Wenn der smarte Assistent die Einkäufe erledigt

Markt / 21.09.2019 • 10:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Karin Frick vom GDI, dem Gottlieb Duttweiler Institut aus Zürich. VN/LERCH

Wie der technologische Fortschritt und neue Gewohnheiten den Handel verändern werden.

Schwarzach Karin Frick hat die Zukunft fest im Blick. Sie forscht am Gottlieb Duttweiler Institut in Zürich an den Trends in Wirtschaft, Gesellschaft und Konsum. Nun hat sie zusammen mit der Beratungsfirma KPMG untersucht, wie veränderte Gewohnheiten und technischer Fortschritt die Rahmenbedingungen für den Handel verändern werden, in der Zukunft, also in 15 bis 20 Jahren.

„Smarte Assistenten werden für uns die Einkäufe erledigen“, sagt Frick., gerade wenn es um Produkte gehe, die den Grundbedarf der Versorgung decken. „Das wird automatisch funktionieren, aber natürlich nach Maß. Das heißt, der Assistent kennt meine Anforderungen und Gewohnheiten sowie mein Budget.“ Somit bekomme die Versorgung einen starken technischen Fokus. „Nicht jeder Produzent braucht einen Laden, aber dafür eine intelligente Logistik.“

Für den Supermarkt bedeute das allerdings nicht das Ende. Aber auch er wird sich verändern. Ähnlich wie den Läden von Amazon, wo die eingekauften Artikel mittels Sensoren und Kameras erfasst und nach dem Verlassen automatisch berechnet werden. „Ein Lebensmittelgeschäft kann dann 24 Stunden geöffnet haben, an acht Stunden ist Personal anwesend, in der restlichen Zeit nicht. Das führt dazu, dass auch in ländlichen Regionen wieder Läden betrieben werden können“, sagt Frick. Zudem erübrige das auch die Diskussion um Ladenöffnungszeiten.

Insgesamt wird sich der stationäre Handel verändern. „Aber niemand wird nur mehr ein stationäres Geschäft haben, sondern es wird gekoppelt an eine smarte Logistik sein. Bestehende Unternehmen müssen sich also anpassen und neue Formate und Nischen finden“, weiß die Expertin und ist sich bewusst, dass sie in ihren Studien das Extremszenario aufzeigt. „Es soll auch ein Weckruf sein, radikal weiterzudenken.“ Nichts davon passiere plötzlich, sondern in verschiedenen Entwicklungsstufen. Aber wer überhaupt nicht bereit sei, sich zu verändern, der verschwinde.

„Der Vorarlberger Handel ist in den Wandel eingetreten und wird das weiter forcieren“, sagen Dietmar Mostegl und Michael Hollersbacher, Obmann und Geschäftsführer des Vorarlberger Versand- und Internethandels. Die Zahl der Webshops nehme zu. Zudem seien die Attribute des heimischen Handels, mit Produkten einen Mehrwert zu erzeugen und damit zu begeistern. Das habe auch in Zukunft Bestand.

Der persönliche Kontakt bleibe wichtig, ist auch Karin Frick überzeugt, wenn auch in geänderter Form. Die smarten Assistenten werden uns emotional verstehen. „Bin ich traurig, schlägt er mir vor Schokolade oder ein neues Kleid zu kaufen“, gibt Frick ein Beispiel. Aber es gebe Bereiche, in denen Menschen auch Menschen wollen. Nicht nur in Cafés oder Restaurants, sondern auch in Geschäften. „Aber da gibt es in Zukunft vielleicht nicht mehr den klassischen Verkäufer. Vielmehr wird Einkaufen mehr zum Ereignis, wo der Designer vor Ort ist oder Tastings stattfinden.“

Kein Kampf alt gegen neu

Letztlich sei es eine Kombination aus analog und digital. Dass sich das nicht konkurrenzieren muss, zeige sich an der Zimmervermittlungsplattform Airbnb, die nun vermehrt mit Hotels zusammenarbeite, um auch Dienstleistungen anbieten zu können. Somit sei es kein Kampf alt gegen neu, sondern die Frage, wie man die neuen Möglichkeiten entsprechend für sich nutze.