Jetzt wird die Perspektive gewechselt

Markt / 20.09.2019 • 22:23 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Unternehmer Hubert Rhomberg, Martin Ohneberg, Christine Schwarz-Fuchs und Heinz Senger-Weiss wollen die Bevölkerung verstärkt ins Boot holen. IV
Die Unternehmer Hubert Rhomberg, Martin Ohneberg, Christine Schwarz-Fuchs und Heinz Senger-Weiss wollen die Bevölkerung verstärkt ins Boot holen. IV

Die Industrie weiß um den Beitrag für den Standort Vorarlberg, die Bevölkerung weniger. Das soll sich nun ändern.

Lustenau Es gibt immer eine Innensicht wie auch eine Außensicht. Die Vorarlberger Industrie weiß um ihre Bedeutung für den Standort Vorarlberg und um ihre Leistung hinsichtlich Arbeitsplätzen, Nachhaltigkeit, Wertschöpfung und Export. Aber wie sieht das die Bevölkerung?

Das Präsidium der Industriellenvereinigung (IV), bestehend aus Präsident Martin Ohneberg und den Vizepräsidenten Hubert Rhomberg, Christine Schwarz-Fuchs und Heinz Senger-Weiss, hat im Zuge der Ausarbeitung ihrer Arbeitsschwerpunkte auch eine Umfrage in der Bevölkerung zum Image der Industrie in Auftrag gegeben. Mit spannenden Details.

Denn während die Befragten den Beitrag der Industrie hinsichtlich Arbeitsplätzen und Lehre deutlich positiv sehen, sieht das bei ihrem Beitrag für das Gemeinwohl anders aus. Ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung hat dazu keine Meinung oder sieht das anders. „Wir müssen unsere Leistungen noch mehr in die breite Bevölkerung transportieren“, so Ohneberg.

Wirtschaftskritische Jugend

Über ein Drittel ist zudem der Meinung, dass es mit dem Wirtschaftswachstum „auch einmal genug sein muss.“ Während die ältere Generation eher wirtschaftsfreundlich eingestellt ist, sind die Jüngeren kritischer. Auch hier gelte es zuzuhören und Vorurteile aufzulösen, sagt Heinz Senger-Weiss. Dazu müssten standortrelevante Themen auch aus Sicht der Mitarbeiter und der Bevölkerung erklärt werden. „Gerade bei Infrastrukturprojekten müssen sie von Beginn an proaktiv eingebunden und aufgeklärt werden. Am Ende des Prozesses muss dann eine klare politische Entscheidung getroffen werden, die breit getragen ist“, betont Senger-Weiss.

Den Standort Vorarlberg sieht die IV indes insgesamt solide aufgestellt. Einige dringende Themen seien angegangen worden. Dazu zähle die überörtliche Raumplanung, die Marke, das Raumbild, das Mobilitätskonzept oder die angedachte Hochschulkooperation mit der HSG St. Gallen auf. Dennoch gebe es noch offene Punkte.

Für Hubert Rhomberg sind das zum einen aktuelle Themen und Trends. Die öffentliche Hand dürfe sich nicht vor innovativen, unorthodoxen Herangehensweisen scheuen. Zugleich müssten sich auch Unternehmen mehr öffnen, heißt, ihr Wissen teilen. „Mit der Plattform V haben wir bereits 35 Unternehmen an Bord mit denen wir eine offenere Innovationskultur schaffen wollen“, sagt Rhomberg.

Frauen motivieren

Ein wichtiger Punkt ist auch das Thema Fachkräfte. „Mit 1,5 Kindern pro Familie und einer höheren Lebenserwartung ist es vorprogrammiert, dass der Fachkräftemangel noch eklatanter wird“, fordert Christine Schwarz-Fuchs neue Strategien. „Gut ausgebildete Frauen müssen stärker in deie Arbeitswelt eingebunden werden. In Vorarlberg arbeiten 51 Prozent der erwerbstätigen Frauen in Teilzeit, im EU-Schnitt sind es 32 Prozent.“ Um mehr Lust auf eine Vollzeitanstellung zu machen, brauche es aber einen deutlichen Ausbau der Kinderbetreuungsplätze, eine Ausweitung der Öffnungszeiten und eine Reduzierung der Schließtage. „Neben einer Stärkung der frühkindlichen Förderung würde dies auch zur Reduzierung der Altersarmut beitragen“, so die Unternehmerin. Zudem brauche es qualifizierte Zuwanderer. „Sie nehmen keine Jobs weg, sondern helfen, diese in Vorarlberg zu halten.“ Das Thema sei zwar unpopulär, aber man könne nicht erwarten, dass alles wie bisher weiterlaufe. „Wer soll die Arbeit erledigen und die Steuern zahlen? Ohne Fachkräfte wird Vorarlberg nicht mehr zu den Exportweltmeistern gehören und fehlende Steuereinnahmen werden letztlich auch zu einem gesellschaftlichen Problem“, erklärt Schwarz-Fuchs.

Bei allen drängenden Themen will die IV nun die Bevölkerung mit ins Boot holen. Ihr Credo des Perspektivenwechsels: „Wir müssen die Wirtschaft und die Industrie in die Herzen der Menschen bringen.“ VN-reh