Ausruhen gilt nicht

Markt / 26.09.2019 • 22:21 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Im Laufe der Zeit: Das Firmenareal von Deuring in Hörbranz im Jahr 1959 und heute (inklusive der Tankstelle). Volare/Deuring

Im Laufe der Zeit: Das Firmenareal von Deuring in Hörbranz im Jahr 1959 und heute (inklusive der Tankstelle). Volare/Deuring

Chemieproduktehändler Deuring feiert 100 Jahre und hat für die Zukunft große Pläne.

Hörbranz Vor 100 Jahren begann Karl Deuring am Standort Hörbranz den Handel mit chemisch-technischen Produkten für die Textilindustrie und legte damit den Grundstein. Sieben Jahre später kam die Stärkeproduktion hinzu. Deuring baute in der Folge die erste österreichische Maisstärkefabrik auf. Eine weitere Pionierleistung war es, als es im Jahr 1934 gelang, als erste europäische Fabrik kristalline Dextrose für die Nahrungsmittelindustrie herzustellen.

Nach die Zerstörung durch den zweiten Weltkrieg, galt es dann, neu durchzustarten. Dass das gelang, zeigt die Tatsache, dass Deuring 1949 die Errichtung einer Holztribüne für 8000 Zuschauer der Bregenzer Festspiele übernahm. Sohn Eduard Karl Deuring, der 1963 ans Ruder des Unternehmens trat, leistete dann vor allem mit der Modernisierung von Produktion und Maschinenpark einen wichtigen Beitrag. Durch diese Investition konnte die Produktion verdreifacht werden.

Stärkeproduktion verkauft

Im Jahr 2002 wurde schließlich die Stärkeproduktion an die Agrana-Gruppe verkauft. Eine Entscheidung aufgrund der großen Konkurrenz durch Konzernriesen in diesem Bereich. Dafür wurden der Chemieproduktehandel sowie das Tankstellengeschäft sukzessive ausgebaut. Zudem wurde damit begonnen, die Produkte zu veredeln und eigene Produktlinien zu initiieren.

Seit 2015 steht Patrick Deuring an der Spitze des Unternehmens. Nach Querelen um das Erbe innerhalb der Familie blickt man nach vorne. Deuring beliefert verschiedenste Branchen von der Galvanik bis hin zur Lebensmittel- und Verpackungsindustrie. Im entsprechend breit gefächerten Angebot und den unterschiedlichen Branchenstandards liegen auch die größten Herausforderungen, sagt Tobias Männel, Teamleiter für den Chemikalienhandel, im VN-Gespräch.

60 Prozent des Umsatzes setzt das Unternehmen in Vorarlberg um, 25 Prozent in Süddeutschland sowie 10 Prozent in Tirol. Die Ostschweiz liegt noch bei unter fünf Prozent. Hier will man künftig aber wieder verstärkt aktiv werden. Zudem gehen die Deuring-Spezialitäten auch in verschiedene andere EU-Staaten sowie bis in die Emirate. Mit 20 Mitarbeitern im Chemiehandel und 15 bis 20 im Tankstellengeschäft wird ein Umsatz von 25 Mill. Euro erzielt.

Die Konkurrenz ist zweifelsohne vorhanden, allerdings sieht sich das Hörbranzer Unternehmen gut aufgestellt. „Vor allem aufgrund des eigenen Lagers mit 30.000 Quadratmeter Fläche und den logistischen Vorteilen“, so Männel. So könne man den Kunden eine hohe Produktverfügbarkeit gewährleisten.

Gerade wurde bei Deuring in den Fuhrpark investiert, neue Vertriebsmitarbeiter wurden eingestellt. Nun soll vor allem die Veredelung der Produkte weiter vorangetrieben werden. Zudem will man für kundenspezifische Entwicklungen verstärkt kleine Abfüllungen anbieten.

Biozertifizierung

Die langjährige Erfahrung und das Know-how könnten bald auch in Produktlinien für den Einzelhandel fließen, berichtet Männel. Ein weiterer Meilenstein werden die biozertifizierten Reinigungsmittel für die Industrie sein, die im kommenden Jahr auf den Markt gebracht werden sollen. „Die Zertifizierung zusammen mit einer Performance, die anderen Mitteln um nichts nachsteht, wäre ein Novum“, sagt Männel über die neuen Projekte, die das Unternehmen im Köcher hat. „Wir haben einiges geplant und ruhen uns nicht auf der Geschichte aus.“ VN-reh