In neuen Höhen

Markt / 30.09.2019 • 22:16 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Doppelmayr in Japan (l.), in Bolivien sowie in Willingen (D).doppelmayr

Doppelmayr in Japan (l.), in Bolivien sowie in Willingen (D).doppelmayr

Doppelmayr-Geschäftsjahr bringt Umsatzrekord von 935 Millionen Euro.

Wolfurt In den vergangenen Tagen kamen bei Doppelmayr zwei bewegende Ereignisse zusammen. Zum einen wurde das größte zusammenhängende urbane Seilbahnnetz der Welt mit zehn Seilbahnlinien und einer Gesamtlänge von 30 Kilometern im bolivianischen La Paz offiziell fertiggestellt. Genauso war es der offiziell letzte Arbeitstag von Michael Doppelmayr und Hanno Ulmer nach 25 Jahren an der Spitze der Doppelmayr Holding. Sie übergeben ihre Agenden als geschäftsführende Direktoren an die beiden langjährigen Mitarbeiter Thomas Pichler und István Szalai und wechseln nun in den Verwaltungsrat der Unternehmensgruppe.

Ihren Abschied hätten sie zumindest betriebswirtschaftlich kaum optimaler gestalten können. Nämlich mit einem Rekordumsatz in Höhe von 935 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2018/19. Das bedeutet ein Plus von 10,5 Prozent. Zudem machte das Ergebnis nach Steuern einen fast 40-prozentigen Sprung auf 141,4 Millionen Euro. Es sei das bislang größte Plus im Ertragsbereich.

Oberhalb des Verkehrs

Das vergangene Geschäftsjahr war deshalb so erfolgreich, weil neben Bolivien zahlreiche weitere investitionsstarke Aufträge zur Abrechnung kamen. In der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá wurde ebenfalls ein städtisches Seilbahnprojekt umgesetzt. „Diese urbanen Seilbahnen in Südamerika leisten verkehrstechnisch einen wichtigen Beitrag. Zudem haben sie auch eine soziale Komponente. In La Paz beispielsweise verkürzt die Seilbahn die Arbeitswege der Menschen von zwei Stunden auf zwanzig Minuten. Das führt dazu, dass sie am Abend nach der Arbeit nach Hause fahren können und nicht in der Stadt bleiben müssen“, erklärt Michael Doppelmayr.

Zudem wurden im vergangenen Geschäftsjahr eine Bahn auf einen der fünf heiligen Berge Chinas sowie eine Materialtransportanlage in Südafrika realisiert. Und dennoch: Der Winter bleibt für den Seilbahn-Weltmarktführer mit einem Anteil von 70 Prozent nach wie vor der wichtigste Umsatzbringer. Im vergangenen Geschäftsjahr wurden entsprechende Projekte in Saalbach, Maria Alm, in Japan oder in Montana (USA) umgesetzt. Zudem werden im laufenden Geschäftsjahr Seilbahnen am Gletscher von Kaprun, im Kaunertal, im schweizerischen Grindelwald sowie ins Skigebiet Zagreb realisiert. Abseits der Piste hat Doppelmayr Aufträge in Mexiko City für ein städtisches Seilbahnnetz sowie in Haifa (Israel) für eine Zubringerbahn zur Universität lukrieren können.

Bei uns dauert es noch

Wann es in deutschen oder österreichischen Städten solche urbanen Seilbahnlinien wie in Süd- und Mittelamerika geben wird? „Urbane Projekte brauchen gewisse Entscheidungsmechanismen. Das ist in Europa schwieriger. Seilbahnen stehen zwar mittlerweile bei Städteplanern mehr im Fokus, aber es wird schon noch Zeit brauchen“, sagt Michael Doppelmayr.

Auch in Asien tue sich in dem Bereich noch wenig. Hier baue man bislang vor allem Bahnen zu Sehenswürdigkeiten. Vietnam ist momentan der zweitgrößte Einzelmarkt für die Wolfurter Unternehmensgruppe. „Wenn wir dort noch jemanden finden, der einen Schlepplift baut, wären wir mit all unseren Seilbahnsystemen vertreten“, so Michael Doppelmayr. Auch in China bediene man hauptsächlich den Sommertourismus. Ob die Volksrepublik künftig auch zu einer Skifahrernation werde, sei noch schwer abschätzbar. Das werde man erst nach den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking sehen. VN-reh

Hanno Ulmer und Michael Doppelmayr wechseln in den Verwaltungsrat. Doppelmayr
Hanno Ulmer und Michael Doppelmayr wechseln in den Verwaltungsrat. Doppelmayr