg „auf Vorarlberger Art“, weitergehen will:

 

Herr Rauch, Rauch ist zum 100. Geburtstag einer der größten Fruchtsafthersteller Europas. Wie kann es denn da weitergehen? Was sind die Pläne für die Zukunft?

Rauch Unser Denken und Handeln wurde im letzten Jahrhundert stets von einem gewissen Gründergeist, wir nennen es Rauch-Spirit geprägt. Seit 100 Jahren lautet nämlich die wichtigste Frage: Wie werden wir noch besser? Und das in jedem Bereich! Denn natürlich wünschen wir uns auch für die Zukunft stetiges Wachstum und erfolgreiche Marken. Dabei setzen wir weiterhin auf genau diesen Rauch-Spirit, diesen Antrieb, der uns seit jeher von anderen abheben konnte und für unseren bisherigen Erfolg mitentscheidend war.

Mit rund 2000 Mitarbeitern und der ersten Umsatzmilliarde in Sichtweite, ist es uns als Familienunternehmen besonders wichtig, unsere Werte beizubehalten und unsere Identität zu bewahren, damit wir trotz der immer größer und globaler werdenden Teams immer näher zusammenwachsen. Getreu unserer Firmenphilosophie „Wir ehren das Alte und begrüßen das Neue“, wollen wir offen sein für Neues und den Wandel, gleichzeitig aber unsere Tradition wahren. Wir wollen unsere langjährige Erfahrung nutzen und dabei vor allem immer verantwortungsvoll sowie nachhaltig im Hinblick auf Mensch und Natur handeln.

 

Expansion bedingt in den meisten Fällen auch eine räumliche Erweiterung. Ist das am Standort Vorarlberg, der für Sie und Ihr Unternehmen sehr wichtig ist – Stichwort: Ludesch – möglich? Gibt es dazu für Ihr Unternehmen Alternativen?

Rauch Als Vorarlberger Familienunternehmen in mittlerweile vierter Generation sind wir besonders stolz auf unsere Heimat und Herkunft. Obwohl wir mittlerweile in über 100 Ländern vertreten sind, befindet sich unser Hauptsitz noch immer genau da, wo unser Gründer vor 100 Jahren eine kleine Mosterei kaufte: Nämlich in der Langgasse 1 in Rankweil. Aufgrund der guten internationalen Entwicklungen müssen wir glücklicherweise laufend erweitern und modernisieren. Auch zukünftig würden wir Investitionen gerne bei uns daheim in Vorarlberg tätigen. Aktuell planen wir eine Betriebserweiterung in Ludesch. Wir haben für dieses Projekt auch andere Möglichkeiten geprüft, aber der Standort Ludesch ist aus ökologischen und ökonomischen Gründen einfach der sinnvollste, da die gegebene Infrastruktur ideal ist: Ein direkter Bahnschluss, eine eigene Kläranlage, die gute Verkehrsanbindung sowie die Lage abseits der Bevölkerung bietet auch aus nachhaltiger Sicht die besten Voraussetzungen. Die Wahl eines anderen Standorts mit Neubau würde viele dieser Vorteile aufheben und wäre aus unserer Sicht eine viel größere Belastung für die Umwelt. Aktuell werben wir dafür um die Unterstützung der Bevölkerung und versuchen in einem offenen Dialog die Gemeinde und die Ludescher von der Nachhaltigkeit und Sinnhaftigkeit dieses Projektes zu überzeugen.

 

Der Getränkemarkt ist im Umbruch. Der Geschmack ändert sich, aber auch die Wünsche der Konsumenten bzgl. Zucker und Gebinde. Ein Trend zeigt außerdem, dass Konsumenten wieder vermehrt auf kleine, regionale Anbieter zugreifen. Wie geht Ihre Firma mit diesen Anforderungen um, wie mit dem Thema Digitalisierung?

Rauch Die heutige Welt befindet sich im ständigen Wandel und dreht sich rasend schnell – genauso wie die individuellen Ansprüche unserer Konsumenten. Hier gilt es sich permanent anzupassen und Trends zu setzen, um den Anforderungen entgegenzukommen. Dabei hilft uns die Digitalisierung, in genau diesem Tempo mit unseren Konsumenten und Partnern in den Dialog zu treten. Auf der einen Seite können wir zeigen, wer wir sind und gleichzeitig erfahren, was die Wünsche sind. Der digitale Raum bietet somit Platz für ein Kennenlernen und dadurch viele Chancen für die Entwicklung von Innovationen.

Dabei wird vor allem deutlich, dass Nachhaltigkeit für unsere Konsumenten eine besonders wichtige und zunehmende Rolle spielt. Und das in jeder Hinsicht: Von der Produktion, zum Inhalt über die Verpackung. Deshalb sind unsere Säfte und Tees überwiegend vegan, teilweise regional sowie aus biologischem Anbau. Wir führen laufend Optimierungen an unseren Rezepturen durch um möglichst gesunde, zuckerreduzierte Getränke anbieten zu können. Unsere neuesten Innovationen wie die Rauch Juice Bar Tees oder Nativa Green Tea Lemon 0% sind gute Beispiele. Sie kommen komplett ohne Zuckerzusatz oder Süßungsmittel aus. Auch bei den Verpackungen sind wir bemüht uns laufend zu verbessern. Zum Beispiel bietet unsere Rauch Juice Bar Range weltweit die ersten Säfte und Tees aus 100 Prozent recycelten PET-Flaschen an. Unser Ziel ist es, diesen Wert auch in Zukunft bei den anderen Rauch-Marken zu maximieren. VN-sca

Fakten

Gründung 1919

Geschäftsführung Jürgen Rauch (CEO), Wolfang Schwald, Markus Ohneberg, Harald Krammer, Daniel Wüstner

Mitarbeiter 1919 (29 Lehrlinge)

Niederlassungen 12

Umsatz 981 Millionen Euro