Hubert Rhomberg

Kommentar

Hubert Rhomberg

Mobilität verstehen und schnell handeln

Markt / 20.09.2019 • 22:23 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Vier Bahnlinien, über 100 Buslinien, alle reibungslos aufeinander abgestimmt, (fast immer) pünktliche Abfahrtszeiten und nicht zuletzt günstige Preise: Wir Vorarlberger wissen oft gar nicht richtig zu schätzen, was für einen guten öffentlichen Nahverkehr wir haben. Zu verdanken haben wir das zuvorderst dem VVV samt Bahn. Daher an dieser Stelle mal ein großes Kompliment an alle Beteiligten und vor allem auch an den politischen Willen dahinter.

Allerdings sollten wir uns auf dem Erreichten nicht ausruhen. Der Verkehr nimmt auch in Vorarlberg kontinuierlich zu. Mit den heute angewendeten Mitteln alleine wird das prognostizierte jährliche Verkehrswachstum von drei Prozent zu Dauerproblemen in der Mobilität führen. Hinzu kommt die fehlende Anbindung an die Angebote in den Nachbarregionen. Wir sollten schon heute beginnen, über Ergänzungen und Alternativen nachzudenken. Dazu zählt ganz sicher der weitere Ausbau des öffentlichen Verkehrs, vor allem im Rheintal. In diesem Zusammenhang: So langsam gehen wirklich die Argumente gegen die Ringstraßenbahn aus, die viel Verkehr von der Straße nehmen würde und auch oft schneller ist.

Weitere gute Ansätze sind Carsharing- oder, noch weitergedacht, Ridesharing- und „On Demand“-Angebote, die auf temporäre Fahrgemeinschaften bzw. Mobilitätsangebote auf Abruf setzen, ebenfalls die Straßen entlasten und zudem etliche Parkplätze überflüssig machen würden. Schließlich wären Auto, Bus und Co. dann tatsächlich Fahr- und keine Stehzeuge. Mit Mobility-V ist eine Gruppe engagierter Unternehmen dabei, ein solches Angebot aufzusetzen. Gleichzeitig muss darüber nachgedacht werden, die sanfte Mobilität des Fußweges und des Fahrrads zu fördern. Idealerweise packen wir all diese Verkehrsmittel in eine einfache App und machen sie so transparent: Der Kunde gibt Start- und Zielort ein und bekommt die für ihn schnellste, bequemste und/oder günstigste Route geliefert. Auch in der Stadt- und Raumplanung muss der Mobilitätsgedanke viel stärker einfließen. Denken wir an verdichtete Stadtzentren, in denen alle Einrichtungen des täglichen Bedarfs in Laufweite liegen und die Autos überflüssig machen.

All das erfordert allerdings ein breites Verständnis über aktuelle und zukünftige Verkehrsträger, deren Vernetzung (Mobilitätskette) und ein entsprechend langfristiges Vorstellungsvermögen. Das ist im Land breit vorhanden, jetzt muss nur noch konsequent und rasch umgesetzt werden.

„Wir sollten schon heute beginnen, über Ergänzungen und Alternativen nachzudenken.“

Hubert Rhomberg

markt@vn.at

Hubert Rhomberg ist Baumeister und Geschäftsführer der Rhomberg Holding.