IWF: Weltweit 15 Billionen Dollar „Phantominvestitionen“

Markt / 17.09.2019 • 12:57 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Wien Der Geldzufluss in Steueroasen steigt ungebremst. Weltweit wurden 2017 rund 38 Billionen Dollar (34,5 Billionen Euro) im Ausland angelegt, davon entfielen 15 Billionen Dollar (38 Prozent) auf „Phantominvestitionen“, denen keine wirtschaftliche Tätigkeit im Empfängerland gegenüberstand, heißt es in einem IWF-Bericht, auf den Attac am Dienstag aufmerksam machte.

Laut Studie des Internationalen Währungsfonds mit der Universität Kopenhagen hat sich der Anteil der „Phantominvestitionen“ an allen Auslandsinvestitionen seit 2010 von rund 31 Prozent auf nunmehr 38 Prozent erhöht. Größte Empfängerländer weltweit sind die EU-Staaten Luxemburg und Niederlande, wohin zusammen fast die Hälfte des Phantomgeldes fließt. Zehn Staaten (Luxemburg, Niederlande, Hongkong, Virgin Islands, Bermuda, Singapur, Cayman Islands, Schweiz, Irland und Mauritius) bekommen 85 Prozent der weltweiten Zuflüsse.

Die globalen Phantominvestitionen von 15 Billionen Dollar entsprechen dem BIP von China und Deutschland zusammen. Allen Bemühungen um eine Verringerung der Steuerflucht zum Trotz nehmen Phantominvestitionen schneller zu als produktive Auslandsinvestitionen.

Die meisten Steueroasen locken Investoren mit niedrigen oder inexistenten Unternehmenssteuern. Irland etwa hat seit den 1980er Jahren seine Körperschaftssteuer von 50 auf 12,5 Prozent gesenkt – und trotzdem ist der Anteil der Körperschaftssteuer am Bruttoinlandsprodukt (BIP) gestiegen. 2015 wies Irland ein BIP-Wachstum von 26 Prozent aus, nachdem einige multinationale Konzerne ihre Rechte an geistigem Eigentum auf die Grüne Insel verlagert hatten. „Diese Strategie mag Irland helfen, aber sie erodiert die Steuerbasis anderer Länder“, heißt es im IWF-Bericht. Außerdem führt das weltweit zu einer Abwärtsspirale bei den Unternehmenssteuern: Der globale Durchschnittssatz fiel zwischen 1990 und 2017 von 40 auf 25 Prozent.

„Die Studie zeigt: Die Steuertricks von Konzernen sind nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Es sind zudem nicht ferne Karibikinseln, die dieses System stützen, sondern wichtige EU-Staaten. Daher liegt es auch an den EU-Regierungen, hier endlich den nötigen politischen Druck auf Steuersümpfe wie Luxemburg, die Niederlande aber auch Irland auszuüben“, erklärt Kai Lingnau von Attac Österreich. Als ersten Schritt brauche es mehr Transparenz bei Konzernsteuern in der EU. Außerdem müssten Konzerne ihre Gewinne dort versteuern, wo sie wirtschaftlich tätig sind. APA