WKÖ-Präsident Mahrer wünscht sich von der Politik mehr Mut zum Risiko

Markt / 12.09.2019 • 07:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wirtschaftskammergeneralsekretär Karlheinz Kopf und Präsident Harald Mahrer. VN/PAULITSCH

„Nach der Zwangspause muss es spätestens Anfang des Jahres klare Entscheidungen geben.“

Schwarzach Es gibt Themen, die liegen den Unternehmen schon lange schwer verdaulich im Magen. Zu viel Bürokratie, zu hohe Steuern, zu wenige Investitionsanreize. Schriftlich belegt wird das auch durch eine aktuelle Analyse der Wirtschaftskammer Österreich. „Die hohe Motivation und die starke Exportorientierung der Vorarlberger Unternehmer führen dazu, dass sie besonders unzufrieden mit der herrschenden Bürokratie sind. Sie wollen noch stärker als andere einen schlanken Staat und vor allem auch Investitionsanreize“, sagt Harald Mahrer, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich. Von einer künftigen Regierung erwarte er sich eine schnelle Umsetzung.

„Nach der Zwangspause muss es spätestens Anfang des Jahres klare Entscheidungen geben. Für ewige Verhandlungen gibt es keinen Spielraum, unabhängig von der Konstellation.“ Welche Präferenzen er hat? „Ich habe keine Koalitionspräferenz. Mir geht es rein um das Programm.“ Darin soll neben den bestehenden Forderungen nach Bürokratieabbau und Steuersenkungen auch der Kapitalmarkt berücksichtigt werden. „Er muss aus dem Dornröschenschlaf geholt werden.“ Das gehe nur mit Investitionsanreizen, ist WKÖ-Generalsekretär Karlheinz Kopf überzeugt. Nur so könnte man Investitionen in Start-ups oder in Klimaschutz vorantreiben. So könnten beispielsweise „grüne“ Finanzprodukte von der KESt befreit werden.

Bereits über ein Viertel der Unternehmer spürt laut Analyse eine Eintrübung am Konjunkturhimmel. „Wer auf den internationalen Märkten zuhause ist, dem zeigen sich erste Auswirkungen. Die Entwicklung in der deutschen Wirtschaft bewegt sich von der Grippe zur Lungenentzündung. Viele geopolitische Risiken wie der Handelskonflikt zwischen den USA und China, die Zinssituation oder die Entwicklung der deutschen Automobilindustrie sind noch nicht abschätzbar.“

Dementsprechend gelte es zu reagieren und sich auch einmal etwas zu trauen. „Die Betriebe sind erfolgreich, weil sie Risiken nehmen. Die Politik wiederum traut sich nicht und pflegt lieber eine Kultur des Beckenrandschwimmens“, sagt Mahrer und empfiehlt ihr eine Methode aus der Start-up-Szene, die er auch in der Wirtschaftskammer anwendet. „Wir probieren kleine Projekte einfach aus. Wenn sie funktionieren, skalieren wir sie auf die gesamte Organisation.“

Im Hinblick auf die Metaller-Herbstlohnrunde ist der Präsident optimistisch. „Heuer orte ich weniger Lärm.“ Die Forderung der Gewerkschaft nach einem Rechtsanspruch für Arbeitnehmer bei der Durchsetzung der Vier-Tage-Woche sieht er allerdings kritisch. „Durch einen Rechtsanspruch verliert man die notwendige Flexibilität. Das ist ein Werkzeug der Vergangenheit. Das Thema sollte man besser auf betrieblicher Ebene bzw. auf Branchenebene lassen.“   

„Kein Basar-Abtauschen“

Wie er die Sozialpartnerschaft in Zukunft sieht? „Kein Basar-Abtauschen, sondern große Lösungsansätze. Zusammen mit der Expertise aus Betrieben, Organisationen und Wissenschaft und unserem Know-how müssen wir ein gemeinsames Ziel entwickeln, wohin sich das Land entwickeln soll.“ Die Politik wäre gut beraten, diese Lösungsvorschläge anzunehmen, ergänzt Karlheinz Kopf.