Kiesabbau-Volksabstimmung führt zu politischem Rücktritt

Markt / 04.09.2019 • 17:22 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Rund um den geplanten Kiesabbau in Altach gibt es nun eine Volksabstimmung.
Rund um den geplanten Kiesabbau in Altach gibt es nun eine Volksabstimmung.

Kiesunternehmer tritt als Altacher Vizebürgermeister ab.

Altach Beim Thema Kiesabbau gehen im Land regelmäßig die Wogen hoch. Das wurde nicht nur bei der Kanisfluh deutlich. Viele Betriebe sind bei Abbaubewilligungen für Rohstoffe mit Problemen konfrontiert. Auch in Altach wird zurzeit heftig diskutiert. Grund ist das Projekt von Kopf Kies+Beton für den Kiesabbau und eine Aushubdeponie im Gebiet Sauwinkel.

Dieses wollen die Bürgerliste Altach und Grüne verhindern. Sie kritisieren die aus ihrer Sicht drohende Belastung des Naherholungsgebiets am Alten Rhein sowie das zusätzliche Verkehrsaufkommen. Die notwendigen Unterstützungserklärungen für eine Volksabstimmung sind gesammelt. Diese wird voraussichtlich Anfang Dezember durchgeführt.

70.000 Tonnen importieren

Die Firma Kopf, die seit 70 Jahren den Kiesabbau in Altach betreibt, ist aber auf das Projekt angewiesen, sagt Geschäftsführer Franz Kopf im VN-Gespräch. Der derzeitige Kiesabbau sei Ende des Jahres erschöpft und die Bewilligung nach 25 Jahren ausgelaufen. Was eine mögliche Verhinderung des neuen Kiesabbaugebiets für die Firma bedeuten würde? „Ohne Kiesabbau in Altach müssten wir die benötigte Menge an Kies, rund 70.000 Tonnen im Jahr, voraussichtlich aus Deutschland importieren“, erklärt Kopf, der gestern aufgrund der laufenden Diskussion auch als Vizebürgermeister zurücktrat. Die Behauptung „ohne Kiesabbau in Altach kein Verkehr“ sei somit haltlos. Denn der dann notwendige Import führe zu deutlich mehr Verkehr. Konkret zu einem Mehrverkehr von 6000 Lkw-Fahrten pro Jahr, so der Geschäftsführer.

Franz Kopf ist als Altacher Vizebürgermeister zurückgetreten.

Franz Kopf war seit 2007Gemeindevorstand und wurde 2010 zum Vizebürgermeister gewählt. Die Entscheidung, alle seine politischen Ämter in Altach zurückzulegen, stehe im Zusammenhang mit der Volksabstimmung. „Ich habe mich aus der Diskussion zum Kiesabbau als gewählter Mandatar stets herausgehalten. In der jetzigen Situation ist es meiner Meinung nach besser, mein öffentliches Engagement noch klarer von meinem Beruf zu trennen und mich voll und ganz auf das Führen des Kies- und Betonwerks zu konzentrieren.“

Keine Existenzberechtigung

Auch wenn sein Unternehmen durch den Import von Kies kurzfristig nicht gefährdet wäre, habe ein Kieswerk ohne Rohstoffe auf Dauer keine Existenzberechtigung. Zudem würde es ohne Kiesabbau auch keine Verkehrslösung geben. Denn der geplante Autobahnanschluss bei der Raststätte in Hohenems sei nur in Verbindung mit dem Kiesprojekt vorgesehen. „Somit würde ohne Kiesabbau die Verkehrsbelastung für die Bevölkerung insgesamt massiver“, sagt Kopf.

Er ist auch davon überzeugt, dass es den Altachern vor allem um diese Verkehrslösung gehe. Hier brauche es nun vom Land ein Signal, das Problem im Sinne der Altacher Bevölkerung bald in Angriff nehmen zu wollen. Zudem sei eine Deponie- und Rohstoffstrategie notwendig. Denn schließlich habe die Rohstoffstudie des Landes den Bedarf an mineralischen Rohstoffen klar aufgezeigt. Empfohlen wurde darin, möglichst bestehende Abbaufelder zu erweitern. Der Bedarf für Kies sei im Land jedenfalls vorhanden. „Wir haben nie exportiert und würden das auch in Zukunft nicht tun“, sagt Kopf und verweist auch auf das Deponieproblem in Vorarlberg. Viele Baufirmen wüssten bereits gar nicht mehr, wohin mit ihrem Aushub.

Für Wahlkampfzwecke missbraucht

Von den Initiatoren der Volksabstimmung habe bislang niemand mit ihm gesprochen. Er sei mit keiner einzigen Frage konfrontiert worden. „Für mich sieht es so aus, dass der Kiesabbau in Anbetracht der bevorstehenden Gemeindewahl für Wahlkampfzwecke missbraucht wird“, sagt Kopf. Die Bezirkshauptmannschaft könnte bereits in den kommenden ein bis zwei Monaten den Abbaubescheid ausstellen. Auch vonseiten der Naturschutzanwaltschaft gebe es eine positive Stellungnahme. Sie sehe zwar einen Eingriff in die Natur, aber einen begrenzten und kalkulierbaren, sagt der Geschäftsführer. Dass die Bürgerliste zudem auf den Grundwasserschutz poche, sei zwar richtig und positiv. Aber man dürfe in dem Zusammenhang nicht vergessen, dass der Baggersee im Sauwinkel früher als Mülldeponie genutzt wurde.

Drei Monate sind es noch bis zur Volksabstimmung. Ruhige Zeiten werden das nicht, ist Kopf überzeugt: „Es wird ordentlich zur Sache gehen.“