Thomas-Cook-Pleite: 800 Vorarlberger zittern um Geld und Rückkehr

Markt / 26.09.2019 • 07:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ratlosigkeit, Ärger, Müdigkeit: Unter den Tausenden gestrandeten Urlaubern (Bild: Flughafen Heraklion) sind auch Hunderte Vorarlberger. REUTERS

Chaos an Flughäfen und in Hotels: Vorarlberger von Hoteliers erpresst.

Schwarzach, Wien „Das ist ein unglaubliches Chaos“, stöhnt Klaus Herburger, Sprecher der Vorarlberger Reisebüros und Geschäftsführer des größten Vorarlberger Reisebüros. Seit Tagen sind er und seine Branchenkollegen damit beschäftigt, den Vorarlberger Urlaubern im Ausland beizustehen und für die noch ausständigen Reisen Alternativen anzubieten.

800 Geschädigte im Land

Zwischen 700 und 800 Vorarlberger bzw. Kunden der Reisebüros („Wir haben auch viele Schweizer, die bei uns buchen“, so Herburger) sind von der Riesenpleite betroffen. Und etwa 200 Vorarlberger sitzen auf Flughäfen oder in Hotels fest. Wenn sie denn nicht aus den Hotels geworfen werden. Das ist Natalie Ferk und ihrem Freund Mario Fröhlich auf Mallorca passiert. Als sie von einem Bummel zurück ins Hotel kamen, funktionierte die Karte fürs Zimmer nicht mehr. Gesperrt. Sie sollten 1087 Euro bezahlen, um wieder in ihr Zimmer zu kommen. Gut 200 Euro mehr als die Pauschalreise bei der  Buchung überhaupt gekostet hat, schildert Ferk ihr schlimmes Ferienerlebnis. Als sie nicht bereit waren zu zahlen, wurden sie mit Schimpf und Schande aus dem Hotel getrieben: „Verschwinden Sie“, bekamen die Vorarlberger vom Hotelportier zu hören.

Natalie Ferk.

Als wir nach einem Ausflug ins Hotel zurückkamen, funktionierte die Zimmerkarte nicht mehr. Man verlangte von uns 1089 Euro, die wir nicht bezahlten. Daraufhin wurden wir regelrecht hinausgejagt aus dem Hotel. Das Vorarlberger Reisebüro besorgte uns ein neues Zimmer.

Natalie Ferk, Mario Fröhlich dzt. Mallorca

Ferk und Fröhlich sind inzwischen in einem anderen Hotel untergekommen. Organisiert wurde es von ihrem Bregenzer Reisebüro via Bregenz. „Wir haben das auf eigenes Risiko gemacht, aber uns ist wichtig, dass die Kunden bestmöglich betreut werden“, so Herburger, der darauf hinweist, dass auch die anderen Vorarlberger Reisebüros alles tun, um ihre Kunden schadlos zu halten. Bedeutet: Sie buchen um, sie strecken Kosten vor und betreuen die Vorarlberger. Die Mitarbeiter in den Vorarlberger Reisebüros gehen, so Herburger, an ihre Grenzen, um dem Pleite-Chaos Paroli zu bieten. Besonders Hotels wollen die Urlauber nochmals zur Kasse bitten bzw. verweigern die Unterbringung. „Wir haben auch in Österreich solche Fälle, ein Kunde bekommt seine Unterkunft in Wien nicht ohne neuerliche Zahlung.“ In der Türkei sollte ein Vorarlberger sogar 1700 Euro im Hotel abliefern, um die schon bezahlte Unterkunft auch nutzen zu können. Besonders ärgern wird sich der Kunde, der bereits im Februar wegen des Germania-Groundings am Boden blieb.

800 Geschädigte im Land

In Vorarlberg hat sich das Lochauer Hotel Kaiserstrand inzwischen an die Gäste gewandt und teilt mit, dass es derzeit keine Buchungen und Voucher von Thomas-Cook-Marken annehmen werde bzw. nur wenn das Zimmer vor Ort bezahlt wird. Wegen der Forderungen möge man sich an Thomas Cook wenden. Das geht ab sofort ein Stück einfacher, denn am Mittwoch haben auch Thomas Cook Deutschland und die 100-Prozent-Tochter Thomas Cook Österreich den Weg zum Insolvenzgericht angetreten. Zuversicht versprüht Reisebüro-Unternehmer Herburger dennoch nicht, denn richtig organisiert sei nichts. Der Einzige, der an eine Zukunft glaubt, ist derzeit Thomas-Cook-Austria-Vorstand Ioannis Afukatudis: „Wir sind zuversichtlich, dass es eine Zukunft für den sehr erfolgreichen Standort Österreich geben wird.“

Wir sind seit Montag nur am Telefonieren und versuchen unseren Kunden zu helfen. Das geht allen Vorarlberger Reisebüros so, aber wir sind am Limit. Das Ganze ist ein Chaos, wie ich es noch selten erlebt habe. Und jetzt kommen die Herbstferien, die von vielen Kunden gebucht wurden.

Klaus Herburger, Obmann der Fachgruppe Reisebüros

Nicht einmal die Thomas Cook-Fluglinie Condor sei bereit, die gestrandeten Menschen wieder nach Hause zu bringen. Und das trotz des von der deutschen Bundesregierung gewährten Überbrückungsdarlehens in Höhe von 380 Millionen Euro. Auch sei nicht klar, in welcher Höhe Thomas Cook überhaupt abgesichert sei, ob alle Forderungen der Urlauber auch erfüllt werden können. „Wenn die Sicherung nicht hoch genug ist, wird man das Ministerium in die Mangel nehmen müssen“, droht der Vorarlberger Branchenobmann.

Informationen und Hilfe

24-Stunden-Serviceline: AWP P&C S.A. + 43 1 525 03 681, Mail: thomascook.at@allianz.com, Pnr. 02-1034065014-0. Infos beim Reisebüro oder AK-Konsumentenschutz.