Wie ein Phönix aus der Asche

Markt / 30.09.2019 • 19:44 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Stefan Pierer weiß nur zu gut, was unternehmerisches Risiko bedeutet. KTM
Stefan Pierer weiß nur zu gut, was unternehmerisches Risiko bedeutet. KTM

KTM-Chef Stefan Pierer spricht beim 36. Vorarlberger Wirtschaftsforum in Bregenz.

Schwarzach KTM-Konzernchef Stefan Pierer wird zum Vorarlberger Wirtschaftsforum einen Rucksack an Erfahrungen auspacken. Er spricht zu Risiken und Chancen bei Firmenübernahmen und richtet den Blick in die Zukunft. Seine Erfahrungen, wie man aus einer maroden Firma ein zukunftsfittes Unternehmen gestaltet und dieses an die Weltspitze bringt, sind wertvoll für jeden Unternehmer.

Der gebürtige Steirer Stefan Pierer übernahm KTM Anfang der 1990er-Jahre – nachdem der Pleitegeier dort gewütet und den oberösterreichischen Motorradhersteller in die Knie gezwungen hatte. Aus dem Bankrottunternehmen ist inzwischen das größte Motorradwerk Europas und ein Global Player geworden. Was dem Konzernchef Stefan Pierer da gelungen ist, das gilt als ein Paradebeispiel dafür, was mit unternehmerischem Geschick, Mut zum geschäftlichen Risiko, gekonnter Mitarbeiter-Motivation, dem richtigen Riecher, aber auch mit der Leidenschaft für die jeweilige Branche – in diesem Fall für den Motorsport – geschaffen werden kann.

Stefan Pierer war Ende der 1980er im sogenannten Restrukturierungsgeschäft aktiv, wollte 1992 für KTM die Weichen neu stellen und das Unternehmen dann weitergeben. Er blieb dem Innviertler Unternehmen jedoch verbunden und schaffte den Turnaround. Inzwischen hat Pierer längst weitere passende Firmen hinzugekauft oder übernommen und diese wieder auf die Erfolgsschiene gestellt.

Marktführerschaft übernommen

Mit den weltweit bekannten Marken KTM, Husqvarna Motorcycles und WP zählt die KTM Industries AG in ihren Segmenten heute jeweils zu den Technologie- und Marktführern. Innerhalb der Gruppe pflegt das Unternehmen einen hohen Grad an technologischer Vernetzung – in dieser Form wohl einzigartig in Europa. Strategische Partnerschaften auf operativer Ebene stärken die Wettbewerbsfähigkeit in relevanten Märkten. Denn das Wachstum kommt aus den Emerging Markets, sagt Pierer. Zum sogenannten „aufstrebenden Markt“ zählen etwa große Staaten wie China und Indien, jedoch auch kleinere osteuropäische Staaten wie Bulgarien und Rumänien sowie lateinamerikanische Länder. Kein Zufall also, dass Pierer seit mittlerweile zwölf Jahren mit einem indischen Partner aus einer hoch angesehenen Industriedynastie kooperiert. Der indische Motorradhersteller Bajaj war im Jahr 2007 bei KTM eingestiegen.

Stefan Pierer war 34 Jahre, als er Bekanntschaft mit der KTM schloss. Damals galt er als Sanierer, der bankrotte Firmen übernahm, die gewinnbringenden Bereiche aufteilte und dann in Einzelstücken mit Gewinn verkaufte. Dieses Sanierer-Geschick kam Pierer zugute, als KTM in der Weltwirtschaftskrise 2008/09 arg gebeutelt wurde und unverkaufte Motorräder auf Halde standen. Pierer senkte rigoros die Kosten und rettete KTM nicht zuletzt dank einer Ausfallhaftung des Landes Oberösterreich in der Höhe von 33,6 Millionen Euro.

Durch die Zusammenarbeit mit dem indischen Motorradhersteller wurde nach der Krise 2008/09 eine weitere Erfolgsetappe eingeläutet, die reiche Ernte bringt: Die KTM-Gruppe hat nach Bilanzangaben 2018 insgesamt 212.899 KTM- und 48.555 Husqvarna-Motorräder verkauft, bis 2022 sollen es 400.000 sein. Der Umsatz der KTM Industries Gruppe verdoppelte sich zwischen 2011 und 2018 von 527 Millionen auf rund 1,56 Milliarden Euro. Im gleichen Zeitraum stiegen der Gewinn nach Steuern auf 108 Millionen Euro und die Mitarbeiterzahl von 1755 auf rund 4300. Die Benchmark für KTM bleibt – laut Pierer in einem Interview – Japan, und zwar hinsichtlich Qualität, Produkt und Globalisierung. Seit 1996 ist die KTM Industries AG an der Börse, 2016 wechselte Pierer von der Wiener an die Schweizer Börse.

