Preissprung an der Zapfsäule

Markt / 17.09.2019 • 18:30 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Der Bürgerkrieg in Jemen und der Angriff der Huthi-Rebellen auf die saudiarabische Erdölinfrastruktur kommen unmittelbar beim Endverbraucher an. APA

Nach Angriff auf Saudi-Ölanlagen werden Heizöl und Treibstoff auch in Vorarlberg teurer.

Schwarzach Der Krieg, den die Saudis gegen die jemenitischen Huthi-Rebellen führen, hat Auswirkungen auf die ganze Welt. Der Drohnenangriff auf zwei Ölanlagen im Königreich führte zum höchsten Sprung des Ölpreises seit Beginn des Golfkriegs vor 30 Jahren: Um 20 Prozent stieg der Preis für ein Fass Nordseeöl seit Freitag und pendelte sich bis Dienstag bei zehn Prozent ein. Das macht sich nach einer kurzen Schockpause auch an den Zapfsäulen im Land bemerkbar. Die Preise schießen nach oben, obwohl akut nicht mit Lieferengpässen zu rechnen ist. Die Lager sind nämlich gut gefüllt. Allein in Österreich reichen, so Ölexperte Hannes Loacker von Raiffeisen Capital Management (RCM),  die Reserven für rund 90 Tage, so hoch ist die Pflichtnotstandsreserve im Land. Die USA horten 600 Millionen Barrel (im internationalen Gebrauch wird das US-amerikanische Barrel mit 158,987 Litern verwendet), die Präsident Donald Trump im Bedarfsfall freigeben wolle, insgesamt sind zwei Milliarden Barrel in den Tanks gebunkert.

Wie teuer wird Treibstoff?

Die Preise an den Tankstellen werden wohl oder übel steigen. Allerdings ist quasi Luft nach oben, denn Öl ist im vergangenen Jahr ordentlich gesunken. Öl ist um 23 Prozent billiger als 2018. Der Preisanstieg betrifft allerdings nicht die Steuern, die sind in Österreich nämlich fix, für einen Liter Benzin betragen sie 48 Cent, für einen Liter Diesel 39,7 Cent. Damit schneidet der Staat entgegen der landläufigen Meinung bei der Preiserhöhung nicht zusätzlich mit, aber immerhin fließt über ein Drittel des Endverbraucherpreises an den Finanzminister.

„Die höheren Rohölpreise werden in den nächsten Tagen eingepreist.“

Peter Aberer, Fachgruppenobmann Energiehandel Vorarlberg

Der Ölpreis schlage also nur etwa zur Hälfte auf die Treibstoffpreise durch, führt Loacker aus. Erhöht werden können die Preise an den Zapfsäulen nur ein Mal täglich, und zwar um 12 Uhr. Preissenkungen hingegen können jederzeit durchgeführt werden. Die Preissteigerungen werden zwischen vier und fünf Prozent betragen, gibt der Obmann des Vorarlberger Energiehandels, Peter Aberer, Auskunft. Ob die Erhöhung schrittweise durchgeführt wird oder auf einmal erfolgt, könne er bislang nicht sagen, so der Energiehändler.

Heizöl jetzt einlagern

Wer nicht bereits im Sommer seinen Tank zu Hause gefüllt hat, der muss schon jetzt mehr zahlen. Vier Cent beträgt die Preissteigerung pro Liter Heizöl, so Aberer. Wer mit niedrigeren Preisen spekuliert hat, hat jedenfalls jetzt das Nachsehen. Dennoch rät Aberer, jetzt einzulagern, um weiteren Preissteigerungen zuvorzukommen. Zu einem Engpass kommt es auch bei Heizöl nicht, verspricht der Ölhändler. „Für Panik gibt es allerdings überhaupt keinen Grund“, beruhigt Aberer. Es sei genug Öl vorhanden, zu einem echten Engpass kommt es nicht.

Einfluss auf die Wirtschaft

Je nachdem, wie lange die Preise nach oben gehen, wird sich das in einer höheren Inflation zeigen, die schlussendlich  das Wachstum bremst. Doch die Auswirkungen sind laut Stefan Bruckbauer, Chefökonom der Bank Austria, überschaubar. „Ein kurzfristiger Ausschlag des Rohölpreises in Richtung 100 US-Dollar pro Barrel würde die Inflation in Österreich nur wenig beeinflussen. Die Inflation würde zum Jahresende auf über zwei Prozent im Jahresvergleich steigen. Im Jahresdurchschnitt 2019 würde die Teuerung gegenüber den aktuell erwarteten 1,7 Prozent nur um rund einen Zehntelprozentpunkt höher liegen. Falls die Preisverwerfungen jedoch länger anhalten, wäre für die Inflation in Österreich insbesondere für 2020 mit einem deutlich höheren Auftrieb zu rechnen, mit entsprechend negativen Wachstumseffekten.“

Angriffe auf Ölfelder und Raffinerien

Ein Angriff, wie ihn die Huthi-Rebellen mit oder ohne Unterstützung des Irans durchführten, kann jederzeit wieder stattfinden und zeigt, wie verwundbar die internationale Wirtschaft ist. Zu verhindern sind diese Angriffe auf die Infrastruktur nicht, es sei denn, die Konfliktparteien, im aktuellen Fall Saudi-Arabien, die jemenitischen Huthis sowie der Iran und die USA, können sich auf einen Waffenstillstand bzw. Friedensvertrag einigen. Doch danach sieht es nicht aus. Der Sprecher der Huthis, Jihja Sari, drohte mittlerweile jedenfalls mit weiteren Drohnenangriffen, die Saudis haben ein Hilfsangebot des russischen Präsidenten Wladimir Putin erhalten, und US-Präsident Donald Trump lehnt Verhandlungen mit dem Iran weiterhin ab.

Mineralölbranche in Österreich

11,28 Millionen Tonnen Mineralölverbrauch im Jahr 2018

2699 Tankstellen im gesamten Bundesgebiet

0,68 Mill. Tonnen Erdöl wurden 2018 in Österreich gefördert

94,7 Millionen Barrel werden täglich weltweit gefördert

Branchenreport Mineralöl 2018 der WKÖ