Forschung ist Treiber

Natürlich ist einer der Erfolgstreiber, den Fokus auf Forschung und Entwicklung (F&E) zu richten. Etwa acht Prozent des Umsatzes gehen bei KTM Industries in F&E, in absoluten Zahlen entspricht dies bis zu 120 Millionen Euro pro Jahr. Damit belegt das oberösterreichische Unternehmen Platz drei der forschungsintensivsten Unternehmen in Österreich. Dies ist Grundlage für die hohe Innovationsstärke der KTM Industries-Gruppe. Selbstverständlich ist die E-Mobilität Thema, spielt für den KTM-Chef „eine immens wichtige Rolle“, investiert wird etwa in die Entwicklung leichter Elektro-Motorräder.

Vorstandsvorsitzender der Pierer Industrie AG, einer Industriebeteiligungsgruppe, die zu hundert Prozent im Eigentum der Pierer Konzerngesellschaft mbH steht, ist ebenfalls der umtriebige Stefan Pierer. Zu den wesentlichen Beteiligungen gehören neben anderen die KTM Industries-Gruppe sowie die im Automotive-Bereich tätige Pankl SHW Industries Gruppe. Die Pierer Industrie Gruppe erzielte 2018 einen Umsatz von 2,1 Milliarden Euro und beschäftigt rund 8000 Mitarbeiter

Ambitioniert und offen

Stefan Pierer ist bekannt als ambitionierter Unternehmergeist, der auch bei politischen Weichenstellungen in Österreich kein Blatt vor den Mund nimmt. Während einer Zusammenkunft mit Vertretern der Salzburger Jungen Industrie sagte der Konzernchef: „Wir sind die Vertreter der Wohlstandsversicherung. Die Politik ist dafür da, Rahmenbedingungen zu schaffen.“

Jungen Unternehmern empfiehlt Stefan Pierer, auf „freie Entscheidung und Selbstbestimmung“ zu setzen. Leistung sei die Grundlage des Wohlstandes und lohne sich. Österreich brauche mehr Unternehmergeist anstelle eines Staates als Bedenkenträger und Verhinderer. „Das Erreichen des Durchschnitts haben wir zu lange mit ­Spitzenfeld verwechselt.“

Didier Cuche Der Schweizer Skirennläufer wird auch Kaiser von Kitzbühel genannt. Fünf Mal war er auf der legendären „Streif“, seiner Lieblingsabfahrt, erfolgreich, so oft wie sonst kein Rennläufer. Risiko gehörte für den Walliser zum Berufsbild. Heute ist er sowohl als Markenbotschafter als auch als Coach und Berater im Nachwuchsbereich des Skisports tätig.

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Joschka Fischer Der ehemalige Vizekanzler und Außenminister der Bundesrepublik Deutschland führte die Grünen sowohl in die erste Regierungsbeteiligung auf Landesebene (Hessen) als auch auf Bundesebene. Fischer ist Gründungsgesellschafter von Joschka Fischer & Company, der politischen Strategieberatung für Unternehmen und Organisationen.

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Alexander Graf Der E-Commerce-Experte weiß, wie sich Geschäfts- und Handelsmodelle durch intelligente Software, verknüpfte Märkte und neue, enorm schnell lernende Unternehmensformen verändern. In diesem Feld hat er ­u. a. die Otto Group, Gruner + Jahr und Markenhersteller wie Vitra beraten. Außerdem ist er Herausgeber des renommierten Blogs Kassenzone.

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u. a. die Otto Group, Gruner + Jahr und Markenhersteller wie Vitra beraten. Außerdem ist er Herausgeber des renommierten Blogs Kassenzone.

Sabine Herlitschka Die Vorstandsvorsitzende managt mit Infineon Technologies Austria einen der wichtigsten Innovationstreiber der österreichischen Wirtschaft. Seit 2012 verantwortete sie als Vorstand die Bereiche Technik und Innovation, seit 2014 steht sie dem Halbleiterhersteller vor. Zudem ist sie Mitglied im Rat für Forschung und Technologieentwicklung.

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Andreas Perotti Der Marketingdirektor des oberösterreichischen Luftfahrtkonzerns FACC AG koordiniert alle Kooperationen im Bereich „Urban Air Mobility“. Dazu zählen die autonom fliegenden Lufttaxis. Vor seinem Einstieg in die Aerospace-Industrie war er in leitenden Funktionen in der Telekommunikation, bei Agenturen und im öffentlichen Bereich tätig.

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Hans Joachim Reinke Der Vorstandsvorsitzender wurde bereits 2004 Mitglied des Vorstands der Union Investment Gruppe. Die deutsche Fondsgesellschaft verwaltet rund 350 Milliarden Euro an Kundenkapital. Seine berufliche Laufbahn startete der Veranlagungsexperte 1987 bei der Volksbank und absolvierte eine Ausbildung zum Bankkaufmann.

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36. Vorarlberger ­Wirtschaftsforum

Thema Risiko

Wann Donnerstag, 14. November 2019

Wo Festspielhaus Bregenz

Preis 330 Euro zuzgl. USt.

Firmenbonus Bei einer gemeinsamen Anmeldung ab fünf Personen 275 Euro zuzgl. USt. pro Person. Es kann nur ein Rabatt pro Firma in Anspruch genommen werden.

Anmeldung wirtschaftsforum.vn.at

Information Russmedia, Telefon 05572/501-727, kristjani.balasko@russmedia.